Schlotterbeck löst beim BVB mit seinen Provokationen einen Flächenbrand aus
Diese Aussagen lösen einen Flächenbrand aus. Anstatt Meldungen über seine bevorstehende Verlängerung beim BVB mit zwei zackigen Sätzen zu dementieren und grinsend abzumarschieren, trat Nico Schlotterbeck nach dem Länderspiel gegen Ghana (2:1) als personifizierter Brandbeschleuniger auf.
Vorgeschobenes Ziel: Medien abwatschen. Wahre Absicht: neuerlicher Zeitgewinn in den seit Monaten andauernden Vertragsverhandlungen mit Borussia Dortmund.
Mit den flirrenden Augen eines Marvel-Superhelden baute sich Schlotterbeck in der Mixedzone der Nationalelf vor den Journalisten auf und lauerte auf das Zukunftsthema. Dann schleuderte er wahlweise Brandsätze und Stinkbomben. Ob Zündler Schlotterbeck (Vertrag bis 2027) sich dabei bewusst war, dass er unter anderem auch seinen Chef Lars Ricken bloßstellte und die BVB-Fans provozierte? Unklar. Er nahm es zumindest billigend in Kauf.
Gegen die Medien: „Ich habe mich auf die Frage gefreut! Ich sage ganz ehrlich, ich muss klar dementieren. So weit sind wir leider nicht. Ich bin sehr überrascht über die Berichterstattung, dass die Unterschrift kurz bevorsteht.“
„Ist jetzt blöd auch für die BVB-Fans“
Gegen BVB-Sport-Geschäftsführer Ricken, der Manager Sebastian Kehl durch Ole Book ersetzt hat: „Ich hätte wahrscheinlich in den nächsten Wochen eine Entscheidung getroffen. Ich habe lange mit Sebastian (der ehemalige BVB-Manager Kehl, die Redaktion) verhandelt. Sebastian ist jetzt nicht mehr da. (…) Jetzt hat sich die Situation ein bisschen verändert. Ole ist jetzt mein Ansprechpartner, wahrscheinlich zusammen mit Lars. Da muss ich einfach schauen. Ist jetzt blöd auch für die BVB-Fans …“
Blöd für die Anhänger. Blöd für Ricken, der – glaubt man den Schlotterbeck-Ausführungen – bis dato kaum in die Gespräche eingebunden war. Und blöd für Book, für den es eine Startpleite wäre, wenn der vermeintlich ausverhandelte Schlotterbeck-Deal noch platzen würde.
Lars Ricken ist im Fall Nico Schlotterbeck jetzt gefordertRicken („Nicos Aussagen sind nachvollziehbar. Wir haben weder einen Durchbruch noch eine Einigung bestätigt“) war am vergangenen Montag darum bemüht, den Brandherd sofort zu ersticken, und ließ die Presse-Agenturen mit vier Baldrian-Sätzen versorgen. Andere Klub-Insider beurteilten den Auftritt des Abwehr-Stars drastisch: „Schlotterbeck ist übermannt von der eigenen Geilheit, dabei liefert er seit Wochen Fehler in Serie!“
Wahr ist: Sowohl in der Liga als auch bei den jüngsten Länderspielen war Schlotterbeck wiederholt für Gegentore mitverantwortlich oder Hauptverursacher – mit seinem eigenen Anspruch von Weltklasse deckt sich das alles nicht. Dennoch lässt er die BVB-Bosse weiter auf seine Unterschrift warten, der Wechsel von Kehl auf Book kommt ihm dabei als Verzögerungsmanöver gelegen.
Möglicher Grund: Neues Interesse aus England – der FC Liverpool und Manchester United sollen zumindest noch einmal über eine Verpflichtung nachdenken. Zudem ist aus dem Klubumfeld zu hören, dass die Schlotterbeck-Seite in Bezug auf Gehalt und Ausstiegsklausel gerne noch einmal nachschärfen würde.
Bis dato könnte der Innenverteidiger für einen neuen Vertrag bis 2031 im Bestfall bis zu 14 Millionen Euro pro Jahr verdienen, dazu ab Sommer 2027 gegen eine Ablöse von 60 Millionen Euro wechseln. Hoch im Kurs bei Schlotterbeck: eine Exit-Option noch in diesem Sommer, nach der WM.
Macht Book da mit? Fakt ist: Der neue Sportdirektor hat bis zum vergangenen Montag nur mit Schlotterbeck telefoniert. Ein erstes Treffen und die nächste Gesprächsrunde stehen unmittelbar bevor. Book gilt als harter Verhandler mit kreativen Lösungen. Um jeden Preis vorführen lassen, will er sich garantiert nicht. Das sollte auch für Ricken gelten, der sich nach zahlreichen Mitarbeiter-Trennungen in den vergangenen Monaten den internen Beinamen „Gelbe Feuer Fraktion“ erarbeitet hat.
Schlotterbeck ist gut beraten, wieder mehr mit Leistungen statt mit Geschwafel aufzufallen. Er sollte die Geduld der Bosse nicht überstrapazieren und den eigenen Wert spätestens jetzt realistisch einordnen. Wenn er in Dortmund zum Topverdiener mit Kultstatus aufsteigen will, sollte er sich jetzt zum BVB bekennen. Weitere Zeitspielereien könnte die Südtribüne (25.000 Fans) bei den nächsten Heimspielen sonst zur gewaltigen Abstimmung über die Personalie Schlotterbeck verführen.
Der Kommentar wurde für das Sport-Kompetenzcenter (WELT, „Bild“, „Sport Bild“) erstellt und zuerst in der „Bild“ veröffentlicht.
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