Was Ihr Tagesrhythmus darüber verrät, wie schnell Ihr Körper altert
Die Geschichte von Eule und Lerche schien eigentlich auserzählt: Der eine ist frühmorgens aktiv und kommt abends schnell zur Ruhe. Der andere startet später in den Tag und wird am Abend noch einmal besonders fit. Zwei Menschen können sich so, trotz völlig unterschiedlicher Tagesabläufe, ähnlich viel bewegt haben.
Doch für den Körper könnte es einen Unterschied machen, wann man sich bewegt. Und wie sich aktive und ruhige Phasen über den Tag verteilen und ergänzen. Eine neue Studie aus Harvard, die im Fachmagazin „Nature Communications“ erschienen ist, zeigt, dass nicht nur die Häufigkeit körperlicher Aktivität, sondern auch ihre Verteilung über den Tag damit zusammenhängt, wie schnell der Körper altert.
Forscher der Harvard T.H. Chan School of Public Health werteten dafür die Daten der Fitnesstracker von 2222 Teilnehmern des amerikanischen „All of Us“-Forschungsprogramms aus. Die Wissenschaftler untersuchten, wann Menschen besonders aktiv waren, wie deutlich sich aktive und ruhige Phasen unterschieden und wie stabil dieser Rhythmus über die Tage blieb.
Verglichen wurden diese Muster mit dem sogenannten „PhenoAge“, also dem Wert, der das tatsächliche Alter mit neun klinischen Blutparametern kombiniert und so abbilden soll, wie stark der Körper physiologisch gealtert ist.
Das Ergebnis: Je aktiver jemand insgesamt war, gemessen an seiner durchschnittlichen Bewegung über den Tag und an der Intensität in den aktivsten Tagesstunden, desto seltener zeigten sich Hinweise auf beschleunigtes biologisches Altern.
Besonders deutlich war der Unterschied zwischen Tag und Nacht. Wer tagsüber klar aktiver und nachts deutlich ruhiger war, schnitt beim biologischen Alter besser ab. Je nach Messwert lag der Unterschied bei rund 26 bis 46 Prozent.
Unabhängig davon hing auch der Zeitpunkt der Aktivitätsspitze mit dem biologischen Altern zusammen: Lag die aktivste Phase eher später am Tag, war das mit einer rund 22 Prozent höheren Chance auf beschleunigtes Altern verbunden.
Die Forscher schauten sich auch an, wie ähnlich die Tagesabläufe waren und ob bestimmte Muster und Routinen eingehalten wurden. Bei Frauen war ein beständiger Tagesrhythmus mit um rund 15 Prozent geringeren Chancen auf beschleunigtes Altern verbunden. Bei Männern zeigte sich dieser Zusammenhang nicht eindeutig.
Die Zusammenhänge lassen sich nicht allein dadurch erklären, dass manche Menschen mehr Sport trieben oder länger schliefen. Auch nach Berücksichtigung von körperlicher Aktivität und Schlaf blieben wesentliche Effekte bestehen.
Inwieweit der Tagesrhythmus das Altern tatsächlich beeinflusst, müssen weitere Studien zeigen. Als Beobachtungsstudie konnte die Harvard-Studie nur Zusammenhänge aufzeigen. Einschränkend kommt laut den Forschern hinzu, dass die untersuchte Gruppe nicht repräsentativ für die US-Bevölkerung ist: Die Teilnehmer, die ihre Fitnesstracker-Daten teilten, waren im Schnitt jünger, häufiger weiblich und körperlich aktiver als der landesweite Durchschnitt.
Die Ergebnisse deuten jedoch schon jetzt darauf hin, dass nicht nur die Menge an Bewegung, sondern auch ihr zeitliches Muster mit dem biologischen Altern zusammenhängt.
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