Über Erektionsprobleme wird ungern gesprochen. Dabei betreffen sie etwa jeden zehnten Mann zwischen 40 und 49 Jahren. Bei den 60- bis 69-Jährigen ist es bereits rund jeder Dritte und bei Männern über 70 sogar mehr als jeder Zweite.

Wenn doch darüber geredet wird, geht es meist um Sex oder zu viel Stress, um Testosteronmangel und Hormone. Doch Erektionsprobleme können auf etwas viel Grundsätzlicheres hinweisen.

Ein neuer Forschungsüberblick im Fachjournal „Nature Reviews Urology“ fasst zusammen, wie eng Erektionsstörungen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen verbunden sind.

Die Forscher der Universität Kopenhagen schauten sich dafür die bisherige Studienlage an. Unter anderem beziehen sie eine bereits veröffentlichte Metaanalyse von 25 Studien mit mehr als 154.000 Männern ein.

Demnach hatten Männer mit Erektionsstörungen ein um 43 Prozent höheres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Für Erkrankungen der Herzkranzgefäße lag das relative Risiko um 59 Prozent höher, für Schlaganfälle um 34 Prozent.

Frühere Forschung erklärte den Zusammenhang vor allem mit der sogenannten „Artery-Size-Hypothese“: Für eine Erektion müssen sich die Gefäße im Penis ausreichend erweitern. Während sich die meisten Gefäßverkalkungen und -veränderungen unbemerkt im Körper entwickeln können, machen sie sich im Penis schon früh bemerkbar. Denn die dortigen Arterien sind besonders klein. Schon vergleichsweise geringe Veränderungen können den Blutfluss so verändern, dass es zu Erektionsproblemen kommt.

Der aktuelle Forschungsüberblick stellt darüber hinaus auch chronische, niedriggradige Entzündungsprozesse heraus. Diese schädigen die Innenwand der Blutgefäße. Als Folge steht weniger Stickstoffmonoxid zur Verfügung, ein Botenstoff, der Gefäße erweitern kann. Die Folge: Erektionsstörungen, aber auch Verkalkung der Arterien.

Erektionsstörungen sind eine Art Frühwarnsystem: Sie können auf Gefäßprobleme hinweisen, noch bevor das Herz darunter leidet. Schon frühere Untersuchungen zeigten, dass Erektionsprobleme einer Verengung der Herzgefäße vorausgehen können. In einer Studie traten sie bei vielen Betroffenen rund zwei bis drei Jahre vor der Herzdiagnose auf.

Hinzu kommt, dass Erektionsstörungen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen ähnliche Risikofaktoren haben. Dazu gehören Bluthochdruck, Diabetes, Übergewicht, Rauchen und erhöhte Blutfette.

Es wird deshalb empfohlen, bei Männern mit Erektionsstörungen auch auf das Herz-Kreislauf-Risiko zu achten. Dazu gehören etwa Blutdruck, Blutzucker und Cholesterinwerte.

Nicht jede Erektionsstörung geht allerdings auf eine Gefäßerkrankung zurück. Auch Stress, hormonelle Veränderungen, Medikamente oder neurologische Erkrankungen können eine Rolle spielen. Der Forschungsüberblick zeigt deshalb vor allem einen Zusammenhang. Dennoch können Erektionsprobleme ein Anlass sein, nicht nur die sexuelle Gesundheit, sondern auch Herz und Gefäße genauer untersuchen zu lassen.

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