Der Nächste, bitte! Die Multimillionäre verlassen das sinkende Schiff
Der spanische Golfstar Jon Rahm verlässt LIV Golf. Für die angeschlagene Tour ist das ein weiterer Rückschlag, während sie versucht, sich aus der Insolvenz zu befreien, die durch den Rückzug des saudi-arabischen Staatsfonds verursacht wurde. John Beck, der Anwalt, den Rahm für das Insolvenzverfahren von LIV engagiert hat, erklärte bei einer Anhörung vor dem US-Insolvenzgericht in New Jersey, Rahm habe die vorgeschlagenen Bedingungen für „LIV 2.0“ geprüft und entschieden, 2027 nicht mehr teilzunehmen.
Der Masters- und US-Open-Sieger sowie der letzte Spieler vor Scottie Scheffler, der die Weltrangliste anführte, gehörte zu den spektakulärsten Verpflichtungen von LIV Golf. Er wechselte Ende 2023 zur Tour, damals als amtierender Masters-Champion. Noch im Mai dieses Jahres hatte Rahm erklärt, sein Vertrag laufe mehrere Jahre. Sein Handgeld wurde nie offiziell bestätigt, soll Berichten zufolge aber bei rund 300 Millionen Dollar gelegen haben.
Die Anhörung bestätigte nun, dass Rahm LIV verlassen möchte. Nachdem er den ganzen Sommer über entsprechende Fragen nicht direkt beantwortet hatte, kam die Entscheidung nicht überraschend. Zumal völlig unklar ist, ob und wie es bei LIV weitergeht.
Die Serie ist dank der saudischen Investments im Jahr 2022 gestartet und hatte mit Unsummen Spieler vom Marktführer, der amerikanischen PGA Tour, abgeworben. Fünf bis acht Milliarden Dollar soll der Staat in das Projekt gesteckt haben, garniert wurde dies von allerlei lautstarken Ansagen, man werde Golf auf ein neues Level heben. Jetzt zogen die Saudis den Stecker, vom Platzhirsch-Gehabe ist nichts mehr übrig.
Auch Sergio Garcia kehrt LIV den Rücken
Bereits Anfang dieser Woche hatte das Gericht Rahms Landsmann Sergio Garcia gestattet, seinen Vertrag zu beenden, nachdem der 46-jährige frühere Masters-Sieger Klarheit über seinen Status verlangt hatte. Garcia gehörte 2022 zu den ersten prominenten Spielern, die zu LIV wechselten.
Noch ausstehend sind die formelle Trennung Rahms von LIV Golf und die Entscheidung darüber, wo er künftig spielen wird. Die PGA Tour hat erklärt, mit keinem LIV-Spieler Gespräche zu führen, solange dieser noch rechtskräftig unter Vertrag steht. Sein Anwalt Beck wollte sich auf telefonische Nachfrage nicht äußern.
Die schöne neue Golfwelt ging ziemlich schnell den Bach runterPGA-Tour-Chef Brian Rolapp hatte zu Beginn dieses Jahres den fünfmaligen Major-Sieger Brooks Koepka zurückgeholt, allerdings unter erheblichen finanziellen Auflagen, nachdem Koepka zuvor das Ende seines LIV-Vertrags ausgehandelt hatte.
Rolapp unterbreitete dieses Angebot auch drei weiteren Major-Siegern, darunter Rahm, und setzte ihnen eine zweiwöchige Entscheidungsfrist. Keiner nahm das Angebot an. Zwei Monate später erklärte der saudi-arabische Staatsfonds Public Investment Fund, die konkurrierende Liga nach der Saison 2026 nicht mehr finanziell unterstützen zu wollen. Die PGA Tour äußerte sich zunächst nicht zu Rahms Entscheidung. Warum auch? Die Tour sitzt nun am deutlich längeren Hebel.
Die PGA Tour sperrt Spieler nach ihrem letzten LIV-Turnier normalerweise für ein Jahr, machte bei Koepka jedoch eine Ausnahme. Aufgrund der Zugkraft von Rahm ist davon auszugehen, dass es auch mit dem Spanier zu einer Einigung kommt. Trotz seiner eingeschränkten Möglichkeiten, bei LIV Weltranglistenpunkte zu sammeln, liegt Rahm weiterhin auf Platz 15 der Weltrangliste.
Mehr als 100 Millionen Dollar Preisgeld für Rahm
LIV Golf arbeitet unterdessen trotz seiner finanziellen Probleme an einem Neustart. Eine erste Investition von BC Partners Credit soll „LIV Golf 2.0“ mit stärkerem Teamfokus und Spielern als Anteilseignern ermöglichen. Die Profis erhielten mehr Zeit für ihre Entscheidung, ob sie dabeibleiben. LIV-Chef Scott O’Neil sieht darin einen wichtigen Schritt zur Neuausrichtung der Liga.
Rahm wird nicht dabei sein. Er gewann in jedem der vergangenen drei Jahre die Einzelwertung. Das Preisgeld im Einzelwettbewerb betrug jeweils 20 Millionen Dollar, hinzu kamen Boni für die Gesamtwertung. Insgesamt verdiente Rahm in seinen drei Jahren bei LIV mehr als 100 Millionen Dollar, zusammen mit dem oben erwähnten Handgeld ergibt sich ein fast schon absurdes Salär für drei Jahre.
Nun bleibt LIV noch ein letzter ganz großer Star: Bryson DeChambeau, der zu den Spielern gehörte, die zum Start von LIV eine Kartellklage gegen die PGA Tour einreichten, hat bislang keinen Wunsch erkennen lassen, auf die PGA Tour zurückzukehren.
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