Im vergangenen Jahr sind 62 der 208 Abgeordneten von CDU und CSU erstmals in den Bundestag eingezogen. Jeder dritte Parlamentarier der Union ist also neu. Vergangenes Jahr traf man sich beim Fraktions-Onboarding. Normalerweise bleiben Bundestags-Debütanten weitgehend unsichtbar.

„Hinten anstellen“, bekommen sie in der Union häufig zu hören.

Diesmal ist etwas anders, diesmal gibt es mehr Selbstbewusstsein bei den Neuen. In der Fraktion formiert und institutionalisiert sich gerade eine Truppe, die Jens Spahn als Chef der Union im Bundestag fürchten muss — und der Kanzler am Ende natürlich auch. Die Rede ist von der sogenannten „Gruppe 25“. Jenen Abgeordneten also, die Bundestag und Fraktion seit 2025 angehören, unabhängig vom Alter.

Vergangenen Herbst war es die „Junge Gruppe“ gewesen, die aufbegehrte. Sie zählt 18 Mitglieder. Alle in der Union, die 35 oder jünger waren, als sie in den Bundestag gewählt wurden. Im Streit um das schwarz-rote Rentenpaket fühlte sich die „Junge Gruppe“ von Kanzler, Kanzleramtschef und anderen zunächst ermutigt, Druck zu machen, Änderungen einzufordern.

Bald aber wurde aus der Sach- eine Machtfrage. Erst sah es noch so aus, als werde die Koalition Mühe haben, das Rentenpaket zu verabschieden. Die Mehrheit schien zu wackeln. Der Druck auf die Neuen wuchs.

Mit der „Gruppe 25“ gibt es jetzt eine Art Junge Gruppe+. Sie ist größer. Und machtvoller, wenn sie sich einig ist. Aber sie ist auch ziemlich heterogen. Seit einiger Zeit gibt es Treffen, einmal pro Sitzungswoche, im Paul-Löbe-Haus.

Es gibt einen Einladungsverteiler und eine WhatsApp-Gruppe. Das Ganze wird koordiniert von Johannes Winkel, Nora Seitz, Lukas Krieger (alle CDU) und Konrad Körner (CSU). Und es ist nicht so, dass es der Gruppe darum geht, sich bei der Fraktionsvorstands-Neuwahl am 5. Mai Jobs zu sichern. Inhalte first.

Wer mit Leuten aus der „Gruppe 25“ spricht, erfährt einiges über die Stimmungslage in der Fraktion. Viele sind unzufrieden damit, nach Koalitionsausschüssen problematische Entscheidungen vorgesetzt zu bekommen. Sie haben das Gefühl, dass danach jede kritische Debatte unerwünscht ist — aus Koalitionsräson.

Die „Gruppe 25“ geht strategisch vor. Diese Woche kamen zwei medial stark beachtete Vorstöße aus ihrer Mitte. Der eine zum Thema Steuern, der andere zur Krankenversicherung, versehen mit der Forderung, die Leistungen für Bürgergeld-Bezieher drastisch zu reduzieren. Die Vorstöße waren orchestriert. Sie kamen aus der Mitte der Gruppe.

Tatsächlich trifft der neue Zusammenschluss gerade einen Nerv in der Fraktion. Er erwischt Fraktionsspitze und etablierte Fachpolitiker mitunter auf dem falschen Fuß. Nicht alles ist immer sauber abgestimmt, was durchaus für Unmut sorgt. Spahn versucht, die neue Truppe einzuhegen. Er hört zu und verbindet das Ganze mit der Bitte, bloß keine roten Linien zu ziehen.

Vergangenen Sonntag und Montag lud der Fraktionsvorsitzende die 25er zu einem Bootcamp ein. So etwas gab es vor einem Jahr schon einmal. Klassisches Onboarding war das. Diesmal gab es Vorträge unter anderem von CDU-Influencer Baha Jamous und von einem Rhetorik-Professor, der zum Thema „Die Macht der Worte oder die Kunst glaubwürdiger Rede“ sprach.

Spahn soll sich viel Zeit genommen haben, ist zu hören. In der „Gruppe 25“ wird dies als Zeichen der Anerkennung gesehen. Von diesen 62 Abgeordneten wird noch zu hören sein.

Rasmus Buchsteiner ist Chief Correspondent Berlin bei „Politico“ Deutschland.

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