Nach dem Debakel will der Deutschland-Achter jetzt wieder angreifen
Viel Zeit zum Verschnaufen bleibt dem Deutschland-Achter bei der Ruder-WM in Amsterdam nicht. Innerhalb von 24 Stunden stehen für das deutsche Flaggschiff drei Rennen an: Auf den Vorlauf am Samstag folgen am Sonntag Halbfinale und Finale. Schlaf, Erholung und Ernährung sind dabei genau getaktet. „Das ist ungewohnt, aber wir haben ganz gut geplant, wie wir das Wochenende angehen wollen“, sagte Schlagmann Frederik Breuer der dpa.
Vergangene Woche simulierte das Team auf dem Dortmund-Ems-Kanal den WM-Sonntag mit zwei intensiven Einheiten und einer Pause. Auch einen Powernap für die nur rund dreistündige Pause zwischen Halbfinale und Finale testeten die Ruderer. Die Erkenntnis: Ob der Powernap – also ein kurzer, gezielter Tagschlaf von zehn bis 20 Minuten – sinnvoll ist, soll jeder für sich entscheiden. Nachts sollen es mehr als acht Stunden Schlaf sein. Zwischen den Rennen gibt es Kohlenhydratsnacks statt einer vollständigen Mahlzeit.
Grund für den ungewöhnlich engen Zeitplan ist das große Starterfeld. 13 Boote sind im Männer-Achter gemeldet – so viele wie seit 15 Jahren nicht mehr. Deshalb gibt es erstmals seit 2011 wieder Halbfinals. „Gerade zwischen Halbfinale und Finale ist nicht viel Zeit, aber noch so viel, um das vorige Rennen auszuwerten und zu besprechen, was wir besser machen können“, so Breuer. Zudem gelte es, die Speicher aufzufüllen und sich möglichst gut zu erholen.
„Wir alle wollen jetzt auch eine WM-Medaille“
Sportlich reist der Achter mit neuem Selbstvertrauen in die Niederlande. Nach zwei vierten Plätzen bei den Weltcups in Sevilla und Luzern gewann das deutsche Boot bei den Europameisterschaften vor knapp drei Wochen im italienischen Varese Silber hinter Rumänien – allerdings in Abwesenheit der hoch einzuschätzenden Weltmeister Niederlande und Olympiasieger Großbritannien. Auf der Amsterdamer Bosbaan wartet nun wieder die komplette Weltelite.
Auch Breuer weiß um die größere Konkurrenz der „absoluten Top-Boote“ und sieht im EM-Ergebnis dennoch Grund für Optimismus. „Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir es noch besser können“, sagte der Ruderer. Bei den Olympischen Spielen 2024 war der Achter nur über den Hoffnungslauf ins Finale gekommen und hatte dort Rang vier belegt – allerdings mit großem Rückstand auf die Medaillenränge. Bei der WM im vergangenen Jahr in Shanghai war das einstige deutsche Paradeboot dann bereits im Vorlauf ausgeschieden, sodass nur noch das B-Finale blieb. Diesmal soll es wieder deutlich weiter nach vorn gehen.
Zwei Jahre vor den Olympischen Spielen in Los Angeles sind die Ziele für das Boot von Bundestrainer Mark Emke, für den die Weltmeisterschaft als gebürtiger Niederländer ein Heimspiel wird, klar gesteckt. „Das Mindestziel ist bei 13 gemeldeten Achtern, gerade mit dem Blick aufs vergangene Jahr, das A-Finale. Wenn es aber richtig gut läuft, können wir aufs Podium schießen. Wir alle wollen jetzt auch eine WM-Medaille gewinnen“, sagte Achter-Ruderer Breuer.
Deutschlands Frauen-Achter vor schwieriger Aufgabe
Mit gedämpften Erwartungen und einem ruhigeren Zeitplan geht der deutsche Frauen-Achter in die WM. Im Feld mit zehn gemeldeten Booten warten lediglich Vor- und Finallauf. Im vergangenen Jahr schaffte das langjährige Sorgenkind des Deutschen Ruderverbandes erstmals seit 2009 bei einer WM den direkten Sprung ins A-Finale und überraschte mit Platz vier. Bei der EM belegte das Boot im nur vier Achter umfassenden Feld zuletzt aber den letzten Platz.
Steuermann Florian Koch (M.) und die Ruderinnen des Achters Tabea Schendekehl, Luise Bachmann, Olivia Clotten, Pia Greiten, Annabell Bachmann, Antonia Galland, Nora Peuser und Paula Hartmann„Die anderen Nationen haben deutlich aufgerüstet, wir fahren mit einigen Doppelstarterinnen. Im vergangenen, dem nacholympischen Jahr hatten wir noch das Überraschungsmoment auf unserer Seite, jetzt wäre es eine kleine Überraschung, wenn wir überhaupt das A-Finale erreichen“, ordnete Bundestrainer Alexander Schmidt ein.
Bessere Medaillenaussichten hat der deutsche Mixed-Achter. Nach Platz sechs bei der WM-Premiere im Vorjahr holte das deutsche Boot zuletzt EM-Silber. In Amsterdam sind im Geschlechter-gemischten Großboot, das perspektivisch olympisch werden könnte, lediglich sechs Nationen gemeldet.
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