Er zählt zu den weltweit besten Kreisläufern. Er ist Kapitän der deutschen Nationalmannschaft. Und er ist die aktuell meistdiskutierte Figur im Handball.

Um Johannes Golla gibt es jetzt einen verrückten Klausel-­Zoff. Die „Sport Bild“ enthüllte am 1. Oktober die Nachricht der Saison: Golla, erst im Sommer zur MT Melsungen gewechselt (Vertrag bis zum 30. Juni 2031), will mit seiner Familie zurück zu seinem Ex-Klub SG Flensburg-Handewitt. Jetzt deutet alles darauf hin, dass der 28-Jährige tatsächlich bald wieder an der Ostsee spielt. Offen ist allerdings der juristische Weg zur Höhe der fälligen Ablöse.

Im Melsungen-Vertrag von Golla, der bereits im Herbst 2023 unterschrieben worden sein soll, ist eine Ausstiegs-Klausel verankert, sie liegt der Redaktion exklusiv vor. Es sind sechs Klubs, bei deren Interesse der Passus aktiv werden könnte: FC Barcelona, Industria Kielce, Paris Saint-Germain, SG Flensburg-Handewitt, Rhein-Neckar Löwen und THW Kiel.

Die SG Flensburg-Handewitt bleibt als einziges Team der Handball-Bundesliga ungeschlagen. Die SG übernimmt mit einem Sieg bei der TSV Hannover-Burgdorf wieder die Tabellenführung. Überragender Akteur ist Aymeric Minne mit zwölf Toren. Die Highlights im Video.

Laut Klausel „beträgt die Transferentschädigung, die der Arbeitgeber von einem der oben genannten Klubs erhält, 500.000,00 EUR zzgl. der gesetzlichen Mehrwertsteuer“, die „genannte Möglichkeit kann frühestens zum 30.06.2028 eintreten“. Wenn Melsungen sich nicht für einen internationalen Wettbewerb qualifiziert, verringert sich die Summe auf 375.000 Euro.

Golla setzt die Kontroverse schwer zu

Dort steht auch: „Der Vertrag zwischen dem Arbeitgeber und dem Spieler wird dann zum 30.06. einer jeden Saison aufgehoben, sofern eine schriftliche Transfervereinbarung zwischen dem Arbeitgeber und dem aufnehmenden Klub bis spätestens 31.01. der dann aktuellen Saison zum Abschluss gebracht und vom aufnehmenden Verein unterzeichnet wurde.“ Über diese Passagen gibt es jetzt unterschiedliche Auffassungen. Nur logisch, denn: Je früher die Klausel greift, desto geringer wird die frei verhandelbare Ablöse.

Aus dem Melsunger Lager ist zu hören, dass der Vertrag frühestens 2028 für 2029 gekündigt werden kann. Dann müsste Flensburg – oder ein anderer Abnehmer – für Golla 2027 oder 2028 mehr als die in der Klausel verankerten 500.000 Euro zahlen. Andere hingegen interpretieren den Passus sogar so, dass die Klausel aktiviert werden kann, wenn einfach nur ein Verein zum 31. Januar das geforderte Angebot bringt – in „einer jeden Saison“. Das hieße im Klartext, dass Gollas Klausel schon für den kommenden Sommer aktiviert werden könnte.

Golla führte als Kapitän die deutsche Mannschaft 2026 ins EM-Finale

Auch der schlechteste anzunehmende Fall für die MT steht im – juristischen – Raum: Aus dem missverständlichen Wortlaut könnten findige Arbeitsrechtler einen Formfehler konstruieren. Formfehler in zeitlich befristet geschlossenen Arbeitsverträgen können zur Folge haben, dass aus der Befristung eine Nicht-Befristung und damit ein Vertrag mit vier Wochen Kündigungsfrist zum Monatsende wird.

Dazu würde passen: Golla soll seinen MT-Kontrakt vor über zwei Wochen bereits schriftlich gekündigt haben, zu welchem Termin (31. Oktober 2026 oder 30. Juni 2027) ist allerdings unbekannt. Inzwischen wird in der Handball-Szene auch noch die Information gestreut, dass es einen zweiten Vertrag mit geändertem Klausel-Wortlaut geben solle.

Folgen auf dem Transfermarkt

Golla macht der ganze Zoff schwer zu schaffen. In einem ­Instagram-Post hat er mentale Probleme bestätigt: „Menschen, die mich gut kennen, haben längst gesehen, dass es mir nicht gut geht und dass es mittlerweile nicht mehr ‚nur‘ Heimweh ist, sondern meine mentale Gesundheit ernsthaft gefährdet ist.“

Den Druck auf die MT Melsungen hat Golla, der vom Anwalt Dr. Jan Frederik Reese (Mitglied des Flensburger Wirtschaftsbeirats) beraten wird, über sein Statement massiv erhöht. Die Nordhessen haben neben dem Ablöse-Poker mit Flensburg jedoch noch weitere Probleme. Die MT muss einen adäquaten Ersatz finden, was bei Gollas Klasse fast schon unmöglich erscheint.

Potenzielle Neuzugänge ziehen wegen der veränderten Lage ihr Interesse zurück. Nach Informationen der „Sport Bild“ waren Melsungens Verhandlungen mit Schwedens Top-Talent Axel Mansson, der in Dänemark bei Skjern Handbold unter Vertrag steht, bereits weit gediehen. Auch, weil der 21 Jahre alte Schwede mit Golla in einer Mannschaft spielen wollte. Jetzt soll Mansson ins Grübeln gekommen sein – wegen des Golla-Hammers.

Der Text wurde für das Sport-Kompetenzcenter ( WELT, „Bild“ , „Sport Bild“ ) geschrieben und zuerst in der „Sport Bild“ veröffentlicht.

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