Knapp 32 Kilometer mit insgesamt 468 Höhenmetern: So eine Radtour kann anstrengend sein. Doch die Urlauber, die die Strecke gerade auf der kroatischen Insel Dugi Otok bewältigen, lächeln entspannt. Nicht nur, weil sie gerade vom 42 Meter hohen Leuchtturm Veli Rat einen der besten Rundblicke über die nördliche Adria genossen haben. Sondern vor allem, weil sie mit E-Bikes unterwegs sind, mit denen sich jeder Anstieg mühelos nehmen lässt.

Aktivität mit Komfort kombinieren – das ist das Motto während der Rad-Schiff-Reise von Boat Bike Tours durch die Kvarner Bucht, an der die Biker gerade teilnehmen. Der Veranstalter ist mit 70 Routen in 15 Ländern auf Expansionskurs und einer der Marktführer für diese Art von Kombireisen, die immer mehr Urlauber anspricht; auch andere Anbieter mischen mit.

Per Rad an Land Neues entdecken, dazwischen essen und ins Meer springen: „Diese Mischung aus Minikreuzfahrt, Sightseeing und Bewegung unter Gleichgesinnten gefällt uns“, sagen zum Beispiel Kerstin und Andreas Vogel, beide Anfang 60, die diese Reise gebucht haben.

Die zwei Leipziger sind typische Vertreter der Gäste-Zielgruppe: fitte Urlauber zwischen 60 und 80. „Der E-Bike-Boom hat uns Aufschwung gegeben“, sagt Guide Kristofor Stokic, der deutsche und kroatische Wurzeln hat. Als er 2011 bei Boat Bike Tours startete, habe mancher die Elektroradler belächelt, erzählt er. Doch ohne Motor wäre die Reiseart heute nicht da, wo sie ist – im Trend statt in der Nische.

Mit rauem Charme begleitet Stokic von Frühjahr bis Herbst Radfahrer aus aller Welt. Der 45-Jährige ist sattelfest in Geschichte und erinnert unterwegs auch an die Zeit von Präsident Josip Broz Tito oder den Jugoslawienkrieg Anfang der 90er‑Jahre. Bei den Touren leisten er und sein Kollege Ivan Domovic, 29, bei Bedarf Erste Hilfe, sei es mit einem Pflaster oder einer Schraube, die festzuziehen ist.

Radausflug: Mit dem E-Bike wird die Insel Dugi Otok erkundet

Die Teilnehmer dieser Reise stammen aus Kanada, Irland, England, Holland, Neuseeland und Deutschland und harmonieren – ein glücklicher Zufall – wie ein eingespieltes Team. Das zeigt sich tagsüber, wenn einer stoppt und die anderen fürsorglich fragen: „Are you okay?“

Aber auch eines Abends, als George aus British Columbia mit Gitarre und rauchiger Stimme Cat Stevens Konkurrenz macht. Klassenfahrt reloaded, aber bei bester Verpflegung. In der Kombüse der 40 Meter langen „Andela Lora“ zaubert das Team Trüffelnudeln, Thunfischsteaks, Pannacotta und exzellenten Obstsalat auf die Teller.

Vom Ausgangshafen Omisalj auf Krk geht es zu sieben Inseln und nach Zadar. Die Ausflüge per Rad sind abwechslungsreich, sie führen vorbei an Olivenhainen oder durch Pinienwälder. Immer wieder mischt sich der Duft würziger Kräuter in die Brise, die einem auch bei hohen Temperaturen angenehm um die Nase weht.

Die Räder stehen bereit: Die „Andela Lora“ hat in Savar angelegt, ein paar Reisende nehmen ein Bad im Meer

Das Meer ist nie weit und türkisblau. Ob in Veli Rat auf Dugi Otok oder bei Sveta Mara auf Rab: Mehr als einmal verspricht Stokic zu Recht „eine Bucht wie aus ,Die blaue Lagune‘“. Von der Badeplattform des Schiffs ist der Einstieg komfortabel, an den Kiesstränden empfehlen sich Badeschuhe. Bis Mitte Oktober liegen die Wassertemperaturen hier über 20 Grad. Auch bei Regenwetter werden Bike-Touren angeboten. Stokic: „Wir radeln immer, außer es blitzt.“

Auf der nächsten Insel ist trotz des Slogans „No stress auf Cres“ Vorsicht geboten: Wenn eine Fähre der staatlichen Reederei Jadrolinija ankommt, braust auf der Hauptstraße ein Auto nach dem anderen. Zur Sicherheit wird in Grüppchen hintereinander geradelt, vorn sichert Skotic, hinten sein Kollege. Zum Glück geht es bald auf eine Nebenstraße. Dort schweben Gänsegeier hoch über ihren Köpfen. Cres ist berühmt als Brutplatz der seltenen Vögel.

4000 Kilometer ausgeschilderte Radwege

Auf Lošinj führt ein Plattenweg direkt am Wasser entlang. Mondäne Hotels säumen die Küstenlinie. In der Cikat-Bucht am Kap Annunziata soll die Bronzeskulptur „Addio“ stehen, doch ihr Platz ist leer. Schon mehrfach ist das Denkmal für die Kapitänsfrauen, die einst ihren Männern hier nachwinkten, Vandalismus zum Opfer gefallen.

Besser ergeht es dem 1996 im Meer entdeckten „Apoxyomenos“: Ein komplettes Museum in der schicken Hafenstadt Mali Lošinj schützt die mehr als 2000 Jahre alte Bronzestatue eines Athleten, der sich gerade von Staub und Schweiß befreit. Hinter jeder Ecke wartet klares Meer an schroffen Kalksteinufern – und manchmal ein verärgerter Fußgänger auf dem Weg zum Baden.

Ein Miteinander ist nötig. Kroatien investiert viel in die Infrastruktur für Radtourismus. Rund 4000 Kilometer ausgeschilderte Radwege dürfte es inzwischen geben. Eine weitere Trasse entsteht derzeit zwischen Novalja und Lun auf der Insel Pag. Bislang misst sie allerdings nur zweimal etwa 200 Meter, ansonsten strampelt man auf der Hauptstraße.

Die Insel ist für uralte Olivenbäume und gereiften Käse bekannt. Die Schafe, die die Milch liefern, fressen Kräuter, die durch die salzige Luft ein würziges Aroma haben. Auf halber Strecke lässt sich an einem Büdchen ein Stück Käse als Souvenir erstehen.

Auf Pag ist wie so oft „ondulierendes Fahren“ angesagt, wie die Guides das Auf und Ab auf den Inseln nennen. Die 25 Kilogramm schweren Neun-Gang-Räder, die im Bug der „Andela Lora“ mitreisen, sind dafür ideal. Die Kvarner Bucht ist ein beliebtes Biker-Ziel, neben Istrien, das vor allem wegen der rund 120 Kilometer langen Parenzana, einer ehemaligen Bahntrasse zwischen Triest und Poreč, bekannt ist. Mountain- und Gravelbiker kommen auf der Insel Hvar und im Hinterland des nördlichen Dalmatiens, in der Region Zadar, auf ihre Kosten.

Zadar selbst, die 3000 Jahre alte Stadt am Meer, lässt sich am besten zu Fuß erkunden. Römer, Venezianer, Österreicher und Franzosen hinterließen über die Jahrhunderte ihre Spuren. 1943 wurden im Bombardement der Alliierten vier Fünftel Zadars zerstört, später aber großteils wiederaufgebaut.

Adria-Blick inklusive: An der Meerespromenade von Zadar

Top-Anziehungspunkt ist heute die Meeresorgel des Künstlers Nikola Bašić, deren Töne durch Wind und Wellen erzeugt werden. Im Sommer ist die Uferpromenade rappelvoll. „Außer, der schwüle Südostwind Jugo weht stürmisch, dann können Sie hier nicht mehr sitzen“, sagt Stadtführerin Angela. Zur Schiff-Rad-Reise gehören auch geführte Cityrundgänge. Nach der Hauptsaison, im September und Oktober, ist Zadar nicht mehr überlaufen.

Buchstäblich herausragend ist das mittelalterliche Städtchen Vrbnik auf der Insel Krk: Es wurde auf einem rund 50 Meter hohen Felsplateau gebaut. Auch hier bleiben die Räder stehen: Die kleinen Gassen sind gewunden und eng, an einer Stelle sind es nur 40 Zentimeter – Platz zwei nach Reutlingens engster Gasse der Welt, die neun Zentimeter schmaler ist. Eine Kostprobe des lokalen Weißweines Vrbnicka Zlahtina versagen sich die Biker: Für Rad- und Autofahrer gilt in Kroatien die 0,5-Promille-Grenze.

Dafür schmeckt am Ende der Reise eine „Rabska Torta“, die Spezialität der Insel Rab, die sich ebenfalls als Souvenir eignet. Wie der Mandelkuchen mit einem Schuss des Kirschlikörs Maraschino entsteht, zeigt Meisterkonditorin Ruzica Ribaric im „Haus der Raber Torte“ in der Altstadt.

Das Rezept stammt von 1177, als für Papst Alexander III. ein haltbares Gastgeschenk gesucht wurde. Außen knusprig, innen zart und süß: Wer zu Hause in die Rabertorte beißt, schaltet sofort wieder in den kroatischen Genuss-Modus.

Rad-Schiff-Reisen im Überblick:

Verschiedene Veranstalter haben kombinierte Rad-Schiff-Reisen im Angebot. Pionier ist der niederländische Spezialist Boat Bike Tours – dort wird unter anderem eine Kroatien-Reise „Kvarner Bucht Plus“ auf der „Andela Lora“ angeboten, ein Schiff mit 17 Kabinen für maximal 36 Gäste: Acht Tage ab/bis Omišalj kosten ab 1809 Euro pro Person; E-Bikes gibt es zur Miete, Leihhelme und Radtaschen bekommt man gratis an Bord (Termine bis Oktober 2026 und ab April 2027). Neu im Programm: „Glanzpunkte Indiens“, 15 Tage per Rad und Schiff, ab Delhi/bis Kochi, ab 4250 Euro pro Person ohne internationale Flüge. Buchbar sind auch Kombireisen Segelboot & Rad oder Mountainbike & Schiff (boatbiketours.de).

Ein anderer Anbieter ist SE Tours aus Bremerhaven, der in mehreren europäischen Ländern überwiegend Flusskreuzfahrten mit Radreisen kombiniert, etwa eine achttägige Rad-Schiff-Tour von Berlin nach Stralsund ab 1199 Euro pro Person (se-tours.de/de/reisen/rad-schiff).

Der österreichische Radreiseveranstalter Eurobike hat Touren auf Flüssen (vom Po bis zur Seine) und Meeren (Adria, Ägäis) im Programm, beispielsweise acht Tage Ionische Inseln ab/bis Korfu ab 1999 Euro (eurobike.at/de/radreisen/reisearten/rad-schiff).

Die Teilnahme an der Reise wurde unterstützt von Boat Bike Tours. Unsere Standards der Transparenz und journalistischen Unabhängigkeit finden Sie unter go2.as/unabhaengigkeit

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