„Wir sind nicht clean“, sagt Deutschlands bekanntester Bodybuilder über Doping
Derart offene Worte aus der Szene sind selten. Bodybuilder Urs Kalecinski, bekannt unter seinem Spitznamen „The Miraclebear“, hat im OMR-Podcast bei Philipp Westermeyer offen über sein Wettkampf-Leben gesprochen. Es ging unter anderem um einen ungewöhnlichen Alkohol-Trick kurz vor dem Auftritt und ein klares Statement zur Doping-Frage im Profi-Bodybuilding.
Wenige Minuten vor seinem Auftritt unter den Scheinwerfern greift der 28 Jahre alte Kalecinski zu einem Glas Wodka – nicht aus Nervosität, sondern aus Kalkül. „Dann kommen die Adern raus“, begründet er. Denn: Alkohol entzieht dem Körper die letzten Wasserreste in der Haut, das Bindegewebe zieht sich zusammen – und jede Vene tritt messerscharf hervor. Genau das ist auf der Bühne gewollt.
In der Wettkampfwoche, in der jedes Prozent zählt, ist der Wodka für den Mann aus Schwäbisch Gmünd deshalb einer jener „kleinen Schritte, die am Ende helfen sollen, es ganz nach oben zu schaffen.“
Brisant wird es, als Podcaster Westermeyer die Frage stellt, die im Profi-Bodybuilding seit Jahrzehnten gemieden wird: Sind die Athleten auf der Bühne sauber? Kalecinskis Antwort kommt ohne zu zögern: „Nee, wir sind da nicht clean.“
Zwar ist die Antwort nicht überraschend, sondern eher ein offenes Geheimnis, für einen aktiven Top-Athleten ist eine solche Offenheit in der Öffentlichkeit allerdings ungewöhnlich. Das Tabu bricht er bewusst – als Teil eines größeren Plans: Er will den Bodybuilding-Sport in Deutschland aus dem Nischen-Image befreien, ihn größer, erwachsener und gesellschaftsfähiger machen. Das gehe nur, wenn man auch über die dunklen Seiten rede.
Es geht allerdings auch anders, wie die Bewegung des „Natural Bodybuilding“ zeigt, die sich nach strengen Anti-Doping-Regeln richtet und damit völlig ohne den Einsatz von anabolen Steroiden, Wachstumshormonen oder anderen verbotenen Mitteln auskommt.
Deutschland- und weltweit gibt es spezielle Verbände, die dopingfreie Wettkämpfe veranstalten. Ein bewusster Gegenentwurf zur Bodybuilding-Szene, über die Kalecinski spricht.
Vom 150-Euro-Deal zum Millionen-Business
Den Sprung zur Marke hat er dennoch oder auch gerade deshalb längst vollzogen. 2019 startete alles mit einem Mini-Sponsoring: 150 Euro im Monat von einem Supplement-Hersteller. Der Bodybuilder erinnert sich: „Ich war super dankbar. Ich wusste halt, okay, ich muss einen Mehrwert liefern.“
Heute zählt er rund 1,7 Millionen Follower auf Instagram und mehr als 640.000 auf YouTube – betreut von einem Team aus zwei Brüdern und einem Kameramann.
Vom Wettkampfsport selbst lebt er dabei bis heute nicht: Das Profi-Bodybuilding sei bei ihm „Gott sei Dank ein Nullgeschäft, aber sonst ein Minusgeschäft“. Preisgelder decken im besten Fall die Diät-Kosten – den Rest finanzieren Sponsorings, YouTube und eine eigene Fashion-Brand.
Gefeiert: Urs Kalecinski als Gast auf der Fitnessmesse FiboEbenso aufschlussreich wie seine Einnahmen sind seine Absagen. Ein Online-Casino bot 300.000 bis 400.000 Euro – Kalecinski lehnte ab. Peptid-Shops (Peptid ist ein Molekül, das aus Aminosäuren aufgebaut ist) lockten ebenfalls mit hohen Summen – abgelehnt.
Seine Begründung: „Das kannst du nicht machen, das ist so ein negativer Impact.“ Auch ein komplett ausgestattetes Gratis-Studio eines Geräteherstellers schlug er aus, um weiter unabhängig urteilen zu können, welches Gerät taugt und welches nicht.
Platz 13 – und das Ziel heißt Mr. Olympia 2027
Sportlich verlief die jüngste Saison holpriger als erhofft. Nach dem Wechsel aus der Classic Physique ins Men’s-Open-Schwergewicht und zwei Pro-Show-Siegen reichte es beim prestigeträchtigsten internationalen Wettbewerb der Szene – Mr. Olympia – in der neuen Klasse nur für Platz 13. Die gesamte Saison 2026 musste er krankheitsbedingt absagen. Nächstes großes Ziel: Mr. Olympia 2027.
Dass er dieses Ziel von Deutschland aus angeht, ist für ihn Prinzipiensache: „Jeder gute Bodybuilder bisher ist immer von Deutschland weggegangen.“
Kalecinski will der Erste sein, der es umdreht.
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