Emotionen, Abschiede – und eine große Ungewissheit
Niklas Süle war froh, als er diesen Abend hinter sich gebracht hatte. Er war ihm nahegegangen. Mit dem Spielball unter dem Arm, den er sich zuvor von allen Teamkollegen hatte unterschreiben lassen, verließ er zu mitternächtlicher Stunde letztmalig die Katakomben des Westfalenstadions. „Ich bin mega happy“, sagte der 30-jährige Ex-Nationalspieler nach seinem 300. Bundesligaspiel, das zugleich sein letztes Heimspiel von Borussia Dortmund war. Nach dem Schlusspfiff war er minutenlang von den BVB-Fans gefeiert worden.
„Man muss ehrlich sein. Wie ich hier heute verabschiedet worden bin, ist auch nicht so üblich – nach vier Jahren, wo die Erwartung ein Stück weit eine andere war, weil es aus verschiedenen Gründen nicht so geklappt hat“, sagte Süle, nachdem er die Ovationen entgegengenommen hatte.
Es ist tatsächlich ein immer wieder aufs Neue bemerkenswerter Vorgang, wie die emotionale Bewertung einer Profikarriere am Ende doch ganz anders ausfällt, als es die Fakten nahelegen: Süle, der 2022 von den Bayern zum BVB gekommen war, hat von den Dortmundern deutlich mehr genommen, als er ihnen gegeben hat. Mit einem geschätzten Jahresgehalt von 14 Millionen Euro war er Großverdiener im Kader. Doch sportlich konnte der Abwehrspieler die hohen Erwartungen nie wirklich erfüllen – weil er oft verletzt war oder, bedingt durch einen undisziplinierten Lebenswandel, wie er freimütig einräumte, nur bedingt wettbewerbsfähig war.
Kovac: „Du darfst nicht abpfeifen, bis ich den Niki gebracht habe“
Das aber interessierte an diesem Freitagabend niemanden mehr. Alle wollten nach dem 3:2 (2:1)-Sieg über Eintracht Frankfurt in Nostalgie schwelgen. Allen voran Süle selbst, obwohl er es eigentlich nicht mag, im Mittelpunkt zu stehen. „Ich bin unfassbar froh über diesen Rahmen hier. Dass der Trainer mir nochmal ein paar Minuten gegeben hat, ist unfassbar schön“, sagte er.
Niko Kovac hatte Süle in der 88. Minute eingewechselt. „Du darfst hier nicht abpfeifen, bis ich den Niki gebracht habe“, hatte der BVB-Coach bereits am Tag vor dem Spiel zu Schiedsrichter Patrick Ittrich gesagt. Und der Referee, der nach der Saison ebenfalls seine Laufbahn beenden wird, tat wie ihm anempfohlen.
Der ehemalige Nationalspieler Niklas Süle hat das Ende seiner aktiven Laufbahn angekündigt. "Ich möchte bekanntgeben, dass ich meine Karriere im Sommer beenden werde", sagte der 30 Jahre alte Innenverteidiger von Borussia Dortmund im Podcast "Spielmacher".Es war ein wehmütiger Abend: Mit Salih Öczan und Julian Brandt verabschiedeten sich auch zwei weitere Spieler vom BVB-Publikum. Für Brandt, der sieben Jahren in Dortmund gespielt hat, war es aber besonders wichtig, dass es am Ende doch nicht nur darum ging. „Ich habe mich extrem gefreut, dass wir auch über etwas Sportliches reden können“, sagte der Mittelfeldspieler, dessen Zukunft offen ist.
Zäsur: Kehl hat „Schwarz-Gelb gelebt und geatmet“
Mit dem 21. Saisonsieg sicherten sich die Borussen die Vizemeisterschaft. „Das ist keine Selbstverständlichkeit, auch wenn wir wissen, dass wir damit keine Jubelstürme auslösen“, erklärte Sport-Geschäftsführer Lars Ricken. In der Vorsaison war der BVB nur auf den vierten Platz gekommen, 2023/24 auf den fünften. Die Angriffe der Konkurrenz aus Leverkusen, Stuttgart, Leipzig und Frankfurt, die die Dortmunder in den vergangenen Jahren teilweise überholt hatte, konnte abgewehrt werden.
Einer der Architekten der Mannschaft, die zwar fußballerisch bedingt überzeugte, sich aber deutlich kompakter präsentierte, ging ebenfalls durch das große Tor. Der ehemalige Sportdirektor Sebastian Kehl war bereits vor der Partie verabschiedet worden. Besonders sein Abgang stellt eine Zäsur dar: Kehl, 45, war insgesamt 24 Jahre im Verein. Als Spieler gewann er dreimal die Meisterschaft.
„Er hat Schwarz-Gelb gelebt und geatmet“, sagte Stadionsprecher Norbert Dickel. Die Zukunft der Dortmunder, die vor einem Umbruch stehen, wird Kehls Nachfolger Ole Book gestalten. Es soll weitere Veränderungen einleiten.
Katastrophensaison für Eintracht Frankfurt
Die scheinen auch für die Frankfurter unumgänglich zu sein. Für die Eintracht ist und bleibt es eine Katastrophensaison. Trotz einer ansprechenden Leistung und einer frühen Führung (Can Uzun, 2. Minute) brachten sie sich erneut durch eklatante Abwehrschwächen um die Punkte. Das Team hat in der zu Ende gehenden Saison 63 Gegentore kassiert – nur Wolfsburg und Heidenheim sind noch schlechter.
„Was soll ich von meiner Seite sagen? Drei Monate hier – Zeit ist der Schlüssel des Lebens. Wenn ich also die Zeit habe, werde ich diese Mannschaft weiter verbessern. Wenn ich die Zeit nicht habe, kann ich nur versuchen, in jedem einzelnen Spiel das Beste aus uns allen herauszuholen“, sagte Trainer Albert Riera. Der Spanier war im Februar auf Dino Toppmöller gefolgt. Gebessert hat sich seitdem nichts. Am kommenden Samstag, nach dem letzten Heimspiel gegen den VfB Stuttgart, wird seine Zeit in Frankfurt wahrscheinlich schon wieder beendet sein.
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