Nach der Landtagswahl in Baden-Württemberg ist die Wut in der Südwest-CDU immer noch groß – die Christdemokraten werfen den Grünen nach der Veröffentlichung eines Videos mit älteren Aussagen von Spitzenkandidat Manuel Hagel eine „Schmutzkampagne“ vor. Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer (parteilos) kann das nachvollziehen. „Ich kann mich in die Seele der CDU da gut reinversetzen“, sagte er der Nachrichtenagentur dpa.

Zoe Mayer, Grünen-Bundestagsabgeordnete aus Karlsruhe, hatte vor knapp zwei Wochen ein altes Video aus dem Jahr 2018 gepostet, in dem der damals 29-jährige Hagel von einer Schülerin und von ihren „rehbraunen Augen“ spricht. Das Video ging viral, verbunden mit Sexismusvorwürfen.

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Bei der Landtagswahl lieferten sich Grüne und CDU ein knappes Rennen um Platz eins – am Ende mit einem hauchdünnen Vorsprung für die Grünen. Spitzenkandidat Cem Özdemir könnte in die Fußstapfen von Ministerpräsident Kretschmann (Grüne) treten. Dann wird er vermutlich eine Regierung mit der CDU bilden.

Palmer: Bei der CDU gibt es solche Abgeordnete nicht

Es sei schon schmerzhaft, einen so sicher geglaubten Sieg auf den letzten Metern zu verlieren, sagte Palmer zum Abschneiden der CDU am Abend. Und wenn man dann noch den Eindruck habe, dass es unfair gewesen sei, könne er verstehen, wenn man auch harte Worte benutze. CDU-Generalsekretär Tobias Vogt hatte etwa kurz vor der Wahl von einer Schmutzkampagne der Grünen gesprochen, die „Menschen vernichte“.

Palmer glaubt aber nicht an eine orchestrierte Kampagne bei den Grünen. Für die Union klinge unglaubwürdig, wenn eine Bundestagsabgeordnete sage, sie habe etwas gepostet und mit niemandem gesprochen. „Das können die sich nicht vorstellen, weil es bei denen solche Abgeordnete nicht gibt“, sagte Palmer. „Bei den Grünen gibt es Abgeordnete, die das tatsächlich auf eigene Rechnung machen, auch wenn man es nicht glauben kann, und es natürlich vollkommen absurd ist.“ Palmer war selbst lange Mitglied der grünen Partei.

Nun komme es für die Grünen darauf an, der CDU zu vermitteln, dass das keine „ausbaldowerte Intrige“ gewesen sei, hinter der der grüne Spitzenkandidat Cem Özdemir stecke, sagte Palmer. „Ich hoffe jetzt nur, dass diese Wunden nicht zu tief sind. Dass die Union in den nächsten Tagen zurückfindet“, sagte Palmer. Baden-Württemberg brauche eine stabile Regierung – das könnten nur die beiden Parteien machen. „Es ist Vertrauensbildung angesagt – das kann natürlich nur vom Wahlsieger kommen.“

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