Brisantes Interview – Rekordtransfer teilt gegen Klubchefs, Trainer und Fans aus
So heftig hat lange kein Fußballprofi aus der Bundesliga öffentlich ausgeteilt. Der WM-Teilnehmer Malik Tillman kritisiert in einem Interview seinen Verein, die Fans und seinen ehemaligen Trainer. Wenngleich sich der US-Nationalspieler in dem Gespräch auch selbstkritisch zeigt – seine deutlichen Worte dürften bei Bayer Leverkusen für Unruhe und Diskussionen sorgen.
Vor der vergangenen Saison war der 23-Jährige für 35 Millionen Euro von PSV Eindhoven zu Bayer gewechselt – es war der Rekordtransfer für Leverkusen. In seiner ersten Saison lief es enttäuschend. Dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ und der „Kölnischen Rundschau“ sagte Tilman nun, er fühlte sich nie „richtig angekommen. In der Mannschaft habe ich mich wohlgefühlt. Aber man kann inzwischen offen sagen, dass es zwischen dem Trainer (Kasper Hjulmand, Anmerkung der Redaktion) und mir nicht richtig gepasst hat.“ Ohne den Wechsel von Hjulmand auf Carles Martinez vor einigen Wochen wäre Tillman nach eigener Aussage wohl bereits jetzt nicht mehr Spieler von Leverkusen.
Die Fans kritisierten Tillman in der vergangenen Spielzeit teilweise heftig. Jetzt sagt der Profi, der beim FC Bayern ausgebildet wurde: „Die Meinungsfreiheit muss man natürlich akzeptieren. Manche Kritik war sicher auch berechtigt. Manchmal könnte man aber schon etwas mehr Rücksicht nehmen, weil hinter jedem Spieler ein Mensch steht.“
Zudem sagt Tillman in dem Interview: „Wer den Verein als Fan unterstützt, sollte die Spieler in guten wie in schlechten Zeiten unterstützen. Einige haben das getan, ein großer Teil der Reaktionen war aber negativ. Ich kann mit Kritik umgehen, trotzdem ist sie nicht immer leicht zu ertragen.“
Für Diskussionen hatte bei den Fans unter anderem gesorgt, dass Tillman zwischenzeitlich sämtliche Social-Media-Beiträge mit Bezug zu Bayer gelöscht hatte. „Das wurde in den Medien größer gemacht, als es war. Ich hatte die Beiträge schon einige Wochen vor der Berichterstattung gelöscht“, so der Spieler. „Ich finde einfach, bestimmte Kommentare gehören sich nicht. Natürlich habe ich ein öffentliches Profil. Trotzdem muss ich nicht demütig alles hinnehmen, was dort über mich geschrieben wird. Darum ging es mir: Ich wollte diese Kommentare nicht mehr öffentlich auf meinem Profil stehen lassen.“
Jene Kritiker könnten sich viel eher persönlich an ihn wenden. „Wer ein Problem mit mir hat, kann zum Training kommen, mich nach dem Training ansprechen und es mir sagen. Hinter dem Bildschirm oder am Smartphone kann jeder große Worte schwingen. In der Realität sieht es häufig anders aus.“
Malik Tillman: „Mehr Unterstützung gewünscht“
Auch die Kommunikation mit der Vereinsführung und die Unterstützung seines Klubs sieht Tillman kritisch. „Die Kommunikation zwischen mir und der Führung ist sicher verbesserungsfähig“, so der Profi. „Auch während der Weltmeisterschaft hätte ich mir etwas mehr Unterstützung gewünscht. Niemand muss jeden Tag schreiben oder anrufen. Aber hin und wieder hätte ich die eine oder andere Nachricht mehr schön gefunden.“
Tillmans Vertrag bei Leverkusen gilt bis Sommer 2030. Mit dem neuen Trainer Martinez führte er am ersten Trainingstag ein Gespräch. „Dabei ging es aber vor allem um seine Grundprinzipien, die er auch zuvor am ersten Tag vor der Mannschaft erläutert hat: um Leidenschaft und Details“, so Tillman.
Er wolle den Spanier erstmal kennenlernen. „Wie arbeitet er? Wie denkt er? Welchen Plan verfolgt er, und welchen Plan hat er mit mir? Am Ende wird sich zeigen, ob ich bleibe oder nicht.“ Tillman sagt zudem: „Ich will in Leverkusen beweisen, was ich wirklich kann. Das ist mir bislang nicht gelungen. Ich denke, dass mich viele Fans noch unterschätzen. Ich selbst weiß, dass ich sehr viel mehr kann, als ich bisher gezeigt habe.“
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