Ob die Aufregung gerechtfertigt ist? Gebühren für Kirchen sind jedenfalls kein Novum: die Sagrada Família in Barcelona – 26 Euro, die St. Pauls Cathedral in London – rund 27 Euro, der Berliner Dom – 15 Euro. Dass Eintrittspreise in Gotteshäusern verlangt werden, ist ein Fakt.

Wobei man differenzieren muss: In Köln etwa ist der Besuch bei Gottesdiensten weiter kostenlos, und wer beten oder eine Kerze entzünden will, kann über die Seite am Nordquerhaus ohne Eintritt hinein.

Was ebenfalls in der Aufregung manchmal untergeht: Eintritt kostete der Dom schon vorher, wenn man hoch hinauswollte. Für den Zutritt zur Plattform des Südturms auf rund 100 Meter sind schon länger acht Euro fällig. So viel zahlt man auch, wenn man zur Schatzkammer des Doms will.

Geld für Aussicht, Glocken bestaunen oder Gruften betreten: Das ist übliche Praxis in berühmten Kirchen Deutschlands. Hineingehen und den großen Kirchenraum bestaunen, das geht – im Unterschied zum Kölner Dom – aber vielerorts noch gratis.

Eine kleine Liste großer Kirchen, für die gilt: Eintritt frei, Extras kosten:

Erfurter Dom

Der Dom und die Severikirche thronen als Ensemble über der thüringischen Hauptstadt. Im Dom gibt die Gloriosa den Ton an, die „größte, frei schwingende, mittelalterliche Glocke nördlich der Alpen“ (Bistum Erfurt).

Erfurter Wahrzeichen: der Dom (l.) und die Severikirche

Geläutet wird die Glocke, die Anfang der 2000er-Jahre schon einmal aufwendig wegen eines Haarrisses repariert werden musste, aber nur zu ausgewählten Anlässen. Besichtigt werden kann sie immer.

Infos: Eine Glockenführung kostet regulär 8 Euro (www.dom-erfurt.de)

Ulmer Münster

Den Titel des höchsten Kirchturms der Welt ist das Ulmer Münster los – seit der Anbringung eines Kreuzsegments im Herbst überragt die Sagrada Família den Turm in Schwaben.

Der ist mit 161,5 Meter natürlich weiterhin ein Gigant. Als Besucher geht es bis auf 102 Meter. Der Blick soll bis zu den Alpen reichen, wenn das Wetter mitspielt.

Info: Turmaufstieg regulär 7 Euro (www.ulmer-muenster.de)

Dom zu Speyer

Vier Kaiser, drei Kaiserinnen und vier Könige: Eine ganze Reihe von Herrschern fand im Dom zu Speyer einst die letzte Ruhe.

Am bekanntesten dürfte Heinrich IV. sein, der im Mittelalter nach einem Streit mit dem Papst nach Canossa ging. Der Dom gilt als größte erhaltene romanische Kirche der Welt.

Info: Zutritt zu Krypta und Kaisergräbern kostet regulär 4,50 Euro; der Turmaufstieg 7 Euro

Frauenkirche Dresden

Sie scheint in ihren hellen Sandtönen fast zu strahlen: Die Frauenkirche mit ihrer glockenförmigen Riesenkuppel (Gewicht: 12.000 Tonnen) ist ein Fixpunkt im Dresdner Zentrum – und eine der schönsten Kirchen überhaupt.

Die hellen Sandfarben lassen die Frauenkirche an sonnigen Tagen geradezu erstrahlen

Nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg wurde sie ab 1993 neu aufgebaut und 2005 geweiht. Die Aussichtsplattform liegt auf 67 Metern.

Info: Aufstieg zur Kuppel 12 Euro (frauenkirche-dresden.de/kuppelaufstieg)

Michel Hamburg

Unweit von Landungsbrücken und Reeperbahn ragt der Turm der St. Michaelis-Kirche über die Häuser der Hansestadt. Im Volksmund heißt Hamburgs größte Kirche schlicht Michel.

Oft nur auf den 132 Meter hohen Turm reduziert, lohnt ein Blick ins Innere: Im hellen Kirchraum gibt es norddeutsch-barocke Pracht in Weiß und Gold, während sich darunter eine mächtige Krypta erstreckt. Mehr als 2000 Menschen wurden im Gruftgewölbe beigesetzt. Zur Plattform auf 106 Meter führen 452 Stufen – oder ein Aufzug.

Infos: Das Kombiticket für Turm und Krypta kostet regulär 10 Euro (www.st-michaelis.de)

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