Dieses Papier kann Manchester City sieben Meisterschaften kosten
Es ist ein Dokument, das die Geschichte des englischen Fußballs verändern könnte. 40 Seiten umfasst das jetzt veröffentlichte Urteil der unabhängigen Premier-League-Kommission. Der Inhalt: Manchester City wurde in nahezu allen Anklagepunkten schuldig gesprochen. Die Richter zeichnen darin das Bild eines Fußballklubs, der über Jahre hinweg seine wahre Finanzlage verschleiert haben soll.
Der brisanteste Vorwurf: Laut Urteil habe City ein „verschleiertes Finanzierungssystem“ aufgebaut, um Eigentümer-Gelder aus Abu Dhabi als Sponsoring-Einnahmen erscheinen zu lassen. Wörtlich heißt es im Urteil: „Der Klub entwickelte einen Plan, Eigentümer-Gelder als kommerzielle Sponsoreneinnahmen zu tarnen.“
Nach Feststellung der Kommission wurden Sponsorenverträge abgeschlossen, bei denen die angeblichen Sponsoren oft nur einen Teil der vereinbarten Summe zahlten. Der Rest kam laut Urteil von der Eigentümergesellschaft ADUG. In den Büchern des Klubs erschien das Geld dennoch als reguläre Sponsoring-Einnahme.
Das Deckblatt des Urteils der englischen FA gegen Manchester CityBesonders heftig ist die Zahl, die im Urteil auftaucht: Demnach wies City zwischen 2009 und 2018 Sponsoring-Einnahmen von rund 950 Millionen Pfund (über eine Milliarde Euro) aus. Tatsächlich sollen davon nur gut 119 Millionen Pfund von den Sponsoren selbst gekommen sein. Mehr als 830 Millionen Pfund seien in Wahrheit Eigentümer-Gelder gewesen.
Die Richter sprechen mehrfach von „Scheinverträgen“ und kommen zu dem Schluss, dass die Verantwortlichen den Premier-League-Regeln bewusst ausweichen wollten. Wörtlich heißt es im Urteil: „Durch sein Verhalten verfolgte der Klub eindeutig die Absicht, die Regeln der Premier League zu umgehen.“
ManCity soll die Untersuchungen torpediert haben
Auch die Financial-Fair-Play-Regeln der Uefa und Premier League seien dadurch verletzt worden. Die Kommission kommt zu dem Ergebnis, dass City ohne diese Konstruktionen die jeweiligen Finanzgrenzen „bei Weitem“ überschritten hätte.
Hinzu kommt ein weiterer schwerer Vorwurf. Die Richter stellten fest, dass City während der Ermittlungen Aktionen unternommen habe, um die Untersuchung der Premier League zu behindern. Die Kommission schreibt: „Der Klub unternahm koordinierte Anstrengungen, die Ermittlungen der Premier League zu stoppen und zu behindern.“
Bundestrainer Jürgen Klopp hat inmitten des Finanzskandals um Manchester City anerkennend vom Verein und dessen ehemaligen Trainer Pep Guardiola während der gemeinsamen Zeit in der Premier League gesprochen. Konkret zu dem Sachverhalt äußerte sich der einst beim FC Liverpool angestellte 59-Jährige nicht.Noch ist offen, welche Strafe folgt. Doch genau deshalb werden in England mittlerweile sogar Titel-Aberkennungen diskutiert. Betroffen wären nicht nur die drei Meisterschaften im unmittelbar untersuchten Zeitraum. Kritiker argumentieren, dass die mutmaßlich unrechtmäßig geschaffene finanzielle Grundlage auch die spätere City-Dominanz ermöglicht habe. Deshalb stehen inzwischen sogar sieben Meistertitel auf dem Prüfstand.
Manchester City kündigte bereits Berufung an und weist sämtliche Vorwürfe zurück. Doch sollte das Urteil Bestand haben, könnte dieser Bericht in die Geschichte eingehen – als das Dokument, das eine ganze Fußball-Ära zu Fall brachte.
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