Der eigene Wahlsieg bringt die Grünen-Co-Chefin in Erklärungsnot
Franziska Brantner hat eigentlich etwas zu feiern: Cem Özdemir hat die Landtagswahl in Baden-Württemberg gewonnen. Und wie. Der Grüne hat im „Ländle“ einen fulminanten Endspurt hingelegt und wird voraussichtlich Ministerpräsident.
„Mut und Zuversicht,“ sicher im Ziel, „pragmatisch im Weg,“ das sind die Grünen. Das zumindest probiert Brantner, die Co-Vorsitzende der Partei ist, als Kernbotschaften den Abend rüberbringen. Sie bleiben an der Macht, sind stärkste Partei, ganze dreißig Prozent haben sie geholt. Eigentlich ein Triumph. Aber ein Triumph mit Gschmäckle.
Neben der Grünen sitzen bei Caren Miosga der CDU-Ministerpräsident Daniel Günther und der Journalist Robin Alexander. Die drei machen es Brantner nicht einfach, ihren Erfolg zu feiern.
Denn: Cem Özdemir hat sich im Wahlkampf konservativer und bürgerlicher gezeigt als die Bundesgrünen. Er hat sich maximal von der Bundespartei distanziert, sagt Miosga. Brantner schüttelt den Kopf. „Doch“, setzt die Moderatorin nach.
Und auch der Journalist Robin Alexander hakt hier ein: Man müsse Özdemir nur selbst zuhören. Als die Grünen im Europaparlament das Mercosur-Abkommen verzögert haben, habe sich Özdemir keine halbe Stunde später abgegrenzt. Brantner versucht dagegen zu halten: „Cem Özdemir ist ein Grüner, das weiß auch in Baden-Württemberg jeder.“
„Miosga“: Grünen-Co-Chefin in der Bredouille
Als sie zum X-ten Mal ausweicht, fragt Miosga Alexander, warum sie keine Antwort gibt. Der analysiert: „Weil Frau Brantner Bundesvorsitzende ist.“ Und als diese kann sie natürlich nicht zugeben, dass einer ihrer Kandidaten die Strategie fährt, sich von ihrer Bundespartei abzugrenzen, und damit sogar noch gewinnt.
Es wird aber noch komplizierter. Brantner ist selbst Teil des Realo-Flügels der Grünen, will ebenso wie Özdemir einen in die Mitte gerichteten Kurs. Weite Teile der Bundestagsfraktion, die Grüne Jugend und viele Funktionäre wollen weiter nach links.
Der CDU-Mann Günther schlägt in diese Kerbe: Könne man damit rechnen, dass die Bundesgrünen auf den Kurs von Cem Özdemir – Realo-Politik, ein bürgerlicher Kurs, Orientierung an der Mitte – umschlagen? Die Grüne tänzelt um die Frage herum: Es geht darum, zu „kapieren, was funktioniert“, nicht bloß zu kopieren.
Nachfrage Miosga: Sie selbst wolle doch die Grünen auch in die Mitte führen.
Antwort Brantner: „Ich will, dass die Grünen die Partei sind, die Probleme löst.“
Kommentar Alexander: „Wie so ein Motivationsseminar.“
Immer wieder weicht Brantner den Fragen aus
Es ist ein Drei gegen Eins, bei dem Brantner immer wieder Fragen ausweicht. Einmal tut sie das aus einem sehr nachvollziehbaren Grund: Als Miosga sie auf Boris Palmer anspricht, dem Ex-Enfant-terrible der Grünen, mit dem Özdemir gemeinsam Wahlkampf machte, will sie sich nicht äußern. Die beiden, Palmer und sie, haben eine gemeinsame Tochter und haben sich geeinigt, nicht öffentlich übereinander zu sprechen.
Das Fazit dieser Diskussion um die Grünen und deren Mitte-Kurs in Baden-Württemberg bringt Robin Alexander: „Wahlen in Deutschland werden in der Mitte gewonnen, weil die Mehrheit in diesem Land die Tassen im Schrank hat.“ Deshalb sei es für die Grünen nicht ratsam, nach links, für die CDU nicht ratsam nach rechts zu gehen.
Im Rest der Sendung geht es um die Fehler im Wahlkampf des CDU-Kandidaten Manuel Hagel, um die beiden Videos, die ihm geschadet haben, um die Diskussionskultur der politischen Mitte und um den CDU-Parteitags-Antrag zur „Lifestyleteilzeit“. Die Runde ist sich einig, dass das Land Reformen braucht – Günther betont, dass sie kommen müssen, ohne Rücksicht auf anstehende Wahlen.
Es ist ein Abend, der auf den ersten Blick paradox wirkt. Die Siegerin der Landtagswahl muss sich rechtfertigen. Aber auf den zweiten Blick merkt man: Brantner ist ja nur die Bundesvorsitzende der Partei. Und gewonnen hat der Landesverband, mit einem Mann an der Spitze, der mit der Bundespartei im Wahlkampf nicht viel zu tun haben wollte – dessen Plakate sogar ohne ihr Logo auskamen.
Miosga schafft es – auch mit Hilfe eines scharf analysierenden Alexander – diesen Widerspruch herauszuarbeiten. Die Botschaften, die Brantner eigentlich senden will: Dass die Grünen wieder da sind, dass sie gewinnen können, dass sie zuhören. Die kommen nicht durch.
Ganz zum Schluss der Sendung stellt Caren Miosga den CDU-Mann Günther eine Frage – zu Terminen von Landtagswahlen. Günther antwortet, Miosga leitet zu den Tagesthemen über. Brantner will etwas einwerfen. Man versteht akustisch nicht, was sie sagt. Sie dringt nicht durch.
- Caren Miosga
- Franziska Brantner
- Baden-Württemberg
- Cem Özdemir
- Robin Alexander
- Bündnis 90/Die Grünen
- Boris Palmer
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