Urlaub kann eigentlich so einfach sein. Man fliegt vielleicht irgendwohin in die Sonne, legt sich an den Pool, genießt, entspannt und kehrt mit dem Gefühl zurück, nichts versäumt zu haben. Dafür gibt es ein schönes Wort: Muße. Zweckfreiheit. Ohne schlechtes Gewissen. Muße ist kein Müßiggang, sondern beschauliche Freizeit.

Doch der moderne Reisende, orakelt zumindest die Tourismusbranche, darf sich nicht mehr nur einfach am Pool erholen. Er wird mit Benefits, Nutzwert, Mehrwert zugeschüttet, die ein Reiseveranstalter oder ein Hotelier sich ausgedacht haben.

Die Urlaubsreise wird zur Multi-Performance. Der Urlauber organisiert, koordiniert, priorisiert dann so lange, bis er erschöpft vergessen hat, bei aller Zweckoptimierung einmal auszuschlafen.

Willkommen im Zeitalter der Skillcation, Whycation, Glowcation und all der anderen englischen Wortschöpfungen, bei denen „Vacation“ zum Multitasking-Projekt wird. Alles braucht eine zweite, dritte oder vierte Ebene, auch und erst recht im Urlaub. Das wird dann freilich extra berechnet.

Die Skillcation ist dabei die vielleicht sympathischste Vertreterin dieser Gattung. Das Prinzip: Man reist nicht nur an einen schönen Ort, sondern lernt dort auch noch etwas. Laut einer Mastercard-Umfrage wollten ja auch 48 Prozent der befragten Europäer im Jahr 2026 im Urlaub neue Fähigkeiten erwerben. Beliebt sind Workshops mit Sprachen, Kochen, Yoga und angeleiteter Selbstreflexion.

Glowcation mit Glaubersalz

Weil das aber noch nicht genug ist, kommt noch die Whycation hinzu. Die Hotelgruppe Hilton jedenfalls will entdeckt haben, dass die Gäste nicht mehr fragen: „Wohin fahren wir?“, sondern „Warum fahren wir dorthin?“ Der Urlaub soll zweckdienlich sein.

Das aber führt durchaus zu einer bemerkenswerten Komplizierung der Urlaubszeit. Wer besser aussehen möchte, bucht eine Glowcation in einem Hotel auf Mallorca mit Treatments von Kopf bis Fuß inklusive Darmsanierung mit Glaubersalz.

Wer Ruhe sucht, bucht eine Quietcation. Die lässt sich auch mit gemessenen Dezibelwerten optimieren. Etwa in Schweden: In der Region Skåne kann man Orte der Stille vor der Buchung anhören, der stillste Ort liegt bei 37 Dezibel im Naturschutzgebiet.

Wer eigentlich nur drei Tage ausschlafen möchte, kann eine Sleepcation mit Schlaflabor, Einschlafmusik und wissenschaftlich analysierten Schlafrhythmen an der Nordsee buchen (Der Preis ist ein vierstelliger Albtraum).

Auch Yogacations in Hotelresorts werden immer ausgetüftelter. Wie wäre es mit Schafs-Yoga?

Gegen einen stolzen Aufpreis darf der Hotelgast seine Matte auf der Schafswiese ausrollen, etwa in Schottland. Dann schaut die Herde bei den Asanas zu, was natürlich auch ein lustiges Fotomotiv ist. Versuche mit Alpakas, die übrigens keine Schafe, sondern zu den Neuweltkamelen gehören, haben sich nicht bewährt: Die Tiere spucken zu oft.

Und dann gibt es natürlich noch Ernährungskonzepte. Wie wäre es mit komplett glutenfreien Kreuzfahrten? Oceania Cruises plant diese erste weizenfreie Tour für 2028. Das ist konsequent: Früher ging man auf Kreuzfahrt, um zwölf Tage lang zu futtern. Heute geht man auf Kreuzfahrt, um zwölf Tage lang sicherzustellen, dass kein Krümelchen Weizen an Bord ist.

Safari und Menopause

Auch die klassische Safari, einst die unkomplizierte Kombination aus Jeeps, Löwen und Sundowner, bekommt einen medizinischen Unterbau. In Südafrika gibt es eine Menopausen-Meditation nach der Safari mit Blick auf die Savanne.

Neu ist auch eine Namibia-Tour mit einem Dermatologen, der abends am Lagerfeuer gern über verstopfte Poren spricht statt über Paviane, über Dornwarzen statt Warzenschweine. Muss man mögen!

Der nächste Gegentrend wird dann vielleicht die Nothingcation – eine Reise, bei der man ausdrücklich nichts macht, nichts lernt, nichts optimiert und am Ende nur sagen kann: „War das schön!“

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