Ernüchterung bei deutscher Olympia-Hoffnung
Der letzte Ton war fast verklungen, die letzte Hebung auf dem Eis fast geschafft. Das deutsche Top-Duo Minerva Hase und Nikita Volodin hatte sich bis hierhin durchgekämpft. Sie haben eine wundervoll konzipierte Kür zu „Memoryhouse” von Max Richter, die sie ebenso wundervoll darbieten können. Eine Kür, die – sauber und leidenschaftlich aufs Eis gebracht – Gold wert ist. Genau das ist die große Hoffnung, das ist der Traum für die Olympischen Winterspiele ab dem 6. Februar in Mailand. An diesem späten Donnerstagabend aber, bei den Europameisterschaften in Sheffield, patzten die beiden.
Früh gab es kleine Unsauberkeiten, dann einen Sturz beim Wurfrittberger. Danach zeigten sie zwar ihre Exzellenz, ließen aufblitzen, was sie können – doch mit den letzten Atemzügen der Kür rutschten sie bei der finalen Hebung weg, Hase stürzte erneut. Dass es für die Gold-Favoriten am Ende dennoch zu Platz zwei reichte, war zumindest ein kleiner Trost. Positiv gesehen zeigt Rang zwei trotz der Patzer aber auch, welch Potenzial in beiden steckt.
Den Titel im Paarlaufen holten sich erstmals die Georgier Anastasia Metelkina und Luka Berulawa (215,76 Punkte), die schon nach dem Kurzprogramm knapp vor Hase/Volodin in Führung gelegen hatten (insgesamt 203,87 Punkte). Rang drei belegten Maria Pavlova und Alexei Sviatchenko (202,56 Punkte) aus Ungarn vor dem zweiten deutschen Duo Annika Hocke und Robert Kunkel (188,27 Punkte) auf Platz vier.
„Es war von Anfang an etwas wackelig, und dann hatten wir einen unglücklichen Fehler beim Wurf und bei der Hebefigur, was normalerweise nie passiert“, sagte Hase. „Aber wir haben bis zum Schluss gekämpft, versucht, bis zum Schluss zu pushen, und sind schließlich Zweite geworden, worüber wir glücklich sind.“
Dennoch: Es ist ein ziemlicher Dämpfer für Deutschlands Olympia-Hoffnung. Aber vielleicht einer zur rechten Zeit. Die Enttäuschung war Hase und Volodin, den WM-Zweiten von 2025, direkt nach der Schlusspose anzusehen. Sie saßen auf dem Eis, blickten ins Leere. Auf ihren Gesichtern kein Lächeln. Unter dem aufmunternden Applaus des Publikums erhoben sie sich schließlich, winkten in die Zuschauerränge und versuchten ein zaghaftes Lächeln.
Auch das Kurzprogramm war zuvor nicht optimal gelaufen: solide, aber nicht perfekt. Hase hatte danach berichtet: „Wir sind nervös gewesen und hatten ein bisschen wackelige Beine.“
Der große Traum von Gold in Mailand
Die Generalprobe für die Olympischen Spiele hatten sie sich definitiv anders vorgestellt. Der Blick aber geht nach vorn. „Ich bin froh, dass wir an diesem Wettbewerb teilgenommen haben, um unsere Nerven unter Kontrolle zu bringen“, sagte Hase. „Und es war eine gute Lernerfahrung. Wir sind sehr motiviert für die Zukunft.“ Am 15. und 16. Februar will das Duo in der Milano Ice Skating Arena zwei fehlerfreie Programme zeigen. Dass sie in Sheffield enttäuscht das Eis verließen, ändert nichts am großen Traum. Und nichts an ihrer Rolle als Medaillenanwärter mit Chance auf Gold.
Dafür allerdings benötigen die beiden 26-Jährigen blitzsaubere Programme in Italien. Neben den neuen Europameistern aus Georgiern zählen die Weltmeister Riku Miura und Ryuichi Kihara aus Japan sowie die Italiener Sara Conti/Niccolò Macii zu den größten Konkurrenten. Wegen einer Verletzung Contis fehlte das italienische Paar bei der EM.
Der 18 Jahre alte Gartung zittert sich ins Kürfinale
Wenige Stunden vor der Silbermedaille für Hase/Volodin hatte sich der erst 18 Jahre alte Genrikh Gartung in der Männerkonkurrenz nach einer Zitterpartie im Kurzprogramm für die Kür am Samstag (ab 14 Uhr) qualifiziert. Der deutsche Juniorenmeister des Jahres 2025 belegte auch wegen eines Sturzes beim dreifachen Axel mit 64,45 Punkten nur den 24. Rang und damit den letzten Finalplatz.
„Es war sehr schwer. Der Axel hat mich rausgebracht“, sagte Gartung. In Führung liegt nach dem Kurzprogramm Nika Egadse aus Georgien mit 91,28 Zählern.
An diesem Freitag steigt das deutsche Eistanz-Duo Charise Matthaei/Max Liebers in die EM ein. Das Paar war für Jennifer Janse van Rensburg und den an einem Infekt erkrankten Benjamin Steffan nachgerückt. Eine deutsche Einzelstarterin nimmt erstmals seit mehr als 70 Jahren nicht an der Europameisterschaft teil.
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