Niko Kovac wirkte rein äußerlich erholt, als er sich erstmals seit dem 19. September wieder den Fragen der Journalisten stellte. Er habe die vergangenen zweieinhalb Wochen „im Homeoffice“ verbracht, erklärte der Trainer von Borussia Dortmund. Doch was ihn ärgert, ist die Tatsache, dass die zu Ende gehende Länderspielpause für die meisten seiner Spieler alles andere als erholsam war: Teilweise mussten sie bis zu vier Spiele für ihre Nationalmannschaften absolvieren.

„Diese vier Spiele waren für mich definitiv zu viel. Die Pause war zu lang. Von Klubseite aus ist das total inakzeptabel“, sagte Kovac. Zum einen wurden die Profis nach gerade mal vier absolvierten Begegnungen in der Meisterschaft aus ihrem Rhythmus gerissen, zum anderen wurden sie über Gebühr beansprucht: bei den Länderspielen und den damit verbundenen Reisen.

Von der Neuordnung des Spielkalenders mit nur zwei statt bisher drei Länderspielpausen im zweiten Halbjahr, dafür aber mit vier Spielen in der letzten September- und der ersten Oktoberwoche, hält Kovac gar nichts. „Dreimal zwei Länderspiele, das wäre die beste Lösung. Da sind die Spieler zwar jeweils zehn Tage weg, aber dann hat man sie wieder“, so der 54-Jährige.

Gleich zwanzig BVB-Profis waren in den vergangenen Wochen für ihre Auswahlteams im Einsatz – und sind es teilweise noch. Neben den deutschen A-Nationalspielern Nico Schlotterbeck, Waldemar Anton und Felix Nmecha waren Gregor Kobel (Schweiz), Julian Ryerson (Norwegen), Carney Chukwuemeka (Österreich), Daniel Svensson (Schweden), Joey Veerman (Niederlande), Fabio Silva (Portugal), Konstantinos Karetsas (Griechenland), Samuele Inacio (Italien), Enzo dos Santos (Luxemburg), Serhou Guirassy (Guinea), Ramy Bensebaini (Algerien), Mathis Albert (USA), Jobe Bellingham, Ethan Nwaneri (beide England), Joane Gadou (U21 Frankreich), Luca Reggiani (U21 Italien) und Kaua Prates (U20 Brasilien) teilweise weltweit unterwegs. Der Trainingsbetrieb in Dortmund kam beinahe gänzlich zum Erliegen.

Der Fall Ryerson ist exemplarisch für das BVB-Dilemma

Erschwerend kommt hinzu, dass gleich mehrere Stammspieler angeschlagen von den Nationalmannschaften zurückkehrten. Schlotterbeck etwa zog sich eine Sprunggelenksverletzung zu. Beim Bundesliga-Restart am Freitag gegen Werder Bremen (20.30 Uhr, im Sport-Ticker der WELT) wird er wahrscheinlich fehlen. Der Abwehrchef war gerade erst von einer schweren Verletzung zurückgekehrt.

Chukwuemeka ist dagegen mit muskulären Problemen wieder in Dortmund vorstellig geworden. Karetsas und Svensson kehrten erkältet zurück. Bensebaini und Albert werden erst am Donnerstag, einem Tag vor dem Werder-Spiel, wieder erwartet.

Exemplarisch dafür, wie wenig Rücksicht die nationalen Verbände auf die Vereine nehmen, ist der Fall Ryerson. Der norwegische Verteidiger musste bereits beim 1:2 in der Nations League gegen Portugal am 27. September verletzt ausgewechselt werden, wurde aber vier Tage später gegen Wales erneut eingesetzt, bekam einen Schlag – und musste erneut verletzt herausgenommen werden. Auch Ryerson wird gegen Werder möglicherweise passen müssen.

Karetsas wiederum kam gleich in allen vier Spielen der Griechen in der Nations League zum Einsatz – obwohl sich Kovac eine geringere Belastung für den Spielmacher gewünscht hatte, der im Champions-League-Spiel gegen Villarreal einen Kreislaufkollaps erlitten hatte. Er habe „ein bisschen mehr gespielt, als wir uns das vorgestellt haben“, erklärte Kovac.

Bei seiner Kritik geht es dem Trainer des Bundesliga-Tabellenführers „aber nicht nur um Kranke und Verletzte“. Zweieinhalb Wochen habe sein Team „überhaupt keinen Rhythmus gehabt“, sagte er.

Kovac plädiert deshalb eindringlich dafür, zum alten Rahmenterminkalender zurückzukehren. „Wenn man vier Länderspiele spielen muss, sind es viele Reisen und die Kader sind relativ klein. Deutschland hat es jetzt anders gemacht, aber bei allen anderen Nationen gab es nur eine begrenzte Auswahl an Spielern. Unsere Spieler waren viel unterwegs“, erklärte er. Kovac fürchtet, dass der BVB die Auswirkungen in den kommenden vier Wochen mit neun Spielen in Bundesliga, Champions League und DFB-Pokal zu spüren bekommt.

Und aus deutscher Sicht wirft die nächste Länderspielpause schon wieder ihre Schatten voraus: Am 13. November muss das DFB‑Team in Belgrad das Rückspiel in der Nations League bestreiten, am 16. November steht das Duell in Berlin gegen die Niederlande an.

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