Audi-Chef tritt bei Trump-Kundgebung auf – SPD-Politikerin spricht von „Schande“
Die SPD-Bundestagsabgeordnete Isabel Cademartori hat den Auftritt von Audi-Chef Gernot Döllner an der Seite von US-Präsident Donald Trump als Wahlkampfhilfe für einen Autokraten kritisiert. „Das ist eine Schande, insbesondere in Anbetracht der Geschichte des VW-Konzerns“, teilte die Verkehrsexpertin am Sonntag in Berlin mit. Audi ist eine Tochter von Volkswagen.
Trump hatte am Samstag bei einer Kundgebung seiner Republikaner in Perry im Bundesstaat Georgia angekündigt, Audi wolle 4,2 Milliarden Dollar (rund 3,6 Milliarden Euro) in sein erstes Werk in den USA investieren. Döllner trat ebenfalls ans Rednerpult und dankte Trump für dessen Unterstützung. Auf der Bühne schüttelten sich die beiden die Hand. Trumps Republikaner stecken vor den Kongresswahlen am 3. November im Umfragetief.
US-Präsident Donald Trump begrüßt Audi-Chef Gernot Döllner bei der Wahlkampfveranstaltung in PerryWährend Arbeitnehmer in Deutschland um die Zukunft ihrer Arbeitsplätze zitterten, verkünde Audi bei Trump Milliardeninvestitionen in ein neues US-Werk „im politisch besonders umkämpften Bundesstaat Georgia, der entscheidend für die künftigen Mehrheitsverhältnisse im Senat sein wird“, erklärte die Co-Vorsitzende der SPD Baden-Württemberg. Damit gäben Audi und der VW-Konzern Trumps Strategie recht, „mit einem Handelskrieg Arbeitsplätze auf Kosten Europas in die USA zu holen“. „Offensiv Wahlkampf für einen Autokraten zu betreiben, der einen Handelskrieg gegen Deutschland führt, ist ein neuer Tiefpunkt für den VW-Konzern“, sagte Cademartori.
Was sie mit der Geschichte des Konzerns meinte, erläuterte Cademartori nicht näher. Volkswagen wurde in der NS-Zeit gegründet und diente dem Hitler-Regime als Vorzeigeunternehmen.
Audi rechnet mit rund 4500 neuen Arbeitsplätzen
Trump zufolge soll der Bau des „riesigen Werks“ nahe Macon bereits im nächsten Monat beginnen, jährlich sollen dort 200.000 Autos vom Band laufen. Audi selbst nannte das kommende Jahr als Baubeginn, die Produktion soll Anfang der 2030er-Jahre anlaufen. Rund 4500 Arbeitsplätze sollen nach Angaben des Ingolstädter Autobauers entstehen.
In Georgia will Audi Premium-SUVs fertigen, die gezielt für nordamerikanische Kunden entwickelt werden, und so seine Position in einem der wichtigsten Premiummärkte der Welt „grundlegend stärken“, wie das Unternehmen mitteilte. Die geplante Investition sei ein „langfristiges Bekenntnis zu den Vereinigten Staaten“. Sie mache „Nordamerika neben Europa und China zur dritten tragenden Säule des globalen Audi-Produktionsnetzwerks“.
IG Metall und Lies pochen auf Zustimmung der Gremien
IG-Metall-Chefin Christiane Benner, zugleich stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende der Volkswagen AG, nannte es „richtig und notwendig“, den US-Markt mit einem neuen Werk besser zu erschließen. Während der Neubau den Beschäftigten in den USA neue Möglichkeiten bringen könne, „stehen diese sicheren Perspektiven an zu vielen anderen Stellen noch aus“, kritisierte sie.
Die „abschließende Entscheidung über einen möglichen Fabrikneubau in den USA“ stehe unter dem Vorbehalt der Gremienzustimmung, so Benner. „Das finale Votum wird mit ganzheitlichem Blick richtiger- und wichtigerweise im Aufsichtsrat der Volkswagen AG getroffen.“
Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies (SPD), der für den Großaktionär Niedersachsen im VW-Aufsichtsrat sitzt, verwies ebenfalls auf die Gremien: „Über Investitionen dieser Größenordnung beraten und entscheiden die zuständigen Gremien, das gilt auch hier.“ Die USA seien ein „wichtiger Markt für Volkswagen, und es ist strategisch richtig, ihn noch besser zu erschließen“.
Mehr Produktion dort sei „dann eine Chance, wenn auch die Werke und die Beschäftigten in Deutschland davon profitieren“, erklärte Lies. Wachstum in den USA müsse „Arbeit und Wertschöpfung hier sichern und darf sie nicht verdrängen“.
Volkswagen steckt wie andere deutsche Autobauer in der Krise. US-Zölle und vor allem das wegbrechende Geschäft in China belasten die Branche. Bis 2030 sollen bei Europas größtem Autohersteller weltweit bis zu 100.000 der knapp 667.000 Stellen wegfallen, die meisten davon in Deutschland.
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