Der inhaftierte Hongkonger Demokratie-Aktivist Joshua Wong ist in einem weiteren Gerichtsverfahren zu zehn Jahren Haft verurteilt worden. Das geht aus der veröffentlichten Strafmaßbegründung des Hohen Gerichts der chinesischen Sonderverwaltungsregion im Verfahren gegen den 30-Jährigen hervor.

Das Gericht bezeichnete Wong in seiner Urteilsbegründung am Donnerstag als einen der „Drahtzieher“ einer Verschwörung zur Gefährdung der nationalen Sicherheit. Der Vorwurf lautete Zusammenarbeit „mit ausländischen Kräften“. Die USA und Taiwan übten scharfe Kritik an dem Urteil.

Es war das zweite Verfahren gegen Wong unter Hongkongs nationalem Sicherheitsgesetz, das Peking 2020 nach einer Protestwelle und massiver internationaler Kritik verabschiedet hatte.

Wong schrieb mehrere Jahre eine Kolumne in der WELT AM SONNTAG über die Lage in Hongkong, seiner einst so liberalen Heimatstadt, die in den vergangenen Jahren immer stärker unter Druck Pekings geriet.

Was Wong vorgeworfen wurde

Die Strafverfolgung warf Wong vor, zwischen Juli und November 2020 mit dem heute im Exil lebenden Aktivisten Nathan Law und weiteren Personen zusammengearbeitet zu haben, um andere Länder und ausländische Organisationen zu Sanktionen und anderen feindseligen Handlungen gegen Hongkong und China zu bewegen.

Im Juni 2025 erhoben die Behörden in dem Fall Anklage gegen Wong. International bekannt geworden war der damalige Studentenführer als eines der Gesichter der sogenannten Regenschirmbewegung von 2014, die sich für freie Wahlen in Hongkong einsetzte.

Wong bei einer Kundgebung 2014

Wong drohte in dem Verfahren eine lebenslange Haftstrafe. Richter William Tam erklärte jedoch, eine Freiheitsstrafe von 13 Jahren sei ein „angemessener Ausgangspunkt“. Aufgrund von Wongs Schuldbekenntnis sei das Strafmaß schließlich auf zehn Jahre herabgesetzt worden.

„Wir werden auf deine Freilassung warten“

Wong wirkte ruhig, als er am Donnerstag auf der Anklagebank saß, berichtet die Nachrichtenagentur AFP. Er nickte seinen Unterstützern im Gerichtssaal zu. In einem Schreiben an das Gericht hatte er erklärt, er habe ursprünglich gehofft, im kommenden Jahr aus dem Gefängnis freizukommen. Das neue Verfahren gebe ihm aber das Gefühl, wieder ganz am Anfang zu stehen. Seine Zeit im Gefängnis beschrieb er zugleich als die „tiefgreifendsten Lektionen“ seines Lebens.

Nach der Urteilsverkündung bedankte sich Wong bei seinen Unterstützern und winkte ihnen zu. Einige weinten und riefen ihm zu: „Wir werden auf deine Freilassung warten.“

Wong sitzt im Zusammenhang mit verschiedenen Verfahren bereits seit November 2020 hinter Gittern. Im November 2024 wurde er im vielbeachteten Prozess gegen die „Hongkong 47“ zu vier Jahren und acht Monaten Haft verurteilt. In dem Verfahren ging es um eine inoffizielle Vorwahl des demokratischen Lagers für das Hongkonger Parlament im Jahr 2020. Wong hatte sich auch damals schuldig bekannt.

Nach Angaben der „South China Morning Post“ wird Wong nun voraussichtlich erst Ende 2036 freikommen. Die verbleibenden zwei Monate und zwei Tage seiner bisherigen Haftstrafe werden demnach gleichzeitig mit der neuen Strafe verbüßt.

USA fordern sofortige Freilassung

Das US-Konsulat in Hongkong verlangte die „sofortige Freilassung“ Wongs. Die USA verurteilten die Entscheidung des Gerichts in Hongkong, erklärte ein Sprecher des Konsulats: „Wong ist seit Dezember 2020 zu Unrecht inhaftiert, was zeigt, dass Peking zu außergewöhnlichen Mitteln greift, um diejenigen zum Schweigen zu bringen, die sich für die Grundfreiheiten in Hongkong einsetzen“.

Auch Taiwan kritisierte nach Wongs Verurteilung die „endlose politische Verfolgung“ von Demokratie-Aktivisten in Hongkong. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch sprach von einer „grausamen und ungerechten“ Entscheidung und rief die internationale Gemeinschaft auf, Sanktionen gegen die für die „zunehmende Unterdrückung in Hongkong“ verantwortlichen Behördenvertreter zu erlassen.

Die chinesische Sonderverwaltungszone Hongkong galt bis vor wenigen Jahren als Bastion der Meinungsfreiheit in China. Seit Peking im Jahr 2020 das sogenannte Sicherheitsgesetz erlassen hatte, gehen die Behörden in der Sonderverwaltungszone jedoch massiv gegen alle pro-demokratischen Aktivisten und andere Peking-kritische Stimmen vor, die nach ihrer Auffassung die nationale Sicherheit Chinas bedrohen. Viele Oppositionelle sind ins Ausland geflohen, andere wurden verhaftet und zu langjährigen Haftstrafen verurteilt.

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