Das alte Jahr beendete Martin Schindler mit einer ausführlichen Botschaft an die Öffentlichkeit. Deutschlands bester Dartspieler wäre nur allzu gern noch in London in der Vorbereitung auf das Viertelfinale bei der Darts-Weltmeisterschaft am 1. Januar gewesen, war nach seinem Drittrundenaus gegen Ryan Searle aber längst wieder zu Hause im heimischen Rodgau.

Mit guten Leistungen hatte er bei seinen ersten beiden Auftritten die Hoffnungen auf eine erste WM-Achtelfinalteilnahme geschürt, gegen den Engländer beim 0:4 dann aber einen rabenschwarzen Tag erwischt. Vor allem aber hatte Schindler mit einem Boykott des deutschen WM-TV-Senders während des gesamten Turniers für reichlich Gesprächsstoff gesorgt. Anlass dafür war die Berichterstattung des Senders in verschiedenen Online-Artikeln in den Monaten zuvor gewesen, wie sein Manager Iannis Selachoglou erklärt hatte.

Ein Schritt, der aus Sicht des Schindler-Lagers gerechtfertigt und nötig war. Ein Schritt, der letztlich allerdings nur Verlierer kannte. Dass die deutsche Nummer eins in den Wochen größter Aufmerksamkeit auf den Gang vor die TV-Kamera verzichtete, schadete nicht nur dem Sender, sondern auch seinen Sponsoren, Fans und damit auch ihm selbst.

Schindlers Clickbait-Vorwürfe

Nun nahm Schindler in einer zehnminütigen Videobotschaft selbst Stellung zu seiner überraschenden Maßnahme und erklärte seine Entscheidung ausführlich. Er habe überhaupt kein Problem mit sachlicher Kritik: „Zu sagen ,Das war heute nichts, das war schlecht‘ oder Ähnliches – überhaupt kein Problem. Auch zu sagen: ,Das war absolut unter deinen Möglichkeiten‘. Aber es muss dann ja nicht ,Blamage‘, ,chancenlos‘ oder ‚deklassiert‘ (sein). Und das wurde schon das eine oder andere mal auch gemacht und verwendet.“

Schindler kritisierte ganz generell die Wortwahl in der Berichterstattung. Er sei damit nicht einverstanden und fühle sich unfair behandelt. Sein klar formulierter Vorwurf: „Clickbait“. Vor allem aber zwei ihn betreffende Artikel wirft er dem Sender konkret vor.

Der Erste sei mit „Schindler will zum Helden werden“ überschrieben worden. Der andere trage die Überschrift „An Respektlosigkeit nicht zu überbieten“. „Das sieht dann so aus, als ob ich das über Littler gesagt habe, was ich nicht habe. Ich habe das quasi mit Bezug auf die deutschen Fans gesagt, was eine mutige Aussage ist. Bei dem Thema um die Pfeiferei und Buherei bei den European Tour-Events oder beim World Cup of Darts oder ähnlichem, weil ich finde das nicht gut (...).“

Bei der Helden-Geschichte habe er sich mit seiner Aussage auf seine familiäre Situation bezogen. „Da habe ich gesagt, dass ich zum Helden werden möchte, quasi für meine Tochter. Dass sie Papa sieht, als eine Art Held. Papa schafft das schon. Ja, Papa kriegt das hin, Papa macht eine gute Aufgabe. Und dass ich einfach mit dem, wie ich da spiele und was ich mache, dass das einfach gut funktioniert, dass das läuft und dass sie einfach stolz darüber ist und stolz auf ihren Papa ist. So, darum ging's mir.“

Schindler reicht Sport1 die Hand

Stattdessen aber sei sein Satz in einen völlig anderen Zusammenhang gesetzt worden. „Das war dann auch wieder dargestellt, wie ich quasi mein letztes Jahr, 2024, krönen wollte. Dass ich dann zum Helden werden möchte. Wo man jetzt natürlich drunter verstehen würde: Der will der deutsche Nationalheld werden mit Weltmeister, als Superman und weiß ich nicht was, was halt nie die Intention von mir dahinter war. Aber so wurde es dargestellt.“

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Daher habe er sich zu dem Boykott entschieden. „Ich habe meine Limits, ich muss mich auch nicht immer darstellen lassen, als was Falsches, was ich nicht bin, wer ich nicht bin. Und das war dementsprechend jetzt die Reaktion darauf von mir“, sagte Schindler, der seine Nachricht ohne Skript oder Notizen sprach.

Am Ende erklärte er seine Maßnahme für beendet und zündete die Friedenspfeife an. „Damit ist jetzt für mich auch dieses Thema gegessen. Die WM ist vorbei, das Jahr ist jetzt Geschichte, und die Thematik ist durch und erledigt. Wenn Sport1s jetzt nicht mehr mit mir reden möchte, dann ist das so. Ich würde meine Hand natürlich wieder in die Richtung strecken. Und würde sagen, in Zukunft können wir jetzt auch wieder miteinander arbeiten und reden.“

Sein Wunsch für das neue Jahr: „Eine faire Berichterstattung. Und nicht etwas, wo man selber so dargestellt wird, als jemand, der man nicht ist. Oder dass Sachen so aus dem Kontext gerissen werden, dass ein komplett anderes und falsches Bild entsteht“, sagte Schindler: „Das Thema ist erledigt. Mein Denkzettel wurde aus meiner Sicht verteilt.“

Wenn Lutz Wöckener nicht gerade irgendeinen Sport im Selbstversuch ausprobiert, schreibt er über Darts und Sportpolitik, manchmal aber auch über Abseitiges wie Fußball.

Darts-WM 2026, Viertelfinale, Ergebnisse

  • Ryan Searle (ENG/20) – Jonny Clayton (WAL/5) 5:2 (3:1, 3:0, 3:1, 1:3, 3:2, 1:3, 3:0)
  • Gary Anderson (SCO/14) – Justin Hood (ENG) 5:2 (3:0, 1:3, 3:0, 2:3, 3:0, 3:1, 3:0)
  • Luke Littler (ENG/1) – Krzysztof Ratajski (POL) 5:0 (3:2, 3:0, 3:0, 3:2, 3:1)
  • Luke Humphries (ENG/2) – Gian van Veen (NED/10)

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