Nächster Knall im deutschen Eisschnelllauf. Die Deutsche Eisschnelllauf- und Shorttrack-Gemeinschaft (DESG) hat die für Samstag geplante außerordentliche Mitgliederversammlung kurzfristig abgesagt und auf den 13. Februar 2027 verschoben. Das geht aus einer Mitteilung des Verbands hervor. Darin erhebt die DESG schwere Vorwürfe gegen den Thüringer Landesverband, der die Versammlung in Dresden für eine Abwahl des Präsidiums um den umstrittenen Präsidenten Matthias Große nutzen wollte.

Als Begründung für die Verschiebung nannte die DESG, dass „die erforderlichen abschließenden Entscheidungen der zuständigen Fördermittelgeber derzeit noch nicht vorliegen. Diese gilt es abzuwarten“. Dazu „kommen Entwicklungen, die das Präsidium nicht unbeantwortet lassen kann“, schrieb die DESG weiter und bezog sich damit auf den Thüringer Eis- und Rollsport-Verband (Terv).

Dieser habe „im unmittelbaren Vorfeld der Versammlung den gerichtlichen Weg beschritten“. Laut MDR-Bericht geht es dabei um einen Eilantrag, um die Abwahl des Präsidiums auf die Tagesordnung zu bekommen. Ein Anfang September verschickter Abwahlantrag sei vom DESG-Präsidium ignoriert worden. Erst Anfang der Woche hatte der Terv ein Schattenkabinett für den Fall einer Abwahl Großes nominiert.

Der Thüringer Ministerialbeamte Andreas Minschke wollte sich zur Wahl als Nachfolger Großes stellen, Terv-Vizepräsident Peter Rüberg sollte Stellvertreter für die Sparte Eisschnelllauf werden. Als Nachfolger für Schatzmeisterin Clarissa Forster wurde der Berliner Alexander Altendorf-Schöpke präsentiert. Christoph Zepernick aus Dresden sollte wie bisher als Vizepräsident Shorttrack das Führungsgremium vervollständigen. In beratender Funktion sollten überdies der in Erfurt trainierende Eissprinter Hendrik Dombek sowie Ex-Eisschnellläufer Christian Breuer als Leiter der Strukturkommission in die Verbandsarbeit integriert werden.

Große kommt Rücktrittsforderung nicht nach

Der Terv hatte wegen Verbandsführung „nach Gutsherrenart“ die Ablösung des Präsidiums unter Leitung von Große gefordert und einen entsprechenden Antrag für den Verbandstag gestellt. Rücktrittsforderungen an das DESG-Präsidium hatte es bereits im Juni gegeben. „Der Präsident und das Präsidium der DESG werden der Rücktrittsforderung nicht nachkommen“, hatte Große über eine Anwaltskanzlei mitgeteilt.

Begründet wurde der Abwahlantrag mit dem Misstrauen in das Präsidium. Unter anderem wirft der Terv dem DESG-Vorstand vor, Beschlüsse der Verbandsversammlung zu ignorieren, Sportler respektlos zu behandeln und Fragerechte der Mitglieder zu beschneiden. „Der Ton der Kommunikation ist für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Präsidium und Landesverband völlig ungeeignet“, hieß es in der Begründung des Antrags.

Auslöser für den seit Monaten andauernden Machtkampf ist eine geplante Strukturreform im Eisschnelllauf. Diese sieht eine Konzentration der Bundeskader auf die Standorte Inzell für Mehrkampf und Langstrecke sowie Berlin für Sprint vor. Die beiden anderen Bundesstützpunkte in Erfurt und Chemnitz sollen nach Beschluss des DESG-Präsidiums „insbesondere im Nachwuchsbereich eine zentrale Rolle übernehmen“. Dies sollte mit der Unterschrift unter eine im deutschen Sport obligatorische Athletenvereinbarung mit den nationalen Verbänden von den Sportlern besiegelt werden. Die Erfurter unterzeichneten die Vereinbarung zuletzt nur unter großem Protest.

Die DESG schießt nun gegen den Terv zurück. Es seien „wiederholt Grenzen einer sachlichen und konstruktiven Verbandsarbeit überschritten“ worden. Besonders brisant ist dabei die Personalie Christoph Zepernick. Er gehört dem aktuellen Präsidium an, taucht aber auch im Schattenkabinett auf. Laut DESG-Mitteilung vom Mittwoch habe er „zu keinem Zeitpunkt“ seine Zustimmung „zu einer Zusammenarbeit mit den präsentierten Kandidaten gegeben“.

DESG: „Werden Veranstaltung nicht instrumentalisieren lassen“

Darauf geht die DESG erneut ein. „Er (Zepernick, d. Red.) hat dieser Darstellung ausdrücklich widersprochen und eine öffentliche Richtigstellung gefordert. Dass ein amtierendes Präsidiumsmitglied ohne dessen Einverständnis öffentlich für ein anderes Kandidatenteam benannt wird, ist aus Sicht des Präsidiums ein schwerwiegender Vorgang, der mit einem respektvollen und vertrauensvollen Umgang innerhalb unseres Verbandes nicht vereinbar ist“, hieß es von der DESG.

Auch wirft die DESG dem Terv vor, wiederholt zu behaupten, dass die DESG den Stützpunkt Erfurt schließen wolle. „Diese Behauptung weisen wir entschieden zurück. Sie entspricht nicht der Zielsetzung der DESG und trägt nach unserer Auffassung zur unnötigen Verunsicherung von Athletinnen und Athleten, Trainern und Vereinen bei“, heißt es in der Mitteilung.

Die DESG kommt in ihrer Absage der Mitgliederversammlung zu dem Schluss, dass sich der Verband „weder vom Terv noch von juristischen Auseinandersetzungen treiben lässt“. Weiter heißt es: „Wir werden eine solche Versammlung nicht dafür instrumentalisieren lassen, dass sich Funktionäre und ihre Anwälte gegenseitig mit Vorwürfen, juristischen Argumenten und persönlichen Anschuldigungen überziehen, während die tatsächlich wichtigen Fragen für unsere Athletinnen und Athleten in den Hintergrund geraten.“

Terv-Präsident Michael Schneider reagierte gegenüber der Deutschen Presse-Agentur „mit Kopfschütteln“ auf die Absage, die seiner Ansicht nach nicht überraschend kommt. „Ich bin sauer. Hier geht es nicht um persönliche Befindlichkeiten oder Eitelkeiten, sondern um unsere Sportler, die sich zum Teil psychischer Gewalt ausgesetzt sehen“. In Richtung des DESG-Präsidenten sagte Schneider: „Da hat jemand große, große Angst.“ Der Streit im deutschen Eisschnelllauf geht also weiter – mindestens bis Februar.

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