Wann waren Sie zuletzt mit Freunden unterwegs?
Ein paar Tage Ferien als sozialer Schmierstoff. Das Ritual haben sowohl die Schweden als auch die Franzosen uns deutlich voraus.
Dort gelten Feriendomizile traditionell oft weniger als Renditeobjekte, auch nicht als hermetisch verriegelte Zweitwohnsitze für die Kernfamilie oder als vergessene Datschen wie hierzulande. Nein, dort sind es auch offene, viel und gern genutzte Treffpunkte für gemeinsam verbrachte Zeit. Das kann eine Holzhütte auf den Schären sein oder auch ein Feldstein-Häuschen in der Provence.
Zum Feiern, Spielen oder einfach Zusammenhocken. Ohne Druck. Ohne Entertainer. Ohne Termine. Zeit für Freunde und Familie.
Sie sind sozusagen der Gegenpol zur heutigen Catch-up-Culture im Alltag mit Sprachnachrichten, Kalenderabgleichen, Kaffee-Slots wie Meetings , Videocalls im Update-Modus – effizient, komprimiert, distanziert. Nur um sich kurz zu briefen, was es Neues gibt.
Familienbande wichtiger denn je
Stattdessen: Gemeinsame, herrlich verplemperte Urlaubstage oder ein entspanntes, verlängertes Wochenende. Um Freundschaften zu pflegen, zu halten, zu erneuern oder zu entdecken, um Familienbande im großzügigsten Sinne, von diversen Cousins bis Ex-Schwiegereltern, unter einen Hut zu bringen. Fast jeder kennt jemanden um drei Ecken, der irgendwo ein Landhäuschen bereitstellt. Und falls nicht, wird es gemietet.
Tatsächlich haben 55 Prozent der Schweden laut dem Statistikamt Zugang zu einer Stuga, einem Sommerhäuschen, während sich rund 20 Prozent selbst glückliche Ferienhaus-Besitzer nennen können.
In Frankreich haben laut dem Marktforschungsunternehmen Raffour Interactif immerhin 13 Prozent der Bevölkerung ein Zweitdomizil auf dem Land, und 41 Prozent geben an, ein Maison de Campagne aus dem Umfeld nutzen zu können.
Deutschland: Ungenutztes Potenzial
Wie aber sieht es in Deutschland aus? Laut Marktanalysen von FeWo-direkt besitzen etwa 1,3 bis 1,7 Prozent aller Deutschen ein oder mehrere Feriendomizile. Beim Deutschen Ferienhausverband sind hierzulande knapp 455.000 private Ferienhäuser und Wohnungen gemeldet, die auch vermietet werden. Wer sie aber wie nutzt, ist nicht bekannt.
Hinzu kommen noch viele ungenutzte der gut rund 500.000 Datschen, die aus DDR-Zeiten stammen. Und nicht zu vergessen: die unzähligen liebevoll gepflegten Wochenend-Lauben mit ihren grünen Mikro-Paradiesen in den Kleingärtenvereinen, wo man auch mal gemeinsam durchfeiern kann.
Das alles ist eigentlich ein enormes Potenzial für ein Wiederaufleben des sozialen Miteinanders für ein paar gemeinsame Urlaubstage.
Denn das tut Not. Der neue Freizeitmonitor 2026 der BAT Stiftung für Zukunftsfragen stellt in einer Repräsentativbefragung fest: Die klassische Geselligkeit, gemeint damit sind echte Treffen, hat hierzulande enorm abgenommen.
Kaum analoge soziale Kontakte
Nur gerade mal 19 Prozent der 3000 Befragten geben 2026 an, regelmäßig mit Freunden unterwegs zu sein. Vor 40 Jahren waren es 37 Prozent. Und 2003 sogar 41 Prozent. Dann aber ging es stetig bergab.
Auch gemeinsame Kneipenbesuche, Stammtische, Kaffeekränzchen oder dergleichen sind in Deutschland kaum gefragt. Soziale Kontakte gehen in digitale Formen über, resümiert die Studie.
Nur eine analoge Geselligkeit erlebt hierzulande eine unerwartete Renaissance, die Jahrzehnte unter Erwachsenen völlig verschmäht wurde: Kartenspiele. Brettspiele. Für 14 Prozent ist das ein regelmäßiges Ritual, fast wie vor 40 Jahren. Damals waren es 15 Prozent.
Die Freizeitforscher erklären das mit dem Umstand, dass während der Pandemiezeiten die Kisten mit Gesellschaftsspielen, gut verstaut, weil die Kinder aus dem Haus waren, wieder herausgekramt wurden.
Und weil die Freizeitforscher aber auch feststellten, dass die Bundesbürger noch nie so viel auf Achse waren wie heute und in ihrer Freizeit gern Wochenendfahrten, Tagestouren oder mehrtägige Kurztrips unternehmen, böte es sich geradezu an, zum Datschen-Treffen zu rufen. Mit Rommékarten und Mischmaschine unter dem Arm.
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