Die gute Nachricht war, aus Sicht des FC Liverpool zumindest, dass es beim AFC Bournemouth zu einem Sieg reichte. Die schlechte war, aus deutscher Sicht jedenfalls und mit Blick auf den anstehenden Länderspiel-Reigen, dass Florian Wirtz einmal mehr neben sich zu stehen schien. Es war erneut kein guter Auftritt des Offensivspielers.

Jamie Carragher ging gar so weit, dass dessen Vorstellung beim 1:0 in die Kategorie „Sechs, setzen“ fällt. Die ehemalige Liverpooler Klubikone hat in seinem Job als TV-Experte bei „Sky Sports“ einen neuen Podcast aufgelegt und die erste Folge hatte es durch sein gefälltes Urteil in sich.

Mit Blick auf Wirtz sagte er, dass die Partie beim 17. der Premier-League-Tabelle „eine der schlechtesten Leistungen gewesen war, die ich je von ihm im Liverpool-Trikot gesehen habe. Das ist einfach gar nichts. Da passiert überhaupt nichts“.

Wirtz sei zwar bislang auch wegen fehlender Torbeteiligungen kritisiert worden. In sechs Pflichtspielen kommt er wettbewerbsübergreifend erst auf eine einzige: Es handelt sich um eine Vorlage beim 2:2 in Nottingham am zweiten Spieltag – das war Ende August. Normalerweise aber konnte er zumindest mehr oder minder spielerisch mithalten. Doch auch das Spiel mit Ball – an sich seine große Stärke – komme immer weniger zur Geltung, analysierte Carragher.

„Ich mache mir deswegen Sorgen“, sagte er, „ich glaube nicht, dass Wirtz seit seiner Ankunft bei Liverpool außer Form ist. Ich glaube tatsächlich, dass wir das sehen, was er ist.“ Er sehe einfach nicht, „wie Wirtz einer anderen Mannschaft wehtun könnte. Und in gewisser Weise sollte solch ein Spieler eigentlich nur die Hälfte von dem kosten, was Liverpool für ihn bezahlt hat.“

Letzte Hoffnung für Wirtz und den FC Liverpool: Jürgen Klopp

Der 48-Jährige hat starke Zweifel, dass der im Sommer 2025 für rund 125 Millionen Euro aus Leverkusen nach Liverpool transferierte Wirtz den in ihn gesetzten Glauben noch erfüllen kann. „Die Lücke zu dem Niveau, das er erreichen müsste, um die Erwartungen zu rechtfertigen, ist fast zu groß. Du kannst sie nicht schließen“, bilanzierte Carragher.

Selbst eine Steigerung reiche seiner Ansicht nach nicht an das heran, was sich Liverpool von Wirtz versprochen habe. „Wir haben erwartet, dass er Liverpool zu einer weiteren Meisterschaft führt, zu einem Champions-League-Titel. Selbst wenn er sich etwas verbessert, ist das immer noch nicht, was sich Liverpool eigentlich erhofft hatte.“

Der Ex-Profi (737 Pflichtspiele zwischen 1996 und 2013 für Liverpool) sieht zudem Folgen für die Teamstruktur. Läuft Wirtz auf der Zehn auf, müsse Dominik Szoboszlai ins zentrale Mittelfeld rücken – eine Rolle, die Carragher für den Ungarn nicht passend findet. Vor dem Duell mit Tabellenführer Manchester City am 11. Oktober müsse Liverpools spanischer Trainer Andoni Iraola deshalb eine Entscheidung treffen. „Wirtz wäre nicht in meinem Liverpool-Team. Gegen Manchester City zu Hause kann er für mich nicht in der Mannschaft sein“, befand Carragher.

Die letzte Hoffnung, dass sich vielleicht doch noch etwas zum Besseren wende, sei nun Wirtz’ Ausflug nach Deutschland zur Nationalmannschaft. Vielleicht, so Carragher, könne Jürgen Klopp etwas beim 23-Jährigen bewirken.

„Jürgen ist einer der besten Trainer der Welt. Was er dank seiner Persönlichkeit aus Spielern macht, ist mehr, als es die meisten anderen Trainer können“, sagte Carragher. Vielleicht könne sich Wirtz „bei der Nationalmannschaft in den anstehenden vier Länderspielen das nötige Selbstvertrauen holen, eine Menge Tore und Vorlagen erzielen und in Bestform zurückkommen. Und wenn er dann gegen Manchester City auch noch dem Spiel seinen Stempel aufdrückt, dann ist alles vergeben und vergessen“.

Klopps Debüt als Bundestrainer ist am Donnerstag in der Nations League gegen die Niederlande in Amsterdam. Es folgen Duelle gegen Griechenland (27. September/Augsburg) und Serbien (1. Oktober/München) sowie in Griechenland (4. Oktober/Thessaloniki, alle Duelle im Sport-Ticker der WELT).

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