Wer sind die „Deutsche Jugend Voran“ und „Jung und Stark“?
Es war eine der größten koordinierten Razzien der vergangenen Jahre: Am Mittwochmorgen durchsuchte die Polizei zeitgleich 45 Objekte in zwölf Bundesländern. Im Visier: junge Neonazis. 36 Beschuldigten wird vorgeworfen, Mitglied in einer kriminellen Vereinigung zu sein, wie es im Juristendeutsch heißt. Konkret geht es um zwei rechtsextreme Gruppen, die in den vergangenen Jahren bereits mehrmals für Schlagzeilen sorgten: Die „Deutsche Jugend Voran“ (DJV) und die Gruppierung „Jung und Stark“ (JS). Um was für Gruppen handelt es sich dabei?
Deutsche Jugend Voran: „Saufen und rumhitlern“
Die DJV ist bereits seit 2024 auf dem Radar der Behörden. Im Mai 2025 stuft der Berliner Verfassungsschutz die Gruppierung als „gesichert rechtsextrem“ ein. Sie soll aus mehr als 100 Mitgliedern bestehen, die vor allem in der Hauptstadt ansässig sind. Teilweise tritt sie auch unter den Namen „Neue Deutsche Welle“ oder „Division Berlin“ auf.
Berlins Verfassungsschutzpräsident Michael Fischer erklärte zu der Einstufung im vergangenen Jahr, dass die DJV im Dunstkreis mehrerer neuer rechtsextremer Gruppen zu verorten sei. Zwar sei die äußere Erscheinung, oftmals mit Glatze, Springerstiefel und Bomberjacke zwar ähnlich, dennoch sei die DJV kein reiner Wiedergänger einer Skinheadkultur. „Wir haben es mit etwas Neuem zu tun“, so Fischer, „in der Tendenz mit einer Jugendkultur.“
Was wie eine nüchterne Feststellung klingt, wirkt mit Blick auf die mutmaßlichen Mitglieder der DJV wie eine Untertreibung. Sie sind extrem jung – teilweise minderjährig – und organisieren sich über Plattformen wie Instagram, Tiktok oder Telegram. Zwar wurden mehrere Accounts in der Vergangenheit bereits gesperrt, doch auch heute finden sich in den Netzwerken noch immer Konten mit Bezug auf die Gruppierung.
Laut Linken-Innenpolitiker Niklas Schrader bestünde die Gruppe aus „Saufen und Rumhitlern“. Fischer erklärte in einem Statement, diese Beschreibung sei „zutreffend“.
Die DJV propagiert vor allem den Hass auf queere Menschen und solche, die sie als Linke oder „Antifas“ markieren. Mehrmals fiel die Gruppe durch Störaktionen und Angriffe auf Paraden des Christopher Street Days (CSD) auf. Laut einer Recherche der „taz“ wird im Vorfeld dieser Veranstaltungen im Umfeld der DJV gezielt mobilisiert. Teilnehmer der CSD-Demo seien dabei als pädophil bezeichnet worden.
Der mutmaßliche Rädelsführer der Gruppe, Julian M., wird 2025 zu mehr als drei Jahren Haft verurteilt, weil er im Oktober 2024 einen Mann gemeinsam mit anderen Mitgliedern seiner Gruppe in einer S-Bahn in Berlin angegriffen hatte. Bei darauffolgenden Durchsuchungen wurden bei DJV-Mitgliedern unter anderem Schlagringe, Pfefferspray, Messer und Sturmhauben gefunden.
Jung und Stark: Dachorganisation im bürgerlichen Gewandt
Die Gruppierung Jung und Stark ist für die Behörden wohl noch schwieriger zu greifen als die DJV. Sicherheitskreise gehen davon aus, dass JS mit einer mittleren dreistelligen Mitgliederzahl einr der größten derzeit operierenden Gruppen von Jung-Neonazis ist. Allerdings ist die Gruppierung sehr versprengt und unterhält nur lose Verbindungen zwischen der „Dachorganisation“ und mehreren Ortsgruppen.
Während sich die DJV betont kämpferisch gibt, präsentiert sich JS als gemäßigt-patriotisch und bürgerlich. In Instagram-Posts präsentiert die Gruppe beispielsweise die Architektur deutscher Altstädte. Zwischen den Zeilen wird ihre Gesinnung dennoch deutlich. So heißt es in der Beschreibung eines Kurzvideos: „Würzburg ist eine unfassbar deutsche Stadt“.
In einem anderen Posts sind vermummte Männer in Bundeswehr-Outfit beim Training zu sehen. Versehen mit der Beschreibung „Du bist deutsch? Dann mach was draus“.
Der Bayrische Verfassungsschutz beschreibt in einer Erklärung vom 21. Oktober 2024: „Vordergründig versucht die neue Gruppierung Jung und Stark (JS) sich als ideologisch gemäßigt darzustellen, aber dem Bayerischen Verfassungsschutz liegen hinreichend gewichtige tatsächliche Anhaltspunkte dafür vor, dass die Gruppierung verfassungsfeindliche Ziele verfolgt.“
Der bundesweite Instagram-Account distanziere sich zwar vom Rechtsextremismus, so der Verfassungsschutz weiter. Allerdings habe die Behörde Bezüge zu anderen rechtsextremistischen Gruppierungen festgestellt. Zudem gebe es Erkenntnisse über queer- und fremdenfeindliche Äußerungen.
Auf Anfrage der Linkenfraktion im Bundestag an die Bundesregierung erklärt das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) im Oktober 2024, man zähle sowohl JS als auch die DJV zu einem Phänomen, sich kurzfristig bildender, rechtsextremistischer Gruppierungen. Diese schlössen sich im virtuellen Raum zusammen und etablierten sich über die sozialen Netzwerke.
Zu diesen Gruppen zählen demnach auch Vereinigungen wie die sogenannte „Elblandrevolte“ und die „Letzte Verteidigungswelle“. Der stern recherchierte im Umkreis letzterer verdeckt. Alle Details hier:
Über das sehr junge Alter dieser Gruppen und die Auftritte auf Social Media kann schnell eine Verbindung zu Gleichaltrigen entstehen. Damit bestehe „die Möglichkeit zur Beeinflussung einer besonders vulnerablen Zielgruppe“, so das BfV. Und weiter: „Rechtsextremistische Ideologie wird dort teilweise unterschwellig im Zusammenhang mit Lifestylethemen wie Ernährung, Sport und Natur präsentiert. Mitunter werden dabei auch Verweise zu Chatgruppen auf anderen Plattformen geteilt, welche dann zur Rekrutierung und realweltlichen Mobilisierung genutzt werden.“
Mit Material der Nachrichtenagentur DPA
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