Wo Pferd und Reiter gemeinsam im Indischen Ozean baden gehen
Blaze ist ein ehemaliger Champion. Ein Pferd, das heute noch gerne zeigt, welche Kraft in ihm steckt. Als sich die Bucht von Riambel vor dem kastanienbraunen Wallach ausbreitet, werden seine Schritte beinahe tanzend. Auch die anderen Pferde drängen schnaubend vorwärts.
Frühmorgens ist der Strand menschenleer. Die Bucht aus fast weißem Sand zählt zu den schönsten auf Mauritius, der Inselperle im Indischen Ozean. Offensichtlich haben auch die lokalen Reitpferde ein Gespür dafür.
Gut drei Kilometer lang ist die Bucht, die von Kokospalmen und Filao-Bäumen gesäumt ist. Der Sand ist weich wie Puder – ideale Bedingungen also, um die Zügel locker zu lassen. Mehr braucht es auch gar nicht. Die Pferde traben an und galoppieren dann am Saum des Wassers entlang, dass es nur so spritzt.
Das Glücksgefühl, über einen unberührten Strand quasi dahinzufliegen, ist überwältigend – ein Abenteuer, das sich auf Mauritius relativ unkompliziert und kostengünstig erleben lässt. Seit mehr als 200 Jahren gehört der Reitsport zur Kultur der Insel, deren berühmte Pferderennbahn Champ de Mars, 1812 eröffnet, die älteste der Südhalbkugel ist.
Unterschiedlichste Landschaften auf kleinstem Raum
Abseits des Wettfiebers in der Hauptstadt Port Louis bieten Reitställe Ausflüge mit gut ausgebildeten Pferden an – meistens auf Rennbahn-Pensionären wie Blaze. In Begleitung erfahrener Guides, die bei Bedarf auch in die Zügel greifen, können sogar Reitanfänger die Tropeninsel hoch zu Ross erleben.
Strandausritte für jedermann – das ist die Mission von Arunima Gobin Bhunjun, Besitzerin des Reitstalls „Centre Equestre de Riambel“ im gleichnamigen Ort an der Südküste von Mauritius. Dieser Teil der Insel ist touristisch kaum erschlossen. An einigen Stellen fehlt das schützende Korallenriff, das Mauritius fast vollständig umgibt.
Wo die Brandung ungebremst auf Felsen trifft, sind faszinierende Naturphänomene entstanden. So wie „Le Souffleur“ („Der Flüsternde“), ein von Wellen gespeister Geysir. Bei Flut wird das Meerwasser mit so viel Druck durch ein Felsloch gepresst, dass eine bis zu 30 Meter hohe Fontäne in den Himmel schießt.
Wasser, Strand, Wald und Berg: Vielfalt auf MauritiusEin paar Kilometer weiter, am Aussichtspunkt Gris-Gris, hat die Erosion eine seltsame Landspitze erschaffen. Die Einheimischen nennen sie „La Roche Qui Pleure“ („Der Felsen, der weint“). Denn hier läuft das Wasser der Brandung über das vulkanische, dunkle Gestein ab, als würden Tränen die Felsen hinabfließen.
Es lohnt sich, diese Gegend intensiv zu erkunden, zumal sich zwischen den steinigen Klippen einige der schönsten Strände der Insel verstecken: Blue Bay Beach, Bel Ombre – und eben die Bucht von Riambel, in der die Pferde von Arunima Gobin Bhunjun ihre Hufabdrücke im weichen Sand hinterlassen.
Auf Mauritius kann man auf kleinstem Raum unterschiedlichste Landschaften erleben. Dunkle Bergmassive vulkanischen Ursprungs bilden einen reizvollen Kontrast zu den fast weißen Sandstränden mit türkisblauem Wasser.
Dank des beständig warmen Klimas bedeckt ein bunter Pflanzenteppich die fruchtbaren Ebenen: Rot blühende Flammenbäume, pinkfarbener Hibiskus und orangefarbene Papageienblumen gedeihen hier ebenso gut wie Bananen, Mangos, Vanille und Zuckerrohr. Besonders intensiv erlebt man die üppige tropische Natur zu Fuß, mit dem Mountainbike – oder eben vom Pferderücken aus.
Vorbei an Zuckerrohrfeldern und Ananasplantagen
Private Mietställe gibt es an der Küste ebenso wie in den Bergen im Hinterland. Auch einige Resorts halten Pferde auf dem hoteleigenen Gelände. Ihren Gästen bieten sie an, die nähere Umgebung auf kurzen oder längeren Ausritten kennenzulernen. In Begleitung der Guides geht es im Schritt oder Trab durch den tropischen Regenwald, vorbei an Zuckerrohrfeldern und Ananasplantagen, zu traumhaften Stränden oder einsamen Buchten.
Für die Gäste des „Maritim Resort & Spa“ in Balaclava im Nordwesten von Mauritius endet der Ausritt auf Wunsch an einer flachen Lagune, in der Pferd und Reiter gemeinsam baden können. „Für Pferdefreunde ist das ein absolutes Highlight“, schwärmt Dario Augustin, der Stallmeister. „In Europa kann man so etwas in der Regel nicht erleben.“
Streicheln? Ausdrücklich erwünschtAllerdings lässt er nur erfahrene Reiter mit den Pferden schwimmen. Für Laien sei das zu gefährlich. Zu den Ausritten hingegen, an denen auch Gäste teilnehmen können, die nicht im Hotel wohnen, nimmt er auch blutige Anfänger mit. „Das ist gar kein Problem. Unsere Pferde sind erstklassig ausgebildet“, betont er.
Fast alle Tiere in seinem Stall haben vor ihrer Ausbildung zum Freizeitpferd eine Karriere auf der alten Pferderennbahn Champ de Mars am Rande der Inselhauptstadt Port Louis hingelegt. Eröffnet wurde der Turf zwei Jahre nach der Eroberung der Insel durch die Briten. 1968 wurde hier zum ersten Mal die Flagge des unabhängigen Mauritius gehisst. Zwischen März und Anfang Dezember finden zur großen Freude der wettlustigen Insulaner jeden Samstag Rennen statt. Dann kommen bis zu 30.000 Besucher auf dem Gelände zusammen – ein fröhliches Spektakel, das man unbedingt miterleben sollte.
Doch hat diese Begeisterung auch eine Kehrseite. „Nur Spitzenpferde kommen nach ihrem Karriereende in die Zucht“, sagt Stallmeister Dario Augustin, der selbst einmal als Jockey tätig war. Viele Ex-Rennpferde finden hingegen nur schwer neue Besitzer und werden daher bereits relativ jung eingeschläfert – wenn sie nicht von Pferdefreunden wie Dario Augustin und seinem Team vor dem Abdecker bewahrt werden.
Zweite Chance statt Schlachthof
Auch den Reitstall von Arunima Gobin Bhunjun in Riambel gibt es nur, weil sie es nicht ertragen konnte, dass ausgemusterte Renner im Schlachthof enden. Als Reitpferde für Touristen bekommen sie eine zweite Chance – so wie Blaze. „Er ist insgesamt 32 Rennen gelaufen. Sechs davon hat er gewonnen“, sagt die Mauritierin stolz und tätschelt seinen Hals.
15 frühere Rennpferde und fünf Ponys besitzt sie insgesamt. Für Ausritte am Strand gibt sie jedem Kunden einen eigenen Führer mit. Selbst bei erfahrenen Reitern laufen Mitarbeiter neben den Pferden her, um Fotos oder Filme zu machen – ein schönes Souvenir.
Ein weiteres Refugium für gerettete Ex-Rennpferde ist der Reitstall „Haras du Morne“. Er bietet Ausritte am berühmtesten Berg der Insel an. Le Morne Brabant auf der gleichnamigen Halbinsel war im 18. und frühen 19. Jahrhundert ein Zufluchtsort für entflohene Sklaven. Am 1. Februar 1835, so erzählt es die Legende, stürzten sich Hunderte von ihnen in den Tod – aus Furcht vor Polizisten, die ihnen eigentlich die Abschaffung der Sklaverei verkünden wollten. Als Symbol des Widerstands gegen Sklaverei zählt der Berg seit 2008 zum Unesco-Weltkulturerbe.
Ausritt am Morgen: Reiter am Strand zu Füßen Le Morne BrabantAusritte durch den Urwald von Mauritius können Besucher ebenfalls erleben, beispielsweise auf der Eco-Farm „La Vieille Cheminée“ („Der alte Kamin“) in den Bergen von Chamarel. Der Name stammt von dem alten Steinkamin am Eingang des Anwesens – dem letzten Überrest einer ehemaligen Zuckerfabrik aus dem Jahr 1874. Der heutige Besitzer Robert de Speville setzt hingegen auf nachhaltigen Anbau von tropischen Früchten, Gemüse und Kräutern. Dazu betreibt er eine kleine, preisgekrönte Eco-Lodge mit neun charmanten Chalets.
Ein Schwarm Rotohrbülbüls leistet den Urlaubern beim Frühstück auf der Terrasse Gesellschaft. Die niedlichen Vögel bekommt man auf Mauritius häufig zu sehen. Allerdings lassen sich auf der Farm auch Raritäten beobachten. 75 Hektar tropischer Regenwald gehören zu dem Anwesen, in dem die unterschiedlichsten Pflanzen und Tiere leben. Darunter vom Aussterben bedrohte Arten und endemische, die es weltweit nur auf der Insel gibt, wie der Mauritius-Sittich, der Mauritius-Flughund oder die Mauritiustaube.
Die üppig grünen Landschaften rund um die Farm können die Gäste bei Wanderungen oder bei Ausritten gut erkunden: Auf dem Gelände grasen ein halbes Dutzend südafrikanische Basotho-Pferde – eine Rasse, die als besonders ruhig und geduldig gilt. Trotzdem ist auch hier stets ein kundiger Führer dabei. Ganz in der Nähe der Farm stürzt sich der Chamarel-Wasserfall knapp 100 Meter tief in eine Schlucht. Gischt spritzt auf, und wenn die Sonne im richtigen Winkel steht, krönt ein Regenbogen die Szenerie.
Ein Muss ist außerdem ein Ausflug zu einem berühmten Naturschauspiel namens Siebenfarbige Erde – nur zehn Autominuten von „La Vieille Cheminée“ entfernt. Von Aussichtsplattformen blicken dort Besucher über die Hügellandschaft, die an einigen Stellen rot bis schwarz, an anderen braun bis ocker sowie bläulich-violett bis grün schimmert. Grund für dieses Farbenspiel ist ein seltenes Phänomen, bei dem sich Lava zu Tonmineralien zersetzt hat.
40 Kilometer weiter südlich genießt indessen der ehemalige Champion Blaze in seiner Box nicht nur sein Gnadenbrot, sondern auch die Zuwendung, die ihm zwei Urlauberinnen aus Deutschland schenken. Schon der Galoppritt bei Sonnenuntergang am Strand sei toll gewesen, erzählt eine der beiden. Heute seien sie wiedergekommen, um mit den Pferden schwimmen zu gehen. „Das war ein langgehegter Traum!“ Auf Mauritius sei er endlich in Erfüllung gegangen.
Tipps und Informationen
Wie kommt man hin? Nonstop etwa ab Frankfurt/Main mit Condor oder mit Zwischenstopp auf den Seychellen mit Discover Airlines.
Wo wohnt man gut? Das „Maritim Resort & Spa“ liegt bei Balaclava an der Nordwestküste, DZ/F ab 240 Euro (maritim.de). Auf der ehemaligen Plantage „La Vieille Cheminée“ bei Chamarel wohnt man in charmanten Chalets, ab 180 Euro inkl. Frühstück (lavieillecheminee.com). Beide Unterkünfte halten Pferde für geführte Ausritte.
Reitställe: Das Gestüt „Haras du Morne“ am Fuß des La Morne Brabant bietet begleitete Reitausflüge für Anfänger bis Fortgeschrittene (harasdumorne.com). Klein, aber fein ist das „Centre Equestre de Riambel“ bei Riambel (beachhorseridingmauritius.com/de).
Weitere Infos: mauritiusnow.com/de
Die Teilnahme an der Reise wurde unterstützt von Tourism Mauritius. Unsere Standards der Transparenz und journalistischen Unabhängigkeit finden Sie unter go2.as/unabhaengigkeit
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