Sichtlich enttäuscht trotteten Edin Dzeko und seine Mannschaftskollegen über den Rasen. Viele Fans hatten die Arena bereits verlassen, als die verbliebenen Anhänger des FC Schalke 04 noch einmal versuchten, Dzeko und den anderen Spielern Mut zu machen. „Auf geht’s Schalke, kämpfen und siegen“, schallte es von der Nordkurve. Auf einen Sieg vor heimischer Kulisse wartet der Aufsteiger allerdings weiter – ebenso wie auf das erste Heimtor der Saison.

„Wir müssen da zusammen raus. Es ist eine Scheißsituation“, sagte Torhüter Loris Karius nach dem 0:2 gegen RB Leipzig bei Sky. Erneut gehörte der Keeper zu den besten Schalkern und bewahrte seine Mannschaft mit mehreren starken Paraden vor einer noch höheren Niederlage. „Es wird nicht einfacher. Wir müssen arbeiten, arbeiten, arbeiten. Tore machen, Tore machen, Tore machen“, forderte Karius.

Nach bisher erst vier Toren in der Liga hatte Schalke-Trainer Miron Muslic reagiert und von einer Fünfer- auf eine Viererabwehrkette umgestellt. „Wir müssen den Mut haben, Dinge strukturell zu verändern, damit wir vorn einfach noch zwei Beine bekommen“, betonte der Coach nach dem Abpfiff. Der Systemwechsel sorgte zwar für mehr Umschaltsituationen, doch im letzten Drittel fehlte den Königsblauen weiter die Konsequenz.

„Im Rahmen unserer Möglichkeiten alles versucht“

Mit der sportlichen Krise wächst auch der Druck. „Ich glaube, gerade fängt es in den Köpfen an“, sagte Defensivprofi Timo Becker. Es fehle die letzte Überzeugung. „Wir trauen uns vielleicht noch nicht den letzten Step zu, weil wir wissen, dass die letzten Spiele nicht so besonders waren und wir jetzt Punkte brauchen.“

Die Mannschaft müsse wieder freier aufspielen. „Das ist alles im Kopf. Da müssen wir dran arbeiten, dass wir freier werden. Aber das kriegen wir hin.“

Trainer Muslic bemühte sich trotz der schwierigen Lage, positive Ansätze zu erkennen und seiner Mannschaft den Rücken zu stärken. „Wir haben heute einen Schritt nach vorn gemacht, auch wenn der Schritt sehr, sehr klein war. Aber in unserer Situation ist es momentan vielleicht auch nicht mehr möglich“, sagte der 44-Jährige. Seiner Mannschaft wollte er aber keinen Vorwurf machen: „Wir haben im Rahmen unserer Möglichkeiten alles versucht.“

Kenan Karaman vom FC Schalke 04 diskutiert mit Schiedsrichter Max Burda im Spiel gegen RB Leipzig

Diese Möglichkeiten reichen derzeit aber nicht für Zählbares. Im Durchschnitt hat die Mannschaft in den bisherigen acht Bundesligapartien 0,5 Tore pro Spiel erzielt und steckt in der Abstiegszone fest. „Wir wussten, dass es schwierig wird für uns und dass solche Phasen kommen. Wir müssen ruhig bleiben. Was anderes hilft uns nicht“, forderte Kapitän Kenan Karaman. Auf Schalke würden „viele Emotionen immer eine Rolle spielen und viel Druck entstehen“.

So wie die meisten Fans trotz der Formkrise hinter der Mannschaft stehen, genießt auch Trainer Muslic weiter das Vertrauen seiner Spieler. „Er findet die richtigen Worte und weiß gut, solche Situationen zu analysieren“, lobte Becker seinen Coach. Eine Woche bleiben Trainer und Team zur Aufarbeitung. Gegen die TSG Hoffenheim soll am kommenden Sonntag (19.30 Uhr/DAZN) ein Erfolgserlebnis für einen freien Kopf sorgen und neues Selbstvertrauen geben.

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