Diamanten bestimmen ihr Leben. Die wertvollen Edelsteine haben Keorapetse Koko bislang all das ermöglicht, was sie und ihre Familie brauchten. Jetzt sitzt die Diamantschleiferin aus Botswana ratlos auf ihrem abgenutzten Sofa in einem Dorf am Rande der Hauptstadt Gaborone und fragt sich, was passiert ist. Seit einigen Monaten ist sie arbeitslos.

Wie konnte das Geschäft mit den Diamanten so schnell, so abrupt einbrechen? Wie konnte ihr bisher so verlässliches Einkommen wegfallen? Kokos ganzes berufliche Leben war auf die Steine gebaut – ebenso wie die Wirtschaft des gesamten Landes.

Diamanten haben Botswana dazu verholfen, von einem der ärmsten Länder des Kontinents zu einem der erfolgreichsten zu werden. Die Vorkommen wurden 1967 entdeckt, unmittelbar nach der Unabhängigkeit von Großbritannien im Jahr zuvor. Das südafrikanische Land wurde, am Wert der Steine gemessen, zur Nummer eins der weltweiten Diamantengewinnung. Mengenmäßig musste es sich nur Russland geschlagen geben.

Die Diamanten, die Koko und Tausende Landsleute ausgruben und schliffen, legten den Grundstein für Infrastruktur, Bildung, Gesundheitswesen. Über Jahrzehnte hinweg konzentrierte sich Botswana auf den wertvollen Rohstoff – mit großem Erfolg. Das lag auch daran, dass das Land es schaffte, die Schlingen von Korruption und Machtkämpfen zu umgehen, die anderen zum Verhängnis wurden.

Diamanten füllten die Staatskasse

„Diamanten haben unser Land aufgebaut“, sagt Joseph Tsimako, der Präsident der Minenarbeitergewerkschaft. „Inmitten einer sich verändernden Welt müssen wir jetzt einen Weg finden, um sicherzustellen, dass sie nicht das Leben der Menschen zerstören, die beim Aufbau geholfen haben.“

Denn inzwischen steht Botswana unter wachsendem Druck. Billigere laborgezüchtete Diamanten, vor allem aus China und Indien, sorgen für starke Konkurrenz. Die Exporte der wertvollen Steine, die etwa 80 Prozent der Einnahmen des Landes ausmachten und ein Drittel der Regierungskasse füllten, sind eingeknickt. Im zweiten Quartal 2025 verzeichnete die nationale Statistikbehörde einen Einbruch um 43 Prozent in der Diamantenproduktion. Das ist der stärkste Rückgang seit Beginn des modernen Bergbaus.

Synthetische Diamanten seien zu einer harten Konkurrenz geworden, erklärt Siddarth Gothi, der Vorsitzende des botswanischen Verbands der Diamantenindustrie. Diese Steine kamen in den 1950er-Jahren für die industrielle Nutzung auf.

In den 1970er-Jahren erreichten sie Juwelenqualität. Inzwischen machen sie fast 20 Prozent der weltweiten Verkäufe aus, vor zehn Jahren war es gerade einmal ein Prozent. Ihr Preis liegt bis zu 80 Prozent unter den natürlichen Diamanten.

Anzeigen und Videos in sozialen Medien befeuern den Aufstieg der Labordiamanten. Dort werden die unter hoher Hitze und enormem Druck produzierten Steine als billigere, garantiert konfliktfreie und ökologischere Alternative zu den in über Milliarden Jahren entstandenen natürlichen Diamanten beworben.

An der Umweltfreundlichkeit der gezüchteten Steine indes scheiden sich die Geister. Zwar kann der Abbau in Minen laut Umweltgruppen zu Abholzung und Zerstörung von Lebensräumen führen, Boden und Wasser verschmutzen. Doch die Produktion der Labordiamanten ist den Kritikern zufolge sehr energieintensiv – oft unter Einsatz fossiler Brennstoffe.

Von einem „Randphänomen“ hätten sich die synthetischen Diamanten zu einer „beispiellosen Flut“ entwickelt, erklärte vor wenigen Monaten der Präsident des Weltverbands der Diamantenbörsen (WFDB), Yoram Dvash. Diese werde zur Bedrohung für den Wert und die Zukunft der Naturdiamanten. Seit 2022 seien deren Preise um etwa 30 Prozent gesunken, die Industrie stehe damit an einem kritischen Punkt.

Gold, Silber, Tourismus

Mit einer globalen Marketingkampagne stellen sich Botswana, Angola, Namibia, Südafrika und der Kongo gemeinsam gegen den Trend. Sie einigten sich im Juni darauf, ein Prozent ihres jährlichen Diamanteneinkommens in die gezielte Werbung für ihre Natursteine zu stecken. Teil der Kampagne unter Führung der gemeinnützigen Organisation NDC sind auch große Unternehmen wie De Beers und Rio Tinto.

Natürliche Diamanten wieder begehrenswert zu machen, sei unabdingbar zum Schutz der produzierenden Volkswirtschaften, betont Kristina Buckley Kayel, NDC-Geschäftsführerin für Nordamerika. Das gelte vor allem für die Länder im südlichen Afrika.

Botswana muss sich nun stärker auf andere Rohstoffe wie Gold, Silber und Uran stützen und den Tourismus forcieren. Vielversprechende Anknüpfungspunkte gäbe es im Fremdenverkehr viele: Das Land, östlicher Nachbar des touristisch besser erschlossenen Namibia, ist landschaftlich vielfältig, es ist geprägt von Savannen und Salzpfannen, der Kalahari-Wüste und dem Okavango-Delta als größtem Binnendelta der Welt. Die Wildtierdichte für Safariliebhaber ist groß.

Die arbeitslose Keorapetse Koko aber macht sich wenig Hoffnung. „Ich habe Schulden und ich weiß nicht, wie ich sie abzahlen soll“, sagt sie. „Ich war die Brotverdienerin einer Großfamilie“, erklärt sie.

„Jetzt weiß ich nicht einmal, wie ich meine eigene Familie ernähren soll.“ Einen anderen Job zu finden, sei sehr schwer. Ihr Schicksal hängt an den Diamanten: „Das was ich gelernt habe, braucht es nur in der Diamantenindustrie“, sagt Koko. Womöglich aber eröffnen sich, wenn nicht für Keorapetse Koko, dann aber für andere Menschen im Land neue Möglichkeiten im Tourismus auf.

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