„Der schlimmste Albtraum der Schwerkraft“ – Prevc erneut eine Klasse für sich
Da musste selbst Domen Prevc den Kopf schütteln. Und zwar über sich selbst: Der Slowene ging im Auslauf der Großen Olympiaschanze von Garmisch-Partenkirchen in die Hocke, lächelte und wunderte sich scheinbar ein bisschen über sich selbst. Denn er war soeben nicht einfach nur zum erneuten Sieg gesprungen, sondern der Konkurrenz um eine Skisprungwelt enteilt. Mit starken Nerven, viel Ruhe und traumwandlerischer Sicherheit.
„Es ist krass, wenn man sieht, wie groß der Abstand von Domen ist. Das ist einfach krank“, kommentierte Philipp Raimund Prevc‘ Sieg beim Neujahrsspringen der Vierschanzentournee. „Er macht brutal gute Sprünge und hat ein Fluggefühl, von dem ich nur träumen kann.“ Zweiter wurde der Österreicher Jan Hörl – 15,4 Punkte hinter Prevc – vor seinem Landsmann Stephan Embacher. Felix Hoffmann wurde als Sechster bester Deutscher. Direkt dahinter auf Rang sieben: Philipp Raimund.
In Weite umgerechnet, liegt Prevc in der Gesamtwertung nach seinen Siegen in Oberstdorf und Garmisch-Partenkirchen bereits knapp 20 Meter vor dem ersten Verfolger Hörl und ist damit seinem Traum vom Tourneesieg ein großes Stück nähergerückt. Selbst ein grober Patzer könnte dem 26-Jährigen angesichts seines riesigen Vorsprungs in Innsbruck oder Bischofshofen unterlaufen – und er bliebe an der Spitze. Zehn Jahre, nachdem sein älterer Bruder Peter den Goldenen Adler für den Gesamtsieg gewonnen hatte, könnte er also nachlegen – eine Brüder-Geschichte, die historisch wäre.
Felix Hoffmann als Vierter und Philipp Raimund als Sechster der Gesamtwertung haben zur Halbzeit der Tournee noch Chancen auf das Podest. Dahinter wird es aus deutscher Sicht enttäuschend. „Aktuell haben wir zu viele, die vor dem zweiten Durchgang ausscheiden. Das ist die nüchterne Realität“, sagte Olympiasieger Andreas Wellinger zur schwachen Teambilanz hinter Hoffmann und Raimund.
Wellinger und Geiger auf den Rängen 32 und 33
Die beiden größten Sorgenkinder der deutschen Mannschaft, Wellinger selbst und Ex-Weltmeister Karl Geiger, machten zumindest einen ganz kleinen Schritt nach vorn – mehr aber auch nicht. Beim Tournee-Auftakt in Oberstdorf hatte das Duo noch ein sportliches Debakel erlebt: Geiger verpasste in seiner Heimatstadt als 53. der Qualifikation sogar den Wettbewerb, Wellinger belegte Platz 48 und musste somit den zweiten Durchgang der besten 30 als Zuschauer verfolgen.
Beim Neujahrsspringen nun war Geiger immerhin dabei – für den Finaldurchgang reichte es als 33. allerdings nicht. Wellinger verpasste diesen als 32. ebenfalls. Im Gegensatz zum Wettbewerb in Oberstdorf, wo in Raimund und Hoffmann nur zwei Deutsche im zweiten Durchgang springen durften, gesellte sich beim Neujahrsspringen in Pius Paschke ein Dritter dazu. Der 35-Jährige ging als 24. in den Finaldurchgang, den er später auf Rang 21 beendete, Hoffmann als Fünfter und Raimund als Sechster. An der Spitze schon nach dem ersten Durchgang: wieder einmal Domen Prevc.
Den Slowenen kann zurzeit einfach nichts erschüttern – wie er danach auch im Finaldurchgang bewies. Sieg in der Qualifikation in Oberstdorf, beim Wettbewerb in Oberstdorf, dann in der Qualifikation von Garmisch-Partenkirchen und nun auch beim Neujahrsspringen. Ein Plakat im Zuschauerbereich drückte es so aus: „Domen Prevc – der schlimmste Albtraum der Schwerkraft“.
Zajc erhält Rote Karte – Norwegische Medien mit Vorwürfen
Für negative Schlagzeilen hingegen sorgte Timi Zajc. Der Slowene wurde wie schon in Oberstdorf wegen eines Regelverstoßes disqualifiziert. Diesmal wich der Anzug des Slowenen um vier Millimeter von der Norm ab, was bereits bei der Kontrolle vor seinem ersten Wettkampfsprung auffiel – er durfte gar nicht erst antreten. Damit ist Zajcs nach dem neuen Sanktionssystem für die nächsten beiden Wettbewerbe der Tournee in Innsbruck und Bischofshofen gesperrt.
Nicht die Anzüge, aber ein anderer Teil des Equipments hatte schon vor dem Springen in Garmisch-Partenkirchen für Schlagzeilen gesorgt: Norwegische Medien zweifelten an der Legalität der Bindung von Österreichs Skispringer Manuel Fettner. Der Weltverband Fis reagierte schnell auf die Vorwürfe und entkräftete diese: „Die Bindung ist seit etwa zehn Jahren in Nutzung und wurde genehmigt.“
Karl Geiger reagierte genervt auf die Betrugsvorwürfe der norwegischen Medien. „Es ist ein schlechtes Zeichen, wenn man selbst betrogen hat und das dann anderen unterstellt. Das ist nicht unbedingt die beste menschliche Art. Das gehört sich einfach nicht“, sagte er mit Blick auf den Skandal von Trondheim.
Raimund nahm es gelassen. „Das sind die ganzen Mind Games, die während der Tournee gespielt werden. Ich persönlich denke, da ist nichts dahinter“, sagte er in Garmisch-Partenkirchen. Für ihn und die anderen geht es nun weiter nach Innsbruck. Am Samstag wird dort auf der berüchtigten Bergisel-Schanze die Qualifikation ausgetragen.
Haftungsausschluss: Das Urheberrecht dieses Artikels liegt bei seinem ursprünglichen Autor. Der Zweck dieses Artikels besteht in der erneuten Veröffentlichung zu ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Sollten dennoch Verstöße vorliegen, nehmen Sie bitte umgehend Kontakt mit uns auf. Korrektur Oder wir werden Maßnahmen zur Löschung ergreifen. Danke