Es wurde ganz still in der Arena, obwohl der ERC Ingolstadt zwei Minuten vor dem Ende 7:2 gegen den EHC Red Bull München führte. Statt den sicheren Sieg im vierten Spiel der Play-off-Serie im Viertelfinale der Deutschen Eishockey Liga und damit den Serien-Ausgleich zum 2:2 zu feiern, bangten die Fans um Edwin Tropmann. Der Ingolstädter Verteidiger lag nach einem brutalen Foul regungslos auf dem Eis.

Der üble Ellenbogencheck von Münchens Verteidiger Fabio Wagner gegen Tropmanns Kopf war der negative Höhepunkt eines Eishockeyspiels, das von Minute zu Minute mehr eskalierte. Direkt nachdem Wagner seinen Gegenspieler mit voller Wucht über den Haufen gefahren hatte, rief der Stadionsprecher: „Ärzte aufs Eis!“

Mehrere Betreuer und Ärzte eilten Tropmann zu Hilfe und behandelten den Verteidiger minutenlang, bis sie ihn schließlich mit einer Trage vom Eis brachten. Da die beiden Hauptschiedsrichter eine weitere Eskalation fürchteten, griffen sie zu einer ungewöhnlichen Maßnahme. Sie berieten sich mit den Trainern und Kapitänen der Teams und entschieden, das Spiel auslaufen zu lassen.

EHC Red Bull München kassiert 125 Strafminuten

Genau 100 Sekunden vor dem Ende warfen sie den Puck wieder ein, ohne dass Spieler auf das Eis durften. Der Puck lag auf dem Eis, die Stadionuhr lief herunter. Nach einer Minute und 40 Sekunden ertönte die Schlusssirene, Ingolstadt stand als Sieger fest.

„Ich fühle mich schrecklich wegen ihres Spielers, der zu Boden gegangen ist. Das war sehr unglücklich. Natürlich sind die Emotionen in so einem Spiel groß, aber das ist ein Unfall, den man nicht sehen will“, sagte Münchens Trainer Oliver David.

Schon zuvor hatten zwei seiner Spieler wegen brutaler Fouls Spieldauer-Disziplinarstrafen, die mit Roten Karten im Fußball vergleichbar sind, erhalten. Jeremy McKenna wurde wegen eines Ellenbogenchecks gegen den Kopf vorzeitig in die Kabine geschickt, Dillon Heatherington wurde wegen einer Prügelei des Eises verwiesen. Am Ende standen 155 Strafminuten auf der Anzeigetafel, 125 davon für die Münchner.

Topmann auf dem Weg in die Klinik ansprechbar

„Ich bin sicher nicht der Einzige, der noch nie so ein Spiel erlebt hat und so eine Situation am Spielende. Härte gehört zum Spiel. Die Jungs haben versucht, ihren eigenen Weg zu finden, ein Statement zu setzen. Fabio Wagner ist ein unglaublicher Mensch. Ich hoffe, dass die Leute verstehen, dass das keine Absicht war“, sagte David.

Dreckige Fouls, mit denen Verletzungen der Gegner in Kauf genommen wurden – selten ist ein DEL-Spiel dermaßen eskaliert. „Das war ein totaler Blackout von Wagner“, sagte der ehemalige Nationalspieler und TV-Experte Christoph Ullmann bei Magenta TV.

Nach dem Skandal-Spiel gab Ingolstadts Sportdirektor leichte Entwarnung. Tropmann sei auf dem Weg ins Klinikum ansprechbar geworden und in einem stabilen Zustand, erklärte Tim Regan. Dennoch bestehe die Sorge, welche Folgen das Horror-Foul für den 20-Jährigen haben wird.

„Die Jungs sind absolut geschockt“

„Dafür gibt es in diesem Maß keine Entschuldigung. Das hat nichts mit Eishockey zu tun“, sagte Regan. „Die Trainer müssen die Mannschaft im Griff haben, vor allem bei diesem Spielstand war das eine völlig unnötige Aktion. So etwas darf nicht passieren. Das schadet unserem Produkt und der Gesundheit unserer Spieler. Die Jungs sind gerade in keinem guten Zustand in der Kabine, sie sind absolut geschockt. Wir müssen uns jetzt um sie kümmern.“

Münchens Sportdirektor Christian Winkler bezog nach der wilden Partie Stellung: „Ich hoffe nur, dass es dem Burschen so gut wie möglich geht, dass es nicht ganz so schlimm ist, wie es auf dem Eis ausgesehen hat, und dass er schnell wieder auf die Füße kommt. Das ist jetzt für mich das Allerwichtigste, alles andere ist zweitrangig.“ Winkler wolle die Diskussion nicht weiter anheizen, tat es dann aber doch, als er an einen Check gegen seinen Spieler Ryan Murphy aus dem zweiten Spiel der Viertelfinalserie erinnerte: „Es hat sich sicherlich etwas hochgeschaukelt, aber nicht erst heute. Wir haben auch einen Spieler, der seit Tagen daheim liegt, dem es auch überhaupt nicht gut geht, da fragt keiner.“

Schon am Donnerstag treffen beide Teams zum fünften Spiel in München wieder aufeinander.

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