Wuppertal als „Moppertal“ – warum das Genörgel jetzt Touristen anzieht
Hier wird grundsätzlich viel und gern gemeckert. Moppern, also Herummäkeln, nennen das die Wuppertaler. Diese Knorrigkeit muss ja grundsätzlich nicht per se schlecht sein, wirkt aber auf Gäste etwas befremdlich.
Diese schlechte Laune wird gehegt, gepflegt und unverblümt mitgeteilt, sodass bei Befragungen für diverse Städterankings die Metropole mit 360.000 Einwohnern im Bergischen Land zuverlässig abschmiert.
Die unzufriedensten Einwohner einer deutschen Großstadt? Wuppertaler. Wirtschafts-Standort? Rang 392 von 400 Städten. Hässlichstes Uni-Gebäude? Genau, Wuppertal. Fahrradfreundlich laut ADFC? Kaum, meinen die Wuppertaler Radler, nur Rang 21 von 25 Großstädten.
Das Genörgel spricht sich bei Urlaubern herum, die Übernachtungszahlen stagnieren, und das auch noch entgegen dem Trend in Nordrhein-Westfalen. Mehr Besucher im Bergischen Land, mehr Gäste in den Nachbarstädten Solingen und Remscheid, aber – nicht in Wuppertal.
Bei so viel Gegenwind, möchte man meinen, dürfte das Stadtmarketing ziemlich verstimmt sein und abwehrend eine Charme-Offensive starten, um Besucher anzulocken. Aber wir sind ja in Wuppertal.
Da ist es folgerichtig, stattdessen Deutschlands schlechtgelaunteste Stadtführung anzubieten. Genau, die neue „Moppertour“ zeigt zweimal pro Woche Wuppertals hässlichste Ecken. Der „Mopperkopp“, Schauspieler David J. Becher als fiktiver Griesgram, läuft vom Hauptbahnhof durch die Stadt – und lässt dabei kein gutes Haar an dem, was er zeigt.
Etwa die golden lackierten Bänke für gut 400.000 Euro, auf denen leider niemand im Sommer sitzen kann, weil sie sich aufheizen wie ein Toaster. Es geht weiter zu Baustellen, Betonsünden, hässlichen Ecken; und davon gibt es – wie in jeder Großstadt – eine Menge. Einen Regenschirm hat der Mopperkopp selbstverständlich auch dabei, denn in Wuppertal nieselt es bekanntlich ständig.
Eigentlich hat das Stadtmarketing die selbstironische Tour für Einheimische konzipiert, so etwas gibt es übrigens auch in Ludwigshafen in Rheinland-Pfalz.
Günstigstes Städteziel
Doch gebucht wird die neue Tour vor allem von höchst amüsierten Besuchern, die nun unterwegs hemmungslos mitlästern dürfen. Man lernt, dass die Wuppertaler selbstironisch ihre Stadt gern Moppertal nennen. Urlaub im Moppertal, das macht neugierig.
Immerhin: Ein neues Ranking dürfte Wuppertal eigentlich schmeicheln. Es ist hierzulande das günstigste Städteziel für ein Wellness-Wochenende, ergab eine Umfrage vom Zahlungsanbieter Sumup. Nur in Wuppertal sind sowohl der Cappuccino (2,90 Euro) als auch ein Bier (3,50 Euro) im Schnitt am günstigsten. Hotelübernachtungen im Hochsommer kosten rund 85 Euro, auch Wellnessbehandlungen sind vergleichsweise moderat.
Quasi umsonst gibt es Sport: Wer durch Wuppertal läuft, braucht eigentlich kein Fitnessstudio: Dank gut 500 Freitreppen und mehr als 12.000 Stufen. Wer ins Schwitzen geraten will, läuft treppauf, treppab die Vogelsauer Treppe mit dem meisten nämlich 241 Stufen.
Abkühlung aber wird schon schwieriger. Baden in der Wupper ist verboten. Es gibt sechs Freibäder, aber keinen einzigen See – und das Stadtmarketing schickt Gäste zum Baden an die Wupper-Talsperre. Die aber liegt in Remscheid.
Immerhin hat Wuppertal seine berühmte Schwebebahn – und plante eigentlich, 2026 auf allen Schildern mit dem Namenszusatz Schwebebahnstadt zu werben.
Doch der Stadtrat hatte daran zu viel zu meckern und gleich mal abgelehnt. Vielleicht wäre der Namenszusatz „Stadt der schlechten Laune“ besser angekommen.
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