Der Flughafen von Palma, drittgrößter Spaniens, ist seit Monaten eine Baustelle. Denn die 31 Millionen Passagiere, die hier jährlich abgefertigt werden, sollen auch künftig möglichst reibungslos zu ihren Fliegern gelangen, die nach Münster oder Manchester unterwegs sind.

Dafür wird „dein Airport“ umgebaut, wie man auf den Wänden liest. Interessant, wie die Besitzverhältnisse auf den Kopf gestellt werden, sobald es kracht und staubt.

Schon fertig ist der neue Duty-free-Bereich. Er hat mehr Kassen denn je. Kaum hat man die neue Sicherheitskontrolle passiert, die mit hochmodernen Geräten den Ablauf tatsächlich beschleunigt, wird der zum Gate eilende Fluggast im Shopping-Paradies ausgebremst.

Ein freiwilliger Boxenstopp ist es nicht, es führt nämlich schlicht kein Weg an den Glitzerregalen vorbei. Und der ist lang, denn der Parcours wurde schlangenförmig angelegt; der Ausgang ist weit.

Zumutung für Eilige

Für manche Reisende – beladen mit Taschen, Kindern, Rucksäcken und vielleicht auch zeitlich unter Druck – ist das eine Zumutung. Denn es geht hier erkennbar nicht darum, Passagieren, die tatsächlich noch etwas kaufen wollen, den Konsum zu erleichtern.

Vielmehr soll es allen so schwer wie möglich gemacht werden, nichts zu kaufen. Das ist der feine Unterschied zwischen Angebot und Belästigung.

Zickzackroute in Kopenhagen, Oslo, London

Palma ist das jüngste Beispiel aus einer Reihe von Flughäfen, die versuchen, dem Gast noch auf den letzten Metern Geld aus der Tasche zu ziehen. Shopping-Labyrinthe direkt nach der Sicherheitskontrolle gibt es auch anderswo.

Beispielsweise in den Flughäfen in Kopenhagen, Oslo oder auch im Terminal 3 in London-Heathrow. Dort muss dann jeder eine Zickzackroute nehmen, die an allen Produkten entlangführt – bewusst wurden die Hauptgänge eng gestaltet, um die Verweildauer und damit die Zahl der Spontankäufe zu erhöhen.

Besonders perfid ist das Konzept in London-Stansted: Auch hier muss man einen geschlängelten Parcours durch die Duty-free-Fläche absolvieren, doch der Airport bietet für 9,99 Pfund (etwa 11,40 Euro) einen Service namens „Fast Track Plus“.

Kostenpflichtige Abkürzung

Damit kommt man schneller durch die Sicherheitskontrolle und darf eine exklusive Abkürzung nutzen, die den zeitaufwendigen Umweg durch die Shoppingzone erspart. Das ist der feine Unterschied zwischen Belästigung und Abzocke.

Vielleicht geht es aus Sicht der Duty-free-Betreiber nicht anders. Eine Studie der Unternehmensberatung Kearney zeigt nämlich, dass zwar die Passagierzahlen weiter kräftig steigen, nicht aber die Shopping-Umsätze.

Während das Aufkommen an Fluggästen zwischen 2022 und 2023 um 30 Prozent zulegte, wuchs der Einzelhandel an Flughäfen nur um 18 Prozent. Bemerkenswert: Vor allem jüngere Reisende verweigern sich den angeblichen Rabatten, sie verbringen ihre Wartezeit lieber mit Scrollen als mit Shoppen.

Noch ist es nicht so weit, dass am Gate neben Bordkarte und Ausweis auch Kassenzettel kontrolliert werden – wer keinen vorweisen kann, landet vielleicht auf einem Mittelsitz ohne Armlehnen. Bislang bleibt es bei der Drohkulisse aus Parfüm- und Schnapsflaschenpyramiden.

Man kann sich ihr entziehen, indem man einfach weitergeht. Wahre Urlaubserinnerungen passen ohnehin nicht in eine Tüte.

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