Soll der Staat Zucker besteuern? Pro und Contra im Überblick
Inhalt des Artikels:
- Pro: Zucker macht krank
- Pro: Großbritannien zeigt: Eine Zuckersteuer zeigt Wirkung
- Pro: Zusätzliche Einnahmen für den Staat
- Contra: Gesundheitliche Vorteile kaum nachweisbar
- Contra: Risiken lauern nicht nur beim Zucker
- Contra: Staatliche Bevormundung statt Eigenverantwortung
Die von der Bundesregierung geplante Zuckersteuer stößt auf ein geteiltes Echo. MDR-AKTUELL-Reporter Ralf Geißler argumentiert für die Einführung einer solchen Abgabe, sein Kollege Malte Pieper dagegen.
Was spricht für eine Zuckerabgabe?
Ralf Geißler: Eigentlich bin ich auch kein Freund neuer Steuern. Aber beim Zucker mache ich eine Ausnahme. Was die Regierung plant, ist eher zu wenig als zu viel. Sie will vor allem Limonaden mit einer Abgabe belegen – doch Zucker müsste überall besteuert werden.
Bonbons, Schokolade, Kuchen und Kekse waren einmal Genussmittel. Heute gehören süße Zwischenmahlzeiten, vor allem bei Kindern, ganz selbstverständlich zum Alltag – fast so wie das Mittagessen. Und Zucker steckt längst nicht nur in Süßigkeiten: in Fertigmüslis, in Ketchup, in Fruchtjoghurt, sogar in Frischkäse.
Pro: Zucker macht krank
Gegner der Zuckersteuer sagen: Der Staat soll sich aus den Essgewohnheiten der Menschen heraushalten. Aber zu viel Zucker macht krank. Und die Folgen zahlen wir alle: Kuren für Adipositas‑Kranke, Insulinspritzen bei Diabetes, Zahnarztbesuche wegen Karies.
Pro: Großbritannien zeigt: Eine Zuckersteuer zeigt Wirkung
Eine Zuckersteuer kann den Konsum senken. Großbritannien zeigt, wie das funktioniert: Dort haben viele Hersteller den Zuckeranteil ihrer Produkte reduziert, weil die Steuer sie dazu gedrängt hat. Vielen fehlt danach nichts. Zucker ist Gewöhnungssache. Oft merkt man erst, wie übersüßt ein Frühstücksmüsli ist, wenn man ein paar Wochen darauf verzichtet hat.
Pro: Zusätzliche Einnahmen für den Staat
Mit einer Zuckerabgabe kann der Staat Einnahmen erzielen, die den Krankenkassen dringend fehlen – und zugleich den überhöhten Zuckerkonsum senken. Deshalb frage ich mich nicht, warum die Zuckerabgabe kommt, sondern warum die Regierung bis 2028 braucht, um sie einzuführen.
Was spricht gegen eine Zuckerabgabe?
Malte Pieper: Welche Entscheidung will uns der fürsorgliche Staat denn als nächstes abnehmen und — vermeintlich wohlmeinend — in unser Alltagsleben eingreifen?
Nach Rauchen für eine bessere Terrorbekämpfung vor 25 Jahren, Autofahren für die deutsche Einheit oder dem Klassiker "Sekt trinken für den Aufbau der kaiserlichen Kriegsflotte". Das wurde alles bereits als Argument vorgebracht, um die Erhöhung von Steuern zu begründen. Mit gut klingenden Etiketten, gegen die doch eigentlich niemand etwas haben kann. So auch jetzt: Eine Zuckerabgabe, damit unsere Kinder nicht mehr so dick werden.
Contra: Gesundheitliche Vorteile kaum nachweisbar
Klingt alles toll — glaubt man den allermeisten Studien ist das aber nicht wahrscheinlich. Die TU Dresden brachte es vor zwei Jahren in einer Zusammenfassung so auf den Punkt: "Studien zeigen, dass Preissteigerungen durch Zuckersteuern (...) zu einem verringerten Konsum führen. Die tatsächlichen Auswirkungen auf die Gesundheit (lassen) sich (hingegen) kaum nachweisen."
Contra: Risiken lauern nicht nur beim Zucker
Mal ehrlich: Wir alle wissen, dass es weder gut, noch förderlich ist, drei Liter Cola am Tag in sich hineinzuschütten. Weder für den Blutzucker noch für die Zähne. Und doch tun es Menschen. So wie viele Ski fahren, an Felswänden hochklettern, Fußball spielen oder Reiten. Alles Sportarten, die zu schwersten Verletzungen und immensen Ausgaben der Krankenkassen führen.
Contra: Staatliche Bevormundung statt Eigenverantwortung
Was kommt also als nächstes: Eine Risikoabgabe auf den Loipen dieser Republik? Eine Vervierfachung des Preises für eine Schachtel Zigaretten, für alle, die es immer noch nicht lassen wollen oder gar eine Pflichtversicherung für den Besuch der Dorfkirmes oder des Schützenfestes angesichts des vielen Alkoholmissbrauchs bei solchen Veranstaltungen?
Danke: Nein! Der Staat ist nicht für alles zuständig!
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