Es war aus mehreren Gründen ein sehr besonderes Wochenende für den FC Bayern. Im Topspiel der Bundesliga gegen RB Leipzig gelang dem deutschen Fußball-Rekordmeister am vergangenen Samstagabend mit dem 6:1 (3:0) ein Kantersieg. Offensivstar Luis Diaz erzielte drei Tore. Der ehemalige Trainer Sören Lerby saß auf der Tribüne. Der aktuelle Trainer Vincent Kompany konnte wegen eines Virus und Problemen an der Hüfte nicht zur Pressekonferenz nach dem Spiel kommen. Und dann kam es noch zu einer speziellen Begegnung zwischen Mittelfeldchef Joshua Kimmich und Rekordnationalspieler Lothar Matthäus.

Bei der Partie im Münchner Stadion war Matthäus als Sky-Experte im Einsatz. Nach dem Abpfiff trafen sich die beiden mit dem weiteren Expertenteam des Senders um Tabea Kemme zum Interview am Spielfeldrand. Matthäus hielt eine Lobrede auf Kimmich, über den zuletzt immer wieder diskutiert wurde.

Es ging um Kimmichs Rolle in der Nationalmannschaft, seinen Einfluss auf das deutsche Spiel und die Konkurrenz in Person von Tom Bischof und Aleksandar Pavlović. Nach nur einem Sieg aus den ersten vier Spielen unter dem neuen Bundestrainer Jürgen Klopp gab es auch Kritik – Kimmich war nur in den ersten beiden Partien in der Nations League dabei, danach hatte Klopp ihm freigegeben.

„Er ist ein absoluter Leader, nicht nur heute, sondern schon seit Jahren“, betonte Matthäus. „Wer beim FC Bayern ein Führungsspieler ist, kann diese Rolle auch in der Nationalmannschaft übernehmen. Er wird von allen anerkannt und gesucht, macht entscheidende Dinge und bringt Energie, Persönlichkeit und Ausstrahlung mit“, sagte der 65-Jährige über Kimmich.

Und führte aus: „Dazu kommt seine fußballerische Qualität. Auf einen solchen Spieler kannst du nicht verzichten.“ Matthäus hat offensichtlich kein Verständnis für die Kimmich-Debatte. „Ich hoffe, dass diese Diskussion langsam aufhört. Er kann eine Mannschaft führen und steuern und hat einen guten Draht zu seinen Mitspielern. Er bringt alles mit, um diese Rolle auch weiterhin bei Bayern und in der Nationalmannschaft zu spielen.“

Kimmich hörte genau zu und sagte dann zu Matthäus: „Weiß ich sehr zu schätzen, danke schön!“

Mittwoch Topspiel gegen den FC Arsenal

Die nächsten Spiele in der Nations League steigen im November: In Belgrad tritt die Nationalelf am 13. 11. gegen Serbien an, in Berlin drei Tage später gegen die Niederlande. Kimmich sagte über den Kantersieg, den seine Mannschaft auf das enttäuschende 2:2 beim FC Augsburg und das 3:3 bei Viking Stavanger folgen ließ: „Die ersten 60 Minuten waren eine sehr gute Leistung, vor allem in der ersten Halbzeit hätten wir noch das eine oder andere Tor mehr machen können. Wir sind dann auch sehr gut aus der Pause gekommen. Die letzten 30 Minuten waren okay, aber die ersten 60 waren schon auf einem anderen Level.“

Bundestrainer Jürgen Klopp nahm mehrere Anläufe, die Frage nach der Diskussion über Joshua Kimmich möglichst unverfänglich zu beantworten - und entschied sich letztlich dafür, sich zu den Fragen der Journalisten zum DFB-Kapitän und dessen Stammplatz gar nicht weiter zu äußern.

Am kommenden Mittwoch (21 Uhr, DAZN) steht für die Bayern bereits das nächste Heimspiel an. In der dritten Partie der Saison in der Champions League empfangen sie den FC Arsenal. Die Partie gegen den Finalisten der Vorsaison ist ein Gradmesser.

Ob Kompany dann wieder engagiert an der Seitenlinie coachen kann, ist offen. „Mittwoch wird er dabei sein. Welche Rolle er aber spielt, das kann ich noch nicht sagen“, sagte Sportvorstand Max Eberl am Samstagabend. Er vertrat Kompany auf der Pressekonferenz.

Inwiefern Manuel Neuer fit sein wird, ist ebenfalls unklar. Vor dem Spiel gegen Leipzig schien die Tendenz klar: Der Torwart pausiert wegen Problemen am Fuß noch mal gegen RB, um für Arsenal bereit zu sein. Doch nach dem Sieg mit Jonas Urbig im Tor gibt es neue Sorgen um Neuer. Eberl verriet, was das Problem ist: „Es ist nichts Schlimmes. Es ist einfach ein bisschen Flüssigkeit im Fuß gewesen. Es hat für heute noch nicht gereicht. Wir schauen mal, ob es bis Mittwoch reicht.“

Der Vorstand präzisierte mit seiner Aussage die Beschwerden des 40 Jahre alten Bayern-Kapitäns. Bisher hatte Trainer Kompany immer nur davon gesprochen, dass Neuer etwas am Fuß gespürt habe. Neuers 23-jähriger Vertreter Urbig sagte: „Jeder ist bereit zu spielen. Ich hoffe, dass der Manu schnell wieder fit wird, das ist klar. Wenn ich gebraucht werde, bin ich da.“

Wird von Lothar Matthäus gelobt: Bayerns Mittelfeldchef Joshua Kimmich

Offensivstar Jamal Musiala wird nach seinem Muskelfaserriss gegen Arsenal voraussichtlich noch fehlen. „Ich glaube, gegen Arsenal wird es nicht reichen“, so Eberl. „Jetzt wird er langsam, langsam herangeführt, aber im Oktober kommt er noch zurück.“

Julien Wolff ist Redakteur im Sportkompetenzcenter. Er berichtet für WELT seit vielen Jahren über den FC Bayern, die Nationalmannschaft sowie über Fitness-Themen. Er saß gegen RB Leipzig auf der Medientribüne des Münchner Stadions.

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