Wann die Gondel zur Olympiapiste fertig wird? Der Bauleiter reagiert gereizt
Dort, wo bis vor Kurzem in den engen Gassen Cortina d‘Ampezzos noch die Weihnachtsbeleuchtung von Haus zu Haus gespannt war, hängen nun die Nationalflaggen dieser Welt und leuchten ab anbrechender Dunkelheit statt Tannenbaum und Stern nun Silhouetten von Bobfahrern, Eisschnellläufern und Skifahrern.
An den Laternen hängen Olympia-Banner, in der Fußgängerzone weisen große, bunte Infosäulen den Weg zur Rodelbahn, zu verschiedenen Bussen, dem Curling-Center sowie zur Fanzone. Und durch die Straßen schlendern neben Besuchern bereits Athleten in dicken Wintermänteln mit der Aufschrift „France“ sowie Olympia-Volunteers in dunkel-hellblau-petrol-farbener Winterkleidung. Dazu verwandelt der Neuschnee das 5000-Einwohner-Städtchen in ein Winterwunderland. Idyllisch – wären, ja wären nicht noch etliche Bauarbeiter am Werkeln, Absperrungen, Warnhinweise, Lastwagen, Betonmischer und Baufahrzeuge.
Keine Frage: Cortina d‘Ampezzo, die Perle der Dolomiten am Fuße der Tofane, putzt sich heraus für die Olympischen Winterspiele, die verteilt in verschiedenen Clustern Norditaliens stattfinden. Mailand und Cortina sind dabei die Hauptgastgeber, und Olympia ist zumindest hier in Cortina zu sehen und zu spüren. Allerdings ist gleichzeitig auch noch mächtig viel zu tun, zumal bereits vor der am Freitagabend stattfindenden Eröffnungsfeier erste Qualifikationen, Vorrunden und Trainings angesetzt sind. Vielerorts wird noch gehämmert, geschraubt und gebaggert.
Hektisch oder gar panisch aber wirkt nach Außen hin nichts. Auch die Carabinieri, die einigen Volunteers bei den Proben zur Eröffnungsfeier zusehen – jedes Cluster hat seine eigene – und eine eingezäunte Olympia-Baustelle bewachen, stehen entspannt im Schnee. Der Countdown aber zählt unerbittlich hinunter, bis nach 2006 erstmals wieder Olympische Spiele in Italien stattfinden – damals in Turin. Dass Cortina schon einmal Gastgeber war, nämlich 1956, ist hier schwer zu übersehen: An vielen Privathäusern hängen weiß-blaue Fahnen mit den Zahlen 1956 und 2026, vielerorts prangen zudem alte Plakate mit historischem Charme.
Wann die Gondel fertig wird? Man weiß es nicht
Weniger Charme allerdings haben die Baustellen. Die Gondel zur Tofana-Piste zum Beispiel, wo die Skirennfahrerinnen ab Donnerstag trainieren und ab Sonntag um Edelmetall fahren, ist noch längst nicht fertig. Eigentlich soll die Seilbahn „Apollonio-Socrepes“ Fans und Zuschauer vom Tal aus zu den olympischen Rennen bringen – doch bis Dienstagmittag waren noch nicht mal die Kabinen geliefert. Diese sollen, so heißt es, im Laufe des Tages ankommen.
Dabei war der Plan, dass die mechanischen und hydraulischen Arbeiten bereits Anfang der Woche abgeschlossen sind, damit die technischen Sicherheitsprüfungen starten können. Doch daraus wird wohl nichts.
Wann genau die Bahn fertig wird? Da gehen die Meinungen vor Ort auseinander. Ein Bauarbeiter glaubt, es dauert noch mindestens zwei Wochen. Ein Konstrukteur tippt eher auf eine Woche. Und der gereizte Baustellenleiter will lieber gar keine Auskunft geben. Hauptsache irgendwann fertig werden, scheint inzwischen das Motto zu sein. Nicht sonderlich hilfreich sind der Schneefall, Temperaturen um null Grad und der stockende Verkehr, der sich samt Bussen und Baufahrzeugen extrem langsam durch die Straßen der Stadt schlängelt.
Schulschließungen für reibungslosen Ablauf?
Aktuell führt die Situation sogar zu Schulschließungen in Cortina. Die lokalen Behörden wurden gebeten, die Schulen am 10. und 12. Februar und – wenn möglich – auch am 11. Februar zu schließen. Das Ziel: keine Chaos-Staus.
In einem internen Schreiben vom 29. Januar, das „Reuters“ vorliegt, schreibt Andrea Francisi, Chief Games Operations Officer, mit Blick auf die Seilbahn: „Der Verlust dieser strategischen Infrastruktur kurz vor Beginn der Olympischen Spiele stellt uns vor erhebliche organisatorische Herausforderungen und hat erhebliche Auswirkungen auf das Verkehrsflussmanagement und die Sicherheit.“
Die Idee: Es sollen mehr Shuttle-Busse eingesetzt werden und die Zuschauer zur Strecke bringen. Allerdings haben gut 7000 Fans in das „Tofane Alpine Skiing Center“ Platz. Eine fertige Seilbahn könnte bis zu 2400 Passagiere pro Stunde in 50 Gondeln zur Mittelstation befördern. Von dort geht es dann in eine zweite – bereits fertige – Seilbahn, die bis fast an die Strecke reicht. Doch auch dort gibt es noch einiges zu tun.
Auch am „Cortina Sliding Centre“, wo die Rodler, Bobteams und Skeletonis um die Medaillen kämpfen werden, sowie am „Curling Olympic Stadium“ wird noch reichlich gebaut und gehämmert. Vor allem der für sehr viel Geld in sehr kurzer Zeit erbaute neue Eiskanal – ausdrücklich gegen den Willen des IOC, das die Wettbewerbe lieber auf einer bestehenden Bahn abseits Italiens ausgetragen hätte – dürfte aus deutscher Sicht in den kommenden zweieinhalb Wochen im Fokus stehen. Schließlich sind die Athleten des Bob- und Schlittenverband die Erfolgsgaranten des Winters.
Für Rodel-Olympiasieger Felix Loch, seinen Teamkollegen Max Langenhan und die Konkurrenz steht am Mittwoch bereits das erste Training auf dem Programm. Dass der für 120 Millionen Euro erbaute Eiskanal rechtzeitig fertig wurde – auch wenn rundherum ebenfalls noch Baustellen sind – und bereits Weltcup-Station war, bezeichneten nicht wenige als ein „Wunder“.
Eishockey-Neubau sorgte für Diskussionen
Beim Stichwort Baustelle stand zuletzt auch die neu gebaute Santa Giulia Arena in Mailand im Fokus, dessen Fertigstellung hinter dem Zeitplan blieb. Anfang Januar aber fanden dort nun die ersten offiziellen Eishockey-Partien als Generalprobe statt – auch wenn unter anderem noch nicht alle Umkleidekabinen fertig waren sowie die Verkaufsstände in der Halle geschlossen bleiben mussten. Es wird eine Punktlandung werden, zumal bereits am Donnerstag das Turnier der Frauen beginnt, bei dem erstmals seit 2014 auch wieder die deutschen Spielerinnen mitmischen. Das Turnier der Männer, das angesichts der Fülle an NHL-Stars zum Spektakel werden dürfte, beginnt am 11. Februar.
Die Schlagzeilen um die Größe des Feldes – vor allem die Kritik seitens der NHL – nahm man hier und beim Weltverband eher mit Verwunderung zur Kenntnis. Mit 60 Metern Länge ist das Spielfeld zwar fast einen Meter kürzer als in der NHL (60,96 × 25,91 Meter), entspricht aber den olympischen Standards. Bei den Winterspielen 2022 in Peking war die Fläche nicht anders. Damals hatte sich niemand beschwert.
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