Die polnische Luftwaffe hat nach Regierungsangaben erneut ein russisches Aufklärungsflugzeug über der Ostsee abgefangen. Zwei polnische Kampfjets vom Typ F-16 seien aufgestiegen, schrieb Polens Verteidigungsminister Wladyslaw Kosiniak-Kamysz auf X.

Der russische Aufklärer vom Typ Il-20 sei 40 Kilometer nördlich des Badeortes Kolobrzeg unterwegs gewesen. „Erneut befand sich das Flugzeug ohne Flugplan und mit ausgeschaltetem Transponder im internationalen Luftraum“, teilte der Minister mit. Der polnische Luftraum sei nicht verletzt worden.

„Die polnischen Streitkräfte überwachen die Situation ununterbrochen und reagieren entschieden auf Handlungen der Russischen Föderation, in enger Zusammenarbeit mit den Nato-Verbündeten“, ergänzte der Vorsitzende der Polnischen Volkspartei. „Die Sicherheit des Himmels bleibt unsere höchste Priorität.“

Russische Erkundungsflüge in Serie

Die russischen Erkundungsflüge vor der Küste des Nato-Mitglieds Polen haben laut Warschauer Angaben zuletzt wieder zugenommen. Mitte Juli musste die polnische Luftwaffe drei Tage in Folge russische Kampfflugzeuge abfangen. Beim sogenannten Abfangen in der Luft nehmen die Piloten Sichtkontakt zur gegnerischen Besatzung auf und signalisieren, dass deren Flugzeug sich entfernen soll.

In Polen und den baltischen Staaten gibt es Befürchtungen, dass Russland wegen seiner Probleme im Ukraine-Krieg Provokationen gegen Nato-Gebiet unternehmen könnte. Am Donnerstag war während schwerer russischer Luftangriffe gegen die Ukraine eine Rakete in den polnischen Luftraum eingedrungen und nahe der Stadt Lublin abgestürzt. Verletzt wurde niemand. Nach Angaben der Regierung in Warschau handelt es sich bei dem Geschoss um einen russischen Marschflugkörper vom Typ CH-101.

„Ich habe mit dem Einsatzleiter, General Ireneusz Nowak, gesprochen, und wir können mit voller Verantwortung bestätigen, dass es sich um eine russische Ch-101-Rakete handelt“, sagte Vizeverteidigungsminister Cezary Tomczyk am Donnerstagabend dem Radiosender Rmf.fm. Dies sei ein Marschflugkörper, der potenziell sehr gefährlich sei und auch Atomsprengköpfe transportieren könne. Die Rakete sei beim Aufprall explodiert.

Ein Sprecher der zuständigen Staatsanwaltschaft in Lublin sagte am Freitag, im Einschlagskrater habe man viele Trümmerteile sichergestellt, darunter auch den Antrieb und die Elektrik. Die sichergestellten Materialien ließen die „eindeutige Schlussfolgerung“ zu, dass der Marschflugkörper vom Typ Ch-101 im zweiten Quartal 2026 in einem Rüstungsbetrieb in der Region Moskau hergestellt worden sei. Die Staatsanwaltschaft ermittelt nun wegen Verletzung des polnischen Luftraums und wegen Verursachung einer Katastrophe in der Luftfahrt, die das Leben und die Gesundheit vieler Menschen gefährdet habe.

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