Die Hüter der Wanderwege
Rund 300.000 Kilometer markierte Wanderwege gibt es laut dem Deutschen Wanderverband hierzulande. Ein riesiges Wegenetz, das instandgehalten werden muss: Wege, Treppen oder Brücken müssen auf Schäden geprüft, Wegzeichen kontrolliert und erneuert, überwachsene Stellen freigeschnitten werden.
Diese Aufgabe erledigen größtenteils Wegewarte, die auch größere Schäden an zuständigen Stellen wie Vereine, Behörden oder Baulastträger melden – wenn sie allein nicht weiterkommen. Über 20.000 solcher meist ehrenamtlichen Helfer gibt es zwischen Rhein und Oder. Einer von ihnen ist Peter Lill-Hendriks. Einblicke in die Arbeit eines Wegewartes in Hessen.
Seit sechs Jahren ist Lill-Hendriks der stille Helfer im Hintergrund auf der insgesamt 180 Kilometer langen Bonifatius-Route von Mainz nach Fulda. Wenn der 69-Jährige unterwegs ist, schaut er genauer hin als die meisten anderen, die auf den Wegen unterwegs sind. Wo andere einfach weitergehen, prüft er Tafeln, Pfeile und Symbole, entdeckt fehlende Schilder oder gleich ganze Bäume, die verschwunden sind – und die Wegmarkierungen mit ihnen.
Zu seinem Amt ist Lill-Hendriks eher zufällig gekommen – bei einer Wanderung in Eschborn. „Mir ist aufgefallen, dass die Markierungen nicht mehr funktioniert haben oder gar nicht mehr da waren.“ Er habe Kontakt mit der Geschäftsstelle der Route aufgenommen, auf die mangelhaften Markierungen hingewiesen und seine Hilfe angeboten. Die gerne angenommen wurde.
„Das hat sich so entwickelt, dass ich mittlerweile für 83 Kilometer der Strecke verantwortlich bin. Ich laufe die Strecke einmal im Jahr ab oder kontrolliere sie vom Fahrrad aus“, so der 69-Jährige. Immer im Rucksack dabei: Markierungen zum Aufkleben oder Kunststoffplatten zum Annageln sowie Hammer und anderes Werkzeug.
Wo immer er es für nötig hält, bringt er neue Infotafeln mit dem Logo der Pilgerroute – ein symbolisierter Bischofsstab auf weiß-roten Karos – an, ersetzt ausgeblichene, überklebte oder entfernte Markierungen.
Der Wanderweg wurde im Jahr 2004 zum 1250. Todestag des heiligen Bonifatius eingeweiht und verbindet die beiden Domstädte Mainz und Fulda. Als Wegewart zuständig ist Lill-Hendriks für den Bereich zwischen Mainz und Hochheim (Main-Taunus-Kreis) sowie zwischen Kriftel (Main-Taunus-Kreis) und Düdelsheim (Wetteraukreis) – rund ein Drittel der Gesamtroute. Er erhält für seine Tätigkeit eine kleine Aufwandsentschädigung.
Konflikte oder unangenehme Erlebnisse seien dabei die absolute Ausnahme, erzählt der in Hainburg im Kreis Offenbach lebende Wegewart. So habe sich einmal ein Anwohner darüber beschwert, dass ein Baum in seinem Blickfeld plötzlich eine Wegmarkierung trug – obwohl der Baum im öffentlichen Raum gestanden habe. Der Wegewart reagierte pragmatisch und entfernte das Schild wieder.
Baumschaden: Wenn ein Stamm querliegt, werden Forstamt oder Bauhof zu Hilfe gerufenBankschaden: Ist die Sitzgelegenheit am Wegesrand morsch, melden das mitunter Wanderer selbstNeben solchen Erfahrungen gebe es aber auch viele positive Begegnungen. In Mainz wurde er bei der Arbeit von Passantinnen angesprochen, die wissen wollten, was er da mache und was es mit den Wegschildern auf sich habe. Daraus entwickelte sich ein nettes Gespräch. Zum Abschied schenkte er den beiden Frauen ein Wegschild als Andenken. „Am Ende waren alle zufrieden“, sagt er.
„Ohne unsere zuverlässigen Wegewarte könnte die Bonifatius-Route nicht so gut zu begehen sein“, sagt Michael Friedrich, stellvertretender Vorsitzender des Vereins Bonifatius-Route. „Sie sind unsere Kontaktpersonen, wenn es um die Pflege und Beschilderung des Weges geht.“ Gut 3000 Wegschilder gibt es nach seinen Worten entlang der Strecke, dazu noch einmal 42 größere Hinweistafeln.
Wertvolle Hinweise von Wanderern
Auch bei den Wisper Trails im Wispertaunus sorgen Ehrenamtliche dafür, dass die Strecken in Schuss bleiben. Jeder der 16 Wege werde zweimal im Jahr von seinem Wegepaten abgelaufen, sagt Christine Lukas von der Tourist-Info Lorch am Rhein. Dabei werde unter anderem geschaut, ob die Schilder noch vollständig sind oder Bänke repariert werden müssen.
Ist eine Stelle zugewachsen oder liegt ein Baum quer, würden Forstamt oder Bauhof zu Hilfe gerufen. Bei Sturmschäden sei dann etwas mehr zu tun. Aktuell sucht Lukas nach weiteren ehrenamtlichen Wegepaten. „Ich spreche gezielt Menschen an, die wanderaffin sind.“ Es habe sich bewährt, wenn sich zwei Paten einen Weg teilen.
Lukas freut sich auch über Rückmeldungen von Wanderern, die auf einem Trail unterwegs waren. „Das sind oft ganz wertvolle Tipps.“ Viele Gäste seien ortsfremd und könnten den Wegepaten auch einen Hinweis geben, wenn eine Beschilderung zu lückenhaft sei.
Den Wispertaunus westlich von Wiesbaden kann man auf dem 44 Kilometer langen Wispertaunussteig und 15 Rundwanderwegen wie dem Rhein-Wisper-Glück oder Wisper Geflüster erkunden. Auf überwiegend naturbelassenen Wegen und Pfaden geht es durch tief eingeschnittene Täler und über aussichtsreiche Höhen. Und wenn die Wege deutlich markiert und gepflegt sind, macht er umso mehr Freude.
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