Angefangen hatte es bereits in der Kindheit. Seine Leidenschaften für Sport und Daten verschmolzen in ersten Excel-Tabellen. Benjamin Weber hielt in seinen Dateien Fußballergebnisse oder Medaillen bei Olympischen Spielen fest. Er katalogisierte, ordnete, dokumentierte.

„Österreichische Medaillen sind im Normalfall nicht so häufig wie die deutschen“, weiß er. Es gab also nicht so viel einzutragen. Also begann er damit, Prognosen zu erstellen und Wahrscheinlichkeiten ausrechnen zu lassen. Excel erschien ihm dafür passend. „Einfach weil es ein Programm ist, das sehr, sehr einfach für den Einstieg ist. Aber dann, wenn man später tiefer geht, hat es unglaublich viele Möglichkeiten.“

Möglichkeiten, die der normale Nutzer allenfalls erahnen kann. Weber, der – wen wundert’s? – Wirtschaftsinformatik studiert, fand schnell Spaß am Durchdringen der Software mit ihren unzähligen Formeln und Befehlen. „Und dann habe ich zufällig ein TikTok-Video gesehen. Darüber, dass es eine Excel-Weltmeisterschaft gibt“, sagt der junge Mann aus dem Burgenland.

Ergebnisse eintragen, das System durchdringen, an Wettbewerben teilnehmen – eine Beziehung im Zeitraffer, die 2024 auf dem Thron der berühmt-berüchtigten Bürosoftware von Microsoft gipfelte. Weber wurde 2024 in Las Vegas Excel-Weltmeister.

Der Titelgewinn machte ihn auch kompatibel für den WELT-Podcast WELTmeister, in dem Leistungssportler, aber auch Champions aus der Nische, wöchentlich ihre persönliche Geschichte erzählen.

Excel – aus dem Finanzwesen in den E-Sport

In der aktuellen Folge spricht Weber über seine exotische Leidenschaft für Excel und beschreibt, wie aus dem vermeintlich langweiligen Programm in den vergangenen Jahren ein echter E-Sport mit zahlreichen Wettkämpfen wurde. „Am stärksten ist es schon in den englischsprachigen Bereichen, also Amerika, Kanada, Großbritannien, Australien und auch in Europa, verbreitet“, sagt er.

Global würden mittlerweile etwa 1000 Menschen Excel regelmäßig kompetitiv nutzen. Als Weber vor knapp zwei Jahren seinen Titel gewann, landeten ein Südafrikaner und ein Teilnehmer aus Madagaskar auf den Plätzen zwei und drei.

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Die ersten Wettkämpfe im Jahr 2012 seien inhaltlich noch Experten aus dem Finanzwesen vorbehalten gewesen. Es ging dabei ausnahmslos um das Erstellen komplexer Finanzmodelle und klassische Aufgaben aus dem Rechnungswesen. „Ungefähr 2021, 2022 ist dann der Shift gekommen, dass es diese Financial-Modeling-Meisterschaft zwar weiterhin gab und gibt, aber zusätzlich auch noch Excel als E-Sport dazukam. Mit dem Ziel, alle möglichen Facetten von Excel abzubilden“, berichtet Weber.

Und so kommt es, dass es in den Wettbewerben längst über die typischen Datenanalysen hinausgeht. Oder wer hätte gedacht, dass in Excel Schiffe über eine gemalte Karte von Zelle A5 nach D4 navigiert werden können, erschwert durch Sperren. „Es geht dann darum, wie viele Zellen es braucht, ohne dabei auf gewisse andere Zellen zu kommen“, beschreibt er einen sogenannten Map-Case, der an C64-Spiele der ersten Stunde erinnert.

Spielereien, die neugierig machen und somit durchaus Potenzial für Zuschauer besitzen. Grundsätzlich ist und bleibt es aber vor allem die Faszination für Zahlen, Formeln und Lösungen, die Weber antreibt. „Diese Formeln in Summe oder in Kombination können enorm mächtige Dinge machen“, sagt er ehrfurchtsvoll.

Es kann daher nicht verwundern, dass Weber längst nicht mehr nur als Spieler in der Szene dabei ist. Der Österreicher ist Organisator von MEWC DACH, dem offiziellen Ableger der Microsoft Excel World Championship für den deutschsprachigen Raum. Wer glaubt, die Erfolgsformeln zu kennen oder einfach neugierig ist, kann sich auf seiner Website momentan für die ersten Qualifikationsrunden anmelden. Im März beginnt der Weg zum WM-Titel 2026. „Die Teilnahme ist kostenlos“, sagt Weber.

Wenn Lutz Wöckener nicht gerade irgendeinen Sport im Selbstversuch ausprobiert, schreibt er über Darts und Sportpolitik, manchmal aber auch Abseitiges wie Fußball.

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