Auf dem Platz gab es Beschimpfungen und böse Blicke: Der Zoff zwischen Federico Valverde und Aurélien Tchouaméni ist bei Real Madrid nur der jüngste in einer Serie von schwerwiegenden Zwischenfällen. „Bei Real brennt es lichterloh“, titelte das Fachblatt „Mundo Deportivo“ – und das ausgerechnet kurz vor dem Clásico beim designierten Meister FC Barcelona.

Bei elf Punkten Rückstand vier Runden vor Schluss sind die Chancen der Königlichen, die Katalanen einzufangen, nur noch theoretischer Art. Am Sonntag (21.00 Uhr, im Sport-Ticker der WELT) steht aus Sicht der Madrileños trotzdem viel auf dem Spiel: Der Erzrivale mit Trainer Hansi Flick könnte sich daheim im Camp Nou den zweiten Liga-Titel in Serie sichern – und die Gäste als unfreiwillige Statisten der großen Party gedemütigt werden. Das fehlt Real gerade noch.

Denn nach zwei Spielzeiten ohne einen Titel liegen die Nerven beim spanischen Fußball-Rekordmeister offenbar blank. Im Mittelpunkt der Unruhe steht inzwischen kein Geringerer als Superstar Kylian Mbappé, dessen Einsatz gegen Barça wegen einer Verletzung fraglich ist. Der Franzose sorgte zuletzt für Ärger nicht nur bei den Fans. Auslöser war ein Kurzurlaub des 27-Jährigen mit der bekannten Schauspielerin Ester Expósito auf Sardinien während seiner Reha.

Besser ohne Mbappé?

Das Verhältnis Mbappés – und anderer Franzosen im Kader wie Tchouaméni, Eduardo Camavinga und Ferland Mendy – zu Teilen der Mannschaft gilt als schwer belastet. Medien stellen fest, dass Sturmkollege Vinícius Júnior nur dann glänze, wenn Mbappé nicht mit von der Partie sei. Auch (sehr) viele Fans scheinen inzwischen davon überzeugt, dass man ohne den Weltmeister von 2018 trotz der bisher 41 Saisontore Mbappés besser dran wäre.

Als jüngster Beweis gilt ihnen, dass Paris Saint-Germain nach dem Weggang des Stürmerstars vor zwei Jahren erstmals die Champions League gewann und nun gegen den FC Bayern München wieder ins Finale der Königsklasse einzog. Die Online-Kampagne „Mbappé Out“ sammelt Stimmen gegen ihn, technisch sind Mehrfachabstimmungen dabei allerdings nicht ausgeschlossen.

41 Saisontore, aber titellos: Kylian Mbappé

Allerdings hat der uruguayische Mittelfeldspieler Valverde nach Medienberichten über eine heftige Rangelei in der Kabine von Real Madrid betont, Teamkollege Tchouaméni habe ihn nicht geschlagen und er ihn auch nicht. „Während des Streits stieß ich versehentlich mit der Stirn gegen einen Tisch und zog mir dabei eine kleine Schnittwunde zu, die einen Routinebesuch im Krankenhaus erforderte“, schrieb er auf Instagram. Tchouaméni äußerte sich zunächst nicht zu der Fehde.

Valverde äußerte sein Bedauern über den Vorfall. „Es tut mir leid. Es tut mir wirklich leid, denn die Situation schmerzt mich, der Moment, den wir gerade durchmachen, schmerzt mich“, fügte er hinzu und beklagte, dass jemand den Vorfall sofort den Medien gesteckt habe. „In einer normalen Umkleidekabine kommen solche Dinge vor und werden intern geklärt, ohne an die Öffentlichkeit zu gelangen. Offensichtlich steckt jemand dahinter, der die Geschichte schnell verbreitete“, haderte Valverde.

Real Madrid leitet Disziplinarverfahren gegen Streithähne ein

Spanische Sportmedien hatten zuvor indes von einer blutenden Platzwunde am Kopf berichtet, die von Sportärzten noch vor Ort habe genäht werden müssen. Real Madrid teilte auf der Plattform X mit, der 27-Jährige habe ein Schädel-Hirn-Trauma erlitten und werde sich 10 bis 14 Tage erholen müssen. Sein Zustand sei stabil.

Intern hätten mehrere Spieler des Teams den Vorfall als den schwerwiegendsten bezeichnet, den es je auf dem Trainingsgelände in Valdebebas gegeben habe, schrieb die spanische Sportzeitung „Marca“.

Valverde habe Tchouaméni am Morgen den Handschlag verweigert. Dies habe zu einer sehr feindseligen Trainingseinheit geführt, die in einer heftigen Auseinandersetzung in der Kabine gegipfelt habe. Bei der darauffolgenden Auseinandersetzung zwischen den beiden habe der Uruguayer unbeabsichtigt und nicht durch einen Schlag von Tchouaméni verursacht eine Platzwunde an einer Tischkante erlitten. Schon am Mittwoch sollen die beiden im Training aneinandergeraten sein. Der Klub bestätigte, dass ein Disziplinarverfahren gegen beide Spieler eingeleitet wurde. Laut „AS“ könnten sie vor dem Clásico suspendiert werden.

Hinter den Kulissen soll unterdessen die Suche nach einem neuen Trainer als Nachfolger für Álvaro Arbeloa an Fahrt aufnehmen. Nach übereinstimmenden Medienberichten soll Klubboss Florentino Pérez seinem engen Freund José Mourinho per Video ein erstes Angebot unterbreitet haben.

Große Trainernamen, aber kaum Chancen

Der Portugiese, aktuell Trainer von Benfica Lissabon, soll nicht Nein gesagt haben, für seine Rückkehr nach Madrid nach der ersten Etappe zwischen 2010 und 2013 aber mehrere Bedingungen gestellt haben. Unter anderem wolle er völlig freie Hand bei Personalentscheidungen haben, berichteten das Fachblatt „AS“ und andere Medien. Mourinho selbst schwor indes in der vorigen Woche: „Niemand von Real Madrid hat mit mir gesprochen, das kann ich garantieren.“

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Arbeloa-Vorgänger Xabi Alonso hatte nach einem öffentlichen Zwist mit Vinícius und Problemen mit anderen Profis wie Valverde den Kürzeren gezogen. Zu den gehandelten Namen zählen neben Mourinho unter anderem die aktuellen Nationaltrainer Didier Deschamps (Frankreich) und Mauricio Pochettino (USA) sowie auch Jürgen Klopp.

Der derzeitige Fußball-Chef von Red Bull wies Ende März alle Spekulationen über eine Rückkehr auf die Trainerbank, sei es als Bundestrainer, sei es als Coach von Real oder einem Verein, scharf zurück. Das hätten alles „die gleichen Deppen geschrieben“.

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