Demnächst in Paris? Diese fünf Hotels setzen ganz neue Maßstäbe
Neuland: „La Fondation“
Ein Parkhaus als Hotel? „Wir haben die Grundstruktur nur umgestaltet“, erklärt Marion Gerent, die das vor gut einem Jahr eröffnete Fünf-Sterne-Haus leitet. „Sogar die Rampe, über die man früher in die oberen Stockwerke fuhr, ist erhalten geblieben.“
„La Fondation“ („Das Fundament“) bespielt zwei aneinandergrenzende Gebäude aus den 1960er-Jahren: einen Büroturm und ein mehrstöckiges Parkhaus, die zu einem hybriden Komplex mit Hotel, Restaurants, üppig begrünten Terrassen, Arbeitsräumen sowie einem Sport- und Wellnesscenter mit Kletterwand und 27-Meter-Pool vereint wurden.
„La Fondation“ befindet sich in Les Batignolles, einem angenehm untouristischen Viertel im 17. Arrondissement. An der zentralen Rue Legendre hört man fast nur Französisch, und auch der „Traiteur“ mit seinen feinen Produkten aus der Auvergne und die „Droguerie“, wo Besen, Plastikeimer und Putzmittel verkauft werden, sind eher für Anwohner gedacht. „Bewohner und Besucher sollen sich bei uns treffen“, sagt Marion Gerent, „beim Essen, beim Sport, an der Bar“.
Von außen fällt zunächst der brutalistische Beton- und Glasbau des französischen Architekten Philippe Chiambaretta auf, der so ganz anders ist als die klassische Pariser Haussmann-Architektur ringsum. Die Innenräume wurden von den New Yorker Design-Visionären Roman & Williams gestaltet; sie präsentieren sich warm, elegant und einladend. In der wohnzimmerähnlichen Lobby stehen goldgelbe Samtsofas, Skulpturen und Designobjekte vor formschönen Regalen, die mit Kunstbänden und Architekturbüchern gefüllt sind. Die 58 Zimmer und Suiten punkten mit hohen Fenstern, polierten Holzböden, matten Primärfarben und grün gefliesten Bädern, die wie Lagunen wirken.
Beide Hotelrestaurants – eine moderne Brasserie im Erdgeschoss und ein Fine-Dining-Lokal in der achten Etage – sind mit Tischen im Freien versehen. Den schönsten Blick bietet die Bar auf der Dachterrasse mit Panorama vom Eiffelturm bis Montmartre.
Infos: lafondationhotel.com, Doppelzimmer ab 332 Euro
Bar mit Zimmern: „Experimental Marais“
Längst ist dieses Hotel an der Rue du Temple im 3. Pariser Arrondissement vor allem für seine Bar und das angrenzende Restaurant bekannt, obwohl das „Experimental Marais“ erst 2025 eröffnet hat. Lokal und Bar sind auch das Erste, was man beim Eintreten sieht: einen weitläufigen, hallenartigen, teilweise verglasten und durch eine breite Treppe in zwei Ebenen geteilten Raum mit Privatclub-Charakter, geprägt von sinnlichem Halbdunkel, Perserteppichen, dunklen Ledersofas und hohen Hängeleuchten. Der Glückshormonausstoß ist garantiert, wenn man hier zuerst den rauchigen Barklassiker Benton’s Old Fashioned und dann ein Filet de Boeuf genießen kann – und anschließend über Nacht bleibt.
Feine Auswahl: Bar im „Experimental Marais“Das Haus im stillen Haut Marais empfing bis 2024 als „Hotel Sinner“ angesagte Gäste. Dann wurde es von den „Experimental“-Machern übernommen und umgestaltet mit einem frischen, von New York inspirierten Gesamtkonzept, das von Star-Designer Tristan Auer umgesetzt wurde – im neugotischen Stil mit Bögen, Buntglasfenstern und tiefgründigen Texturen. Der Fahrstuhl ist mit rotem Samt ausgekleidet, in den Gängen unterbrechen mattrote Türen die schwarzglänzenden Wände, hohe Mosaikfenster in Rot-Gelbtönen verströmen ein warmes Licht.
Die 43 Zimmer und Suiten sind dagegen lichtdurchflutet, mit samtigen Holzdielenböden, riesigen weißen Betten, großzügig bemessenen Schränken und Arbeitsflächen sowie einem wie ein Boudoir tapezierten Badezimmer, dessen Wanne in die Duschkabine integriert wurde.
Hinter „Experimental“ stehen drei Freunde aus Südfrankreich: Olivier Bon, Pierre-Charles Cros und Romée de Gorianoff. 2007 bescherten sie Paris eine richtig gute American Bar nach New Yorker Vorbild, den „Experimental Cocktail Club“. Der hat sich seitdem fulminant entwickelt, ohne auch nur einen Deut seiner Coolness zu verlieren.
Inzwischen gehören Weinbars in London und New York, ein Beachclub in Cannes und ein Landgut in den Cotswolds zu „Experimental“, sowie Hotels auf Ibiza, in Venedig oder Verbier. Das „Experimental Marais“ in Paris passt wunderbar in diese Kollektion, die Genuss und Lifestyle mit sicherer Hand kombiniert.
Infos: experimentalmarais.com, Doppelzimmer ab 424 Euro
Am anderen Ufer: „Hotel Salvia“
Südlich der Seine, an der Rive Gauche, passiert in Paris einiges, auch in Sachen Hotellerie. So hat sich in der ruhigen Rue Cujas direkt hinter der Sorbonne im historischen Studentenviertel Quartier Latin das in die Jahre gekommene „Hôtel des 3 Collèges“ in eine gänzlich neue Vier-Sterne-Unterkunft verwandelt.
Die Veränderung ist schon von außen offensichtlich: Die salbeigrüne Fassade des eleganten Eckgebäudes – Salvia ist der lateinische Name für Salbei – erklärt nicht nur den neuen Namen „Hotel Salvia“. Er steht auch für eine frische, moderne, individuellere Vision der Gastlichkeit. Das schon vorher charmante, aber eher blasse Interieur erhielt durch den mutigen Einsatz von leuchtenden Kontrastfarben und ausgesuchtem Designermobiliar mehr Persönlichkeit.
Zu jedem Café au Lait wird eine Überraschungslektüre serviert: Lesen ist ein Leitthema im „Hotel Salvia“Einige der 39 Zimmer sind in sanftem Rosa und beruhigenden Grüntönen gehalten, in anderen überraschen tiefes Burgunderrot und matte Blauschattierungen. Hier wie dort sorgen schimmerndes Holz, durch zarte Gardinen gedämpftes Tageslicht und die hellen Keramikfliesen der Badezimmer für eine warme, freundliche Atmosphäre mit einem dem Bohème-Viertel angemessenen Retro-Touch.
Auch das Restaurant des Hauses verneigt sich vor der kultivierten Nachbarschaft: In den Regalen stehen Bücher, die von der nur wenige Meter vom Hotel entfernten Buchhandlung „Pedone“ in der Rue Soufflot sorgfältig ausgewählt wurden. Zu jedem Café au Lait wird eine Überraschungslektüre serviert, und es stört niemanden, wenn Gäste den halben Tag an der Bar mit Schmökern verbringen. Das Konzept gibt es übrigens auch in einer „Literary Chocolate“-Version für Kinder: heiße Schokolade, begleitet von einem Kinderbuch, um schon früh die Liebe zum Lesen zu wecken.
Infos: hotelsalviaparis.com, Doppelzimmer ab 255 Euro
Rotlicht-Glamour: „Bus Palladium“
Nur der Name „Bus Palladium“ leuchtet in Neonbuchstaben an der Fassade, der Hinweis auf ein Hotel fehlt. Kein Wunder! Als das Schild vor mehr als 60 Jahren montiert wurde, gab es noch keins. Der legendäre Nachtclub im ehemaligen Rotlichtviertel Pigalle erlebte seine Blütezeit in den 1970er- und 1980er-Jahren mit Gästen wie Salvador Dalí, Yves Saint Laurent, Madonna, Serge Gainsbourg.
Nicolas Saltiel, Gründer der kleinen, feinen Hotelgruppe Chapitre Six, erlebte nur dessen späte Phase. Doch als ihm die Entwicklung einer Neuauflage mit Restaurant und Hotelzimmern angeboten wurde, zögerte er nicht. Er übernahm den seit 2022 geschlossenen „Bus“ und eröffnete ihn vor einigen Wochen im schallisolierten Keller des Gebäudes, unterhalb des neuen, dazugehörenden Luxushotels.
Rohbeton und rosa Teppichboden: Die Zimmer im „Bus Palladium“ sind erfrischend unkonventionell...... was sich auch an den Wänden aus Kork zeigtMan betritt es durch eine schwarze Tür und einen scharlachroten Samtvorhang. Gleich rechts sind die im glamourösen Vintage-Look gestaltete Bar und das Restaurant zu sehen, die unmissverständlich den Stil des Hauses vorgeben. Die 35 Zimmer und Suiten sind „rockig“ – mit Rohbetondecken, Wänden aus Kork, puderrosa Teppichböden, Vorhängen aus geripptem Samt und plüschigen Sofas. Die in Blau oder Altrosa gefliesten Bäder verschwinden hinter halbtransparenten Glaswänden.
Aus schönen Holzlautsprechern von Ojas perlen Playlists nach Wahl, und die Minibar – eigentlich ist es eher eine Hausbar – bietet alles, was man braucht, um Cocktails zu mischen. Kein Zimmer gleicht dem anderen. In der Dalí-Suite steht ein modulares Ledersofa aus den 1970er‑Jahren. Das Bettkopfteil mit Leopardenmuster ist wohl eine Anspielung auf die Raubkatze, die Dalí an der Leine führte. Ein Foto des Meisters mit seiner Frau Gala wirkt, als sei das Paar hier zu Hause.
„Wir sind kein protziges Hotel“, erklärt Nicolas Satiel, „der Luxus liegt in der Liebe zum Detail, in den angebotenen Dienstleistungen, in den sprudelnden Ideen, in den von der Nouvelle Vague inspirierten Uniformen des Teams. Es geht um das Know-how und um die Schönheit der kleinen Dinge.“
Infos: buspalladium.com, Doppelzimmer ab 490 Euro
Unaufgeregter Schick: „Hotel Massé“
Gleich um die Ecke des „Bus Palladium“, im angesagten Viertel SoPi (South of Pigalle) und ganz in der Nähe der belebten Rue des Martyrs, haben Eole und Corto Peyron ein Vier-Sterne-Haus eröffnet: Ihr „Hotel Massé“ befindet sich in einem schönen Haussmann-Gebäude und war auch zuvor ein Gästehaus – wenn auch ein heruntergekommenes Etablissement von zweifelhaftem Ruf.
Die Geschwister haben es in ein schickes urbanes Refugium verwandelt, das ihrem eigenen Geschmack entspricht, den Erwartungen zeitgeistorientierter Reisender gerecht wird und den hippen Charakter der Nachbarschaft widerspiegelt. „Alles soll sich echt und gelebt anfühlen“, sagt Eole Peyron.
Hinter historischen Mauern: „Hotel Massé“ im Pigalle-ViertelIn der Empfangslounge im Erdgeschoss steht ein ausladendes, mit Jutestoff bezogenes Sofa. Vom hausgebackenen Schokokuchen darf sich jeder bedienen. Das großformatige abstrakte Gemälde an der Wand stammt von Christian Rosa. Der in Brasilien geborene und in Paris lebende Künstler hat es vor Ort und für diesen Ort kreiert.
Auf den darüber liegenden Etagen verteilen sich 40 Zimmer, in denen man sich eher wie in einem Pariser Apartment als wie in einem Hotel fühlt. Einige haben schräge Decken und Aussicht auf die Zinkdächer der Stadt, andere punkten mit privaten Balkonen oder in den Raum integrierten Badewannen. Hellbeige Spannteppiche, holzverkleidete Decken, Vintage-Möbel aus den 70ern und verspiegelte Beistelltische vermitteln Intimität und Wohnlichkeit.
Jedes Zimmer ist anders, doch alle zeichnen sich durch viel natürliches Licht, klare Linien und sorgfältig ausgewählte Materialien aus. Nichts wirkt hier durchgestylt, alles sieht lässig, gemütlich und dabei absolut fabelhaft aus.
Das im September 2025 eröffnete Hotel wurde im März dieses Jahres um ein Lokal mit Verbindungstür zur Lobby erweitert. Das neue „Le Trente“ versteht sich als Cocktailbar mit kleiner Menükarte. Am späten Abend legt ein DJ auf, es wird gefeiert und getanzt – schließlich ist dies hier nach wie vor Pigalle.
Infos: hotelmasse.com, Doppelzimmer ab 162 Euro
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