Von den Skandinaviern können nicht nur die anderen Europäer viel lernen: etwa Gelassenheit, Selbstbewusstsein, Humor, dazu einen Sinn für Natur und guten Stil, der sich in Essen, Architektur und Design ausdrückt. Und der auch – entschuldigen Sie die Drastik – vor „Scheißhäusern“ keineswegs Halt macht.

Als ein solches, ein „shithouse country“, hat der 45. und 47. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika Norwegen gerade bezeichnet. Bei einem Wahlkampfauftritt vor den Midterms sagte er in Port Huron, Michigan: „Offen gesagt ist Norwegen ätzend. Norwegen ist tatsächlich zu einem beschissenen Land geworden.“ Der Grund: Das „beschissene Land“ hat ihm, dem Friedenspräsidenten, aus Gründen, die nun wirklich niemand versteht, schon wieder den Nobelpreis verwehrt. Eine Unverschämtheit natürlich, findet Trump.

Die Norweger haben im Umgang mit Trump von den Dänen gelernt – und nehmen den US-Präsidenten so, wie es offenbar am besten funktioniert. Hart in der Sache (wieder kein Preis). Und ansonsten mit Humor. Es geht schließlich um Aussagen des größten Entertainers des Planeten. Auf Social Media hat sich rasch der Trend verbreitet, die Tonspur des Trump-Auftritts mit den schönsten Bildern und Videos voll atemberaubender Natur aus dem „shithouse country“ zu unterlegen.

Das Tourismusbüro Visit Norway hat die Vorlage souverän aufgenommen und stellte darauf gleich eine ganze Liste und Reiseroute zu den schönsten „shithouses“ des Landes zusammen. Denn, wie auch der britische „Telegraph“ (gehört wie WELT zu Axel Springer) stellvertretend zu einer Toilette am Aussichtspunkt Ureddplassen feststellte: „Norwegen hat die vielleicht idyllischste öffentliche Toilette der Welt eröffnet.“ Ureddplassen bedeutet „Ort der Furchtlosen“. Die Örtlichkeit mit ihrer neun Meter breiten Terrasse, entworfen von Haugen/Zohar Arkitekter und der Landschaftsarchitektin Inge Dahlman (Asplan Viak), liegt unweit eines Denkmals, das an das norwegische U-Boot „Uredd“ und seine Besatzung erinnert, welches im Zweiten Weltkrieg direkt vor der Küste sank.

Viele der öffentlichen Toiletten, wie etwa die am Aussichtspunkt Stegastein in der Region von Sognefjord, dem längsten und tiefsten Fjord des Landes, sind mit Design-Preisen ausgezeichnet und nicht nur aus naheliegenden Gründen einen Besuch wert. Für das Architekturmagazin „DesignCurial“ zählt die betont minimalistische Toilette nahe dem schwebenden Aussichtspunkt, über einem Abgrund hängend und entworfen von dem Duo Todd Saunders und Tommie Wilhemsen, zu den zehn besten öffentlichen Toiletten der Welt.

Laterne, Laterne... An der stürmischen Küste von Jæren strahlt das Toilettengebäude von Haugen/Zohar Arkitekter am Hafen von Madland nach Einbruch der Dunkelheit

Im Südwesten Norwegens wiederum schlängelt sich etwa nördlich von Stavanger die 260 Kilometer lange Panoramastraße Ryfylke spektakulär an Fjorden und Bergen entlang. An einem Rastplatz am Weg bietet eine architektonisch beeindruckende Toilette von innen einen atemberaubenden Blick auf den Wasserfall Flessefossen. Der Toilettenausblick wurde zu einem beliebten Fotomotiv.

Für alle „Shithouses“ aber gilt, so spektakulär der Ausblick auch sein mag: Immer das Handy gut festhalten!

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