Seit 2005 zeichnet der Deutsche Fußball-Bund (DFB) Vereine und Initiativen aus, die sich für Vielfalt, Toleranz und Menschenwürde sowie gegen Antisemitismus, Rassismus und Diskriminierung engagieren. Dafür hat der Verband den Julius-Hirsch-Preis ins Leben gerufen. Hirsch war ein Nationalspieler, der sieben Länderspiele absolvierte und 1943 ins Konzentrationslager nach Auschwitz deportiert wurde, wo er kurz nach seiner Ankunft ermordet wurde.

In der Jury des Preises saß viele Jahre auch Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern. Rund um das Länderspiel der deutschen Nationalmannschaft gegen Serbien (2:0) traf sie sich mit DFB-Chef Bernd Neuendorf zu einem Austausch über Fußball und über Antisemitismus.

„Wer mich kennt, weiß: Mein Herz schlägt für den Fußball. Mich begeistert dieser Sport – vor allem bei so erfolgreichen Spielen wie dem gestrigen. Ich freue mich, dass ich der deutschen Mannschaft und Jürgen Klopp zu ihrem Sieg gratulieren darf. Ich bewundere die Leidenschaft, den Ehrgeiz und die Fairness, die eine starke Mannschaft ausmachen“, sagte Knobloch. „Aber diese Werte zählen nicht nur auf dem Platz, sondern auch in unserer Gesellschaft.“

„Viele jüdische Menschen erleben Antisemitismus in ihrem Alltag“

Deshalb danke sie dem DFB und Neuendorf für das Engagement des deutschen Fußballs gegen Antisemitismus und Hass: „Judenhass ist auch in den Stadien ein Thema – ‚Jude‘ ist ein Schimpfwort, und jüdische Spieler und Klubs werden ausgegrenzt.“ Dagegen kämpfe der DFB an.

Neuendorf erklärte nach dem Treffen mit Knobloch: „Die Lebenssituation für jüdische Menschen in Deutschland erfüllt uns mit großer Sorge. Antisemitische Anfeindungen, Bedrohungen und Angriffe bewegen sich auf einem erschreckenden Niveau. Viele jüdische Menschen erleben Antisemitismus in ihrem Alltag, im öffentlichen Raum und in den sozialen Medien. Immer mehr fühlen sich in unserem Land nicht mehr sicher und nicht mehr wohl. Das dürfen wir niemals als Normalität akzeptieren.“

Der Kampf gegen Antisemitismus sei nicht allein eine Aufgabe von Politik, Behörden und Justiz. „Er geht uns alle an. Der Fußball erreicht Millionen Menschen. Daraus erwächst Verantwortung“, so der DFB‑Präsident. „Auf unseren Plätzen und in unseren Stadien, in unseren Vereinen und Verbänden darf kein Platz für antisemitische Hetze und Menschenfeindlichkeit sein. Wir müssen einschreiten, wenn Grenzen überschritten werden, und zugleich durch Bildung, Begegnung und Erinnerung Vorurteilen und Hass entgegenwirken.“

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