Was Nassau in der Karibik und Nassau an der Lahn verbindet – und sie unterscheidet
Es sind zwei Städte, die auf den ersten Blick wenig gemeinsam haben. Die eine ist eine Großstadt direkt am Strand, umgeben von Palmen, gelegen auf der Insel New Providence auf den Bahamas. Die andere liegt an der Lahn, eine Burg thront über ihr. Die eine befindet sich in der Karibik, die andere im Rhein-Lahn-Kreis in Rheinland-Pfalz.
Und doch teilen diese beiden Städte eine Sache: ihren Namen. Nassau. Seit fast zwei Monaten sind die beiden Nassaus sogar offiziell miteinander verbunden. Bei einer Zeremonie im Tourismusministerium in Nassau auf den Bahamas unterschrieben beide Seiten die Partnerschaftsurkunde und besiegelten damit eine neue Städtepartnerschaft.
Einer ist darauf besonders stolz: Manuel Liguori, seit mittlerweile fast sieben Jahren Stadtbürgermeister in Nassau an der Lahn. „Seit ich im Amt bin, haben wir diese Städtepartnerschaft angebahnt. Das hat seine Zeit gebraucht, weil natürlich erst einmal Gespräche geführt werden mussten, um das notwendige Vertrauen zu schaffen“, erklärt er. Bereits seine Vorgänger hätten seit den 1960er-Jahren Beziehungen zu Nassau auf den Bahamas gepflegt – eine offizielle Partnerschaft habe aber vorher „nie fixiert“ werden können.
Gemeinsame Geschichte
Um die Verbindungen zwischen den beiden Städten zu verstehen, lohnt sich ein Blick in die Geschichte: Nassau auf den Bahamas wurde 1656 als Provinz von britischen Siedlern gegründet und erhielt zunächst den Namen „Charlestown“, benannt nach König Karl II. von England.
1684 wurde die Stadt von einer französisch-spanischen Flotte zerstört, 1687 erneut aufgebaut. Zu Ehren von König Wilhelm III. von Oranien-Nassau, der im 17. Jahrhundert auch König von Großbritannien war, erhielt die heutige Hauptstadt der Bahamas den Namen „Nassau“.
Insbesondere mit Blick auf die gemeinsame Geschichte hatte die Unterzeichnung der Partnerschaftsurkunde Ende März für Bürgermeister Liguori „einen historischen Charakter“.
„Es ist natürlich ein symbolischer Akt. Aber es ist für beide Städte wichtig, zu zeigen: Wir gehören zusammen, wir haben eine gemeinsame Geschichte und darauf wollen wir uns auch berufen“, sagt der Stadtbürgermeister. Obwohl das Setting beider Städte so unterschiedlich sei, habe man sofort Gemeinsamkeiten gespürt. Um den Austausch zu intensivieren, seien Förderprogramme vonseiten der Politik wichtig, auch künftig.
„Mehr als 7000 Partnerschaften pflegen Deutschlands Kommunen mit internationalen Partnern“, heißt es auf der vom Auswärtigen Amt betrieben Website deutschland.de. Meistens bestehen diese innerhalb Europas, unter den internationalen weise die Partnerschaft zwischen Nördlingen in Bayern und Wagga Wagga in Australien die größte geografische Distanz auf: 16.189 Kilometer. Aber auch die Nassau-Nassau-Beziehung ist eine besondere.
Um Demokratie zu stärken
Hendrik Hering vom Partnerschaftsverband Rheinland-Pfalz/4er-Netzwerk – bis vor Kurzem auch Landtagspräsident – sieht in Städtepartnerschaften einen „wichtigen Baustein“ für die Völkerverständigung. „Ich denke, dass Städtepartnerschaften zukünftig weiter an Bedeutung gewinnen werden, wenn es darum geht, die Demokratie in Europa zu fördern.“ Insbesondere mit Blick auf die erstarkenden populistischen Kräfte in Europa und auf der Welt sei der Austausch zwischen Ländern wichtig.
Fachwerk, Marktplatz, Apotheke: Nassau in Rheinland-PfalzPalmen, Kreuzfahrtschiff, schönes Wetter: Nassau auf den BahamasUm die Partnerschaften weiter zu fördern, sei es besonders wichtig, das Thema an jüngere Generationen weiterzugeben. „Europa muss gelebt und verstanden werden, auch emotional. Wir müssen dafür effiziente Strukturen zwischen Ländern schaffen und vor allem auch die junge Generation motivieren, sich zu engagieren“, findet Hering.
Vor diesem Hintergrund organisiert der Verein regelmäßig Veranstaltungen, bei denen von vornherein ein gemeinsames Interesse wie beispielsweise Sport oder Kochen im Vordergrund steht. „So kann Kommunikation auch funktionieren, ohne die Sprache des anderen zu verstehen“, sagt Hering.
Für Nassau im Rhein-Lahn-Kreis ist die neue Städtepartnerschaft nicht die Erste. Erst im vergangenen Jahr feierte Nassau, wo Touristen Karibikurlaub mit kolonialer Geschichte verbinden und oft auch Kreuzfahrtschiffe anlegen, das 50-jährige Jubiläum mit seiner französischen Partnerstadt Pont-Château.
Ein Oktoberfest für die Bahamas
Den kulturellen Austausch zu stärken, stehe auch bei der neuen nassauischen Städtepartnerschaft im Vordergrund, sagt Bürgermeister Liguori. Eine erste Idee: Auf den Bahamas soll im Oktober ein Oktoberfest organisiert werden. Außerdem soll im nächsten oder spätestens übernächsten Jahr eine Delegation von den Bahamas nach Nassau an der Lahn kommen. In den Bereichen Kultur, Bildung, Kunst, Umweltschutz und Jugendarbeit soll ebenfalls ein Austausch stattfinden.
Bei all der zukünftigen Planung ist für Liguori aber vor allem eine Sache wichtig: Beide Seiten wollen die Partnerschaft entspannt und ohne irgendwelche Verpflichtungen angehen. Es komme vor allem darauf an, wie viel Engagement sich in beiden Städten aufseiten der Bevölkerung zeige. Ganz nach dem Motto: „Alles kann, nichts muss“.
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