Welche Impfungen sind wichtig?

Gegen einige Gesundheitsrisiken im Urlaub können sich Reisende mit Impfungen schützen. Ob für eine Reise eine bestimmte Immunisierung nötig ist, das hängt von vielen Faktoren ab.

„Egal, wohin man reist: Alle Impfungen, die hierzulande als Standard empfohlen sind, sollte man haben“, sagt Sabine Jordan vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE). Dazu gehören Tetanus, Masern oder Polio: Krankheiten, die in anderen Erdteilen mitunter wesentlich häufiger vorkommen als in Deutschland.

Ob man sich darüber hinaus speziell für eine Reise impfen lässt, ist eine individuelle Abwägung und hängt wesentlich davon ab, wo man Urlaub macht und was man dort vorhat – aber auch wie häufig oder gefährlich eine Krankheit ist.

Hepatitis A zum Beispiel ist eine Krankheit, bei der das Ansteckungsrisiko in vielen Ländern deutlich höher ist als in Deutschland. Die Erreger, die eine Leberentzündung auslösen können, werden etwa durch verunreinigte Lebensmittel übertragen.

Zwar ist es eine Erkrankung, die meist harmlos verläuft. Doch in seltenen Fällen kann sie schwere Verläufe nehmen. In der Abwägung sei Hepatitis A deshalb eine klassische Reiseimpfung, die sehr großzügig empfohlen werde, sagt Internistin Jordan.

Spielt die Art des Urlaubs eine Rolle?

Wer seinen Urlaub ausschließlich in einer Hotelanlage verbringt, ist oft weniger exponiert. Das Risiko für Tollwut oder bestimmte seltene Infektionen ist deutlich geringer, wenn man nicht viel herumkommt oder mit Tieren und der lokalen Umwelt in Kontakt gerät.

Beispiel Bali. Besucht man auf der indonesischen Insel Affenparks oder ist generell viel unterwegs, sollte man über eine Tollwutimpfung nachdenken. Das Auswärtige Amt schreibt zu Indonesien: „Landesweit besteht ein hohes Risiko an Bissverletzungen durch streunende Hunde und auch Affen.“ Zwar gibt es nach Bissen infizierter Tiere noch eine Behandlungsmöglichkeit – doch darauf sollte man es nicht ankommen lassen. Denn bricht die Krankheit einmal aus, verläuft sie tödlich.

Plant man einen Cluburlaub, muss man sich grundsätzlich mit weniger Gesundheitsgefahren auseinandersetzen als bei einem Backpacking-Trip quer durch ein Land. Risiken gibt es dennoch. „Hotelanlagen schützen nicht vor lebensmittelübertragbaren Erkrankungen“, sagt Sabine Jordan.

Durchfallerkrankungen oder Hepatitis A bleiben dort ein Thema. Hinzu kommen etwa Mückenkrankheiten, die unabhängig vom Reisestil auftreten können. „Man kann auch auf den Malediven Dengue-Fieber bekommen“, warnt die Medizinerin.

Welche Weltregionen sind besonders riskant?

Ein schlaglichtartiger Überblick zeigt, dass man sich gerade vor Fernreisen frühzeitig über die Gesundheitsrisiken schlaumachen und vorsorgen sollte – bei Bedarf mit Impfungen, in jedem Fall aber mit einer passend bestückten Reiseapotheke.

In Südostasien (etwa Thailand, Bali, Sri Lanka) drohen je nach Ziel etwa diverse von Mücken übertragene Krankheiten. Vor allem das Dengue-Fieber breitet sich Experten zufolge zunehmend aus.

Afrika (etwa Kenia, Tansania, Sansibar): Hier spielt etwa Malaria eine Rolle. Auf Sansibar galt die Erkrankung als zurückgedrängt, ist aber wieder da. „Die Zahlen haben auf der Insel massiv zugenommen“, warnt Sabine Jordan.

Südamerika (etwa Brasilien, Argentinien, Peru): Hier ist vielerorts unter anderem Gelbfieber ein Thema. Das zieht sich bis nach Mittelamerika. Der Panamakanal sei hier die Grenze, sagt Jordan. Alles südlich davon sei klassisches Gelbfiebergebiet.

Welche Reiseländer werden unterschätzt?

Tomas Jelinek, Infektiologe in Berlin und Präsident der Deutschen Fachgesellschaft für Reisemedizin, nennt als Beispiel die Dominikanische Republik. Das Sonnenziel in der Karibik locke viele Reisende, doch ganz wenige ließen sich vorher beraten.

Dabei gibt es, auch bedingt durch die lange Grenze mit dem krisengeplagten Haiti auf der Insel Hispaniola, viele Gesundheitsrisiken: Dengue, Chikungunya, Diphtherie, Meningokokken sowie auch die bakterielle Infektionskrankheit Leptospirose, so der Experte.

Wo finden Reisende die nötigen Informationen?

Einen ersten Überblick geben etwa die Reisehinweise des Auswärtigen Amtes im Internet, die für jedes Land auf der Welt kostenlos abrufbar sind und in denen auch Gesundheitsrisiken genannt und Vorsorgeempfehlungen gegeben werden. Wenn ein Land bei der Einreise den Nachweis bestimmter Impfungen verlangt, steht das in den dortigen Reisehinweisen. Zur thematischen Vertiefung gibt es Verlinkungen.

„Das Allerwichtigste ist, dass man sich vor jeder Fernreise einmal reisemedizinisch beraten lässt“, sagt Sabine Jordan. Die Deutsche Gesellschaft für Tropenmedizin, Reisemedizin und Globale Gesundheit (DTG) bietet online eine Postleitzahlen-Suche nach spezialisierten Ärztinnen und Ärzten sowie nach Gelbfieberimpfstellen an.

Je nach Ziel variieren die Impfempfehlungen. Vor Fernreisen, vor allem in die Tropen, ist ein Arztbesuch zur Beratung sinnvoll

Die Tropeninstitute in mehreren deutschen Städten sind eine weitere Anlaufstelle für Reisende. Und auch beim Centrum für Reisemedizin gibt es eine Online-Suche nach Impf- und Beratungsstellen.

Was ist mit Europa?

Gleicher Kontinent, gleiche Gesundheitsrisiken wie zu Hause? So einfach ist es nicht. Wegen der Ausbreitung der Tigermücke werden etwa Erkrankungen wie Dengue und Chikungunya im Süden relevanter.

In Italien, Frankreich und Spanien gab es in der Vergangenheit schon Ausbrüche, sagt Tomas Jelinek: „Europa wird in der Hinsicht schon tropischer.“ Sich dort mit Sprays, Moskitonetzen und langer Kleidung gegen Mücken zu schützen, ist ratsam. Fährt man in Regionen mit Ausbruchsgeschehen, können darüber hinaus Impfungen Sinn ergeben.

Das gilt auch für eine weitere von kleinen Blutsaugern verbreitete Krankheit: FSME. Risikogebiete für diese von Zecken übertragenen Krankheit gibt es unter anderem in der südöstlichen Hälfte Deutschlands, in ganz Osteuropa, in Österreich, der Schweiz und Teilen Skandinaviens. Auch gegen FSME kann man sich impfen lassen.

Wann sollte man nach der Reise zum Arzt?

Manche Infektionen haben spezifische Krankheitsbilder. Bei Dengue haben viele Betroffene mit sehr starken Muskelschmerzen zu kämpfen, bei Chikungunya mehr mit Gelenkschmerzen, sagt Tomas Jelinek. Aber Kopfweh, Fieber, Leistungsschwäche, das seien allgemeine Symptome bei vielen Erkrankungen.

Ist es also eine Tropenkrankheit oder ein Infekt mit heimischen Viren? „Das lässt sich nur mit einer Blutentnahme klären“, sagt der Mediziner. Im Zweifel oder bei Verdacht solle man lieber zum Arzt gehen – etwa bei Durchfallerkrankungen nach Reisen, die von verschiedenen Erregern ausgelöst werden können, oder auch unklaren Hautbeschwerden.

Jelinek würde sich wünschen, Menschen nicht nur nach der Reise mit Beschwerden, sondern noch häufiger auch vorher bei sich in der Praxis zur Beratung zu begrüßen: „Mit dem Ziel, dass sie im Urlaub gar nicht erst krank werden.“

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