„147 Nächte Sonne“ – die erstaunlichen Pläne der Winterflüchter
Langzeiturlauber sind wie Winterflüchter. Das sind opportunistische Vogelarten wie Kraniche, Feldlerchen oder auch Kiebitze. Solange der Winter hierzulande mild bleibt, harren viele von ihnen aus.
Wird es im Januar richtig eisig, brechen sie fluchtartig auf und flattern gen Spanien, Portugal oder Nordafrika: Wettergesteuerte Fakultativzieher werden sie auch genannt, im Gegensatz zu normalen Zugvögeln. Das klingt irgendwie sympathisch. Immer mehr Urlauber aus Deutschland machen es ihnen nach und düsen sozusagen den Vögeln hinterher in den sonnigen Süden.
Nachgefragt bei den größten Reiseveranstaltern TUI Group aus Hannover, Dertour mit Sitz in Köln, Schauinsland-Reisen aus Duisburg und Alltours aus Düsseldorf: Langzeiturlaub unter Palmen ist bei allen vier Anbietern ein ganz großer Trend.
Kanaren sind Top-Favorit
Und was sind die beliebtesten Ziel der Winterflüchter? Das sind mit deutlichem Abstand die Kanaren mit Fuerteventura, Gran Canaria und Teneriffa – mit angenehmen 21 Grad und sechs bis sieben Sonnenstunden im Januar und Februar.
Es folgen Strandziele in Tunesien und Ägypten am Roten Meer, die türkische Riviera, Madeira, das südliche Festlandspanien, aber auch Fernziele wie die Dominikanische Republik und Thailand.
Bei TUI etwa plant jeder zehnte Winterkunde einen Langzeiturlaub. Im Schnitt bleiben die Reisenden 28,1 Nächte und geben 2163 Euro pro Person für die Reise aus. Gewünscht wird vor allem: Strand, Indoorpool, falls das Wetter mal nicht mitspielt, und vor allem ein stabiles und kostenloses WLAN.
Bei TUI ist der All-inclusive-Club „Magic Life Kalawy“ am Roten Meer in Ägypten das beliebteste Langzeithotel, er wurde für den Winter 2026/27 bereits 209-mal gebucht.
Da könnte man freilich viele lustige Rentnergangs unterwegs antreffen, die sich im Urlaub zusammenfinden, ob am Pool, am Strand oder im Frühstückssaal. Denn mehr als 80 Prozent der Winterflüchter sind Best Ager, wie es so schön heißt, 60 Jahre oder älter, überwiegend reisen sie als Paare oder solo.
Doch auch jüngere Arbeitnehmer mit flexiblen Arbeitsmodellen, für Workation, Sabbaticals oder auch Weiterbildungsurlaub, buchen beispielsweise nach Angaben von Alltours inzwischen auch mal ein oder zwei Monate Sonne am Stück, etwa in Südspanien. Und auch Familien mit kleinen Kindern in der Elternzeit können in die Sonne düsen.
Rabatte bis zu 50 Prozent
Das dürfte auch finanziell interessant sein. Die Anbieter gewähren Rabatte von 25 bis 50 Prozent auf Langzeitaufenthalte im selben Hotel. Normalerweise reicht auch die übliche Auslandsreiseversicherung für sechs bis zehn Wochen; für längere Reisen gibt es Langzeittarife.
Bei Schauinsland-Reisen etwa werden gern auch mal ein paar Monate am Stück gebucht. Groß ist beispielsweise die Nachfrage für die türkische Ägäis. Bei Dertour wiederum gilt Tunesien als Trendsetter.
Bereits im vergangenen Winter war jede fünfte Tunesien-Reise ein Langzeiturlaub mit durchschnittlich 45 Tagen, ein Anstieg um fünf Prozent im Vergleich zum Vorwinter. Auch diesen Winter ist Tunesiens Küste bei allen Veranstaltern sehr gefragt, weil preisgünstig.
Es geht aber auch noch deutlich länger: Dann werden aus sonnenhungrigen Winterflüchtern gleich mal richtige Überwinterer. Der längste bislang gebuchte Aufenthalt bei TUI beträgt 147 Nächte, bei Dertour mehr als 180.
Dann bekommt man vom Winterblues in der Heimat tatsächlich so gut wie nichts mit.
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