Adam Silver spannte den ganz großen Bogen. Unmittelbar nachdem James W. Naismith 1891 in Massachusetts den Sport erfand, hätten christliche Missionare den Basketball nach Deutschland gebracht. Und bei den Spielen 1936 in Berlin sei der Korbball aus der olympischen Taufe gehoben worden. Der NBA Commissioner hätte eigentlich nur an die jüngsten Erfolge des Deutschen Basketball Bunds erwähnen müssen, um die Relevanz Deutschlands herzuleiten, aber Silver wählte die historische Verbindung.

Der mächtige Funktionär aus den USA hat mit den Deutschen ja auch noch einiges vor. Dass nun mit den Orlando Magic und den Memphis Grizzlies erstmals zwei NBA-Teams ein Saisonspiel auf deutschem Boden austrugen, soll schließlich nur den Anfang bedeuten und schon im kommenden Jahr regelmäßig passieren. Mit eigenen Klubs.

Die NBA Europe, seit vielen Jahren immer wieder Teil theoretischer Expansionspläne der Liga, erhielt in den vergangenen Monaten deutlich Kontur. Zwölf Mannschaften soll die neue Liga umfassen, mindestens zwei davon aus Deutschland. München und Berlin sind die favorisierten Standorte.

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Mehr noch. Deutschland kommt bei der neuen Liga eine Leuchtturm-Funktion zu. Berlin liefere geradezu die Blaupause für eine Franchise, wie sie sich die Macher vorstellen, lobte Silver, der die Tage in der Hauptstadt zu zahlreichen Gesprächen mit Politik, Sport und Wirtschaft nutzte: „Alba ist das Modell eines Klubs, wie wir ihn in der NBA Europe sehen wollen.“ Deutlicher geht es nicht.

Triebfeder der US-Offensive ist vor allem die Entwicklung des Sports in wirtschaftlich interessanten Märkten wie Deutschland und Frankreich, aber auch Großbritannien. „In Deutschland ist Basketball momentan der am stärksten wachsende Sport“, weiß Silver, „und in Europa ist er nach Fußball die Nummer zwei.“ Vor allem aber spiegele sich dieser Status noch nicht in den wirtschaftlichen Kennzahlen wider. Und da kommen die Amerikaner ins Spiel.

Tickets für das Berlin Game in 62 Ländern verkauft

Rund 50 Milliarden Euro werden im europäischen Sport jährlich umgesetzt. Der Basketball mache davon jedoch weniger als ein Prozent aus, wird die NBA nicht müde zu betonen. Wie das Missmatch aufgelöst werden kann und soll, wurde in den Tagen von Berlin deutlich. Marketing und Professionalität in allen Bereichen – und Ticketpreise, die manchen Beobachter im Vorfeld zweifeln ließen, ob tatsächlich 14.000 Besucher die Berliner Arena füllen würden.

Am Ende waren laut NBA Fans aus 62 Ländern in der deutschen Hauptstadt live dabei. Auch wenn sich im Unterrang bei Preisen von mehr als 1000 Euro pro Karte ein paar leere Sitzschalen zeigten, ging die Rechnung am Ende auf. Viele Fans kritisierten zwar auf Nachfrage die hohen Preise, erlagen letztlich aber doch der Strahlkraft der Marke.

Diese galt und gilt es für die NBA auf ihrem Werbetrip mit Spielen in Berlin und am Sonntag in London herauszuarbeiten, um potenzielle Investoren für ihr ambitioniertes Projekt zu gewinnen. Dazu zählen auch Gespräche mit Profifußballklubs wie dem FC Bayern oder Borussia Dortmund, die in Spanien mit den Basketballern von Real Madrid und dem FC Barcelona, aber auch in der Türkei, Griechenland oder auf dem Balkan schon lange prominente Vorbilder haben.

Mit wem und in welchem Format auch immer – die NBA Europe wird kommen. Daran dürfte auch das Aufbegehren der Euroleague nichts ändern. Mancher europäische Basketballfunktionär sieht Silver schon in einer Linie mit dem US-Präsidenten und vergleicht die NBA-Expansion mit Trumps Griff nach Grönland. In der vergangenen Woche erhielt Silver Post von der Euroleague, dem bisherigen Flaggschiff des europäischen Basketballs.

Der Brief enthielt eine Warnung, verbunden mit der Androhung rechtlicher Konsequenzen, sollte die NBA bei ihrer Akquise um aktuelle Euroleague-Teams buhlen. Die Nachfrage, wie Silver mit dem Schriftstück umzugehen gedenke, beantwortete er mit einem selbstbewussten Grinsen: „Ich habe es meinen Anwälten gegeben. Sie kümmern sich.“

Unabhängig des schwelenden Streits betonte der Commissioner, dass er seine NBA ohnehin nicht im Wettkampf mit anderen Sportarten oder anderen Turnierformaten sehe. Es handele sich um ein Unterhaltungsprodukt. Er kämpfe nicht gegen andere Ligen, sondern ganz generell um die Aufmerksamkeit der Menschen, die Sportübertragungen zunehmend einem Film vorziehen würden.

Auch in diesem Punkt lieferte die NBA in Berlin. Die Heimkehr der Wagner-Brüder Franz und Moritz, angereichert mit der Comeback-Story der beiden lange verletzten Deutschen, erhielt ihr märchenhaftes Ende. Schließlich war es Franz Wagner, der die Orlando Magic mit einer Energieleistung im Schlussviertel zum Sieg führte.

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