Männer sollten sich sehr genau überlegen, ob sie mithilfe des Wirkstoffs Semaglutid in Form einer Spritze oder Tablette abnehmen wollen. Das Ziel, überflüssige Pfunde zu verlieren, könnten sie möglicherweise mit dem Verlust von Haaren bezahlen.

Forscher von NYU Langone Health, einem integrierten Gesundheitszentrum, das die medizinischen Fakultäten der New York University umfasst, haben in einer Studie einen Zusammenhang zwischen Abnehmmedikamenten und Haarausfall nachgewiesen.

Von der Nebenwirkung sind Männer betroffen, die genetisch bedingt bereits ein erhöhtes Risiko für Haarausfall haben, berichten sie im Fachmagazin „Journal of Investigative Dermatology“.

Die erbliche Form des männlichen Haarausfalls, die sogenannte androgenetische Alopezie, zeigt ein bestimmtes Muster an Oberkopf und an der Stirn. Im Gegensatz zum Haarausfall bei Frauen sind männliche Formen des Haarausfalls gut erforscht und die dafür verantwortlichen Gene bekannt.

Die Forscher konzentrierten sich in ihrer Studie daher nur auf Männer. Sie nutzten verschiedene Gendatenbanken und werteten die Daten von mehr als 200.000 überwiegend weißen Männern aus. In den USA ist etwa die Hälfte aller weißen Männer über 50 Jahren von androgenetischer Alopezie betroffen. Etwa zwölf Prozent der Amerikaner haben bislang GLP-1-Medikamente zur Gewichtsabnahme eingenommen.

Haare wachsen wieder nach

Der in den Abnehmmedikamenten verwendete Wirkstoff Semaglutid ahmt das körpereigene Darmhormon GLP-1 (Glucagon-like Peptide 1) nach. Es kann wie GLP-1 den Blutzucker regulieren, die Magenentleerung verlangsamen, das Sättigungsgefühl im Gehirn verstärken und den Appetit dämpfen. Viele GLP-1-Anwender berichten von Haarausfall als Nebenwirkung.

Bislang führten Forscher diesen Haarausfall auf den durch die Medikamente bedingten schnellen Gewichtsverlust zurück. Diese Anwender berichteten auch, dass das Haarwachstum einige Monate nach Stabilisierung des Gewichts wieder einsetzte.

Die Forscher des NYU Langone Health konzentrierten sich bei ihrer Studie auf das GLP1R-Gen, das für einen natürlich erhöhten GLP-1-Spiegel sorgt. Sie verglichen das Vorhandensein von GLP1R-Genen mit jenem der Gene, die genetisch bedingten Haarausfall bei Männern verursachen.

Studienleiterin Lynn Petukhova beschreibt das Ergebnis der Analyse so: „Unsere Studie liefert den ersten genetischen Zusammenhang zwischen der Anwendung von GLP-1 und einem erhöhten Risiko für androgenetische Alopezie.“ Insgesamt gehen die Forscher von einem um sieben Prozent erhöhten Risiko für Haarausfall aus.

Weitere Forschung sei notwendig, um die genauen biologischen Mechanismen zu verstehen, so Petukhova. Auch solle untersucht werden, inwiefern auch Frauen von stärkerem Haarausfall betroffen sein könnten.

Petukhova: „Unsere Ergebnisse legen nahe, dass, sollten weitere Studien erfolgreich verlaufen, einige Männer und möglicherweise auch Frauen vor der Verschreibung von GLP-1-Medikamenten auf ihr Haarausfallrisiko hin untersucht werden könnten.“

Sie könne sich vorstellen, so Petukhova, dass in Zukunft einigen Anwendern mit Beginn der GLP-1-Einnahme auch Medikamente zur Vorbeugung von Haarausfall verschrieben werden.

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