„Shitstorms halte ich aus, aber es hört auf, wenn meine Familie bedroht wird“
SPD-Politiker Ralf Stegner hat in einem Interview mit dem „Zeit Magazin“ über seine Erfahrungen als Gast in Talkshows gesprochen. Er werde dort eingeladen, weil er eine gewisse Rolle einnehmen könnte: „Es wird nicht eingeladen, wer für ein Thema zuständig ist oder wen die Parteiführung gern dort sitzen hätte. Sondern zum Beispiel eher derjenige, der auch bei strammem Gegenwind bei seiner Meinung bleiben kann.“ Einem Ranking zufolge war Stegner 2o24 zwölfmal Gast in Talkshow, 2025 ebenso oft. Damit liegt er auf dem achten Platz – hinter Politikern wie Sahra Wagenknecht und Kevin Kühnert.
Nach seinen Auftritten habe er auch schon heftige Kritik kassiert. „Shitstorms halte ich aus, aber es hört auf, wenn meine Familie bedroht wird, was schon häufig der Fall war.“ Stegner berichtet von einem besonders bedrohlichen Fall: „Bei meinem ältesten Sohn wurde der Briefkasten angezündet, und es kamen Morddrohungen von russischen Servern.“ Als Politiker könne er sich dagegen abhärten, aber der Familie sollte so etwas erspart bleiben. In diesen Runden sei er sehr streitfreudig. Sein Harmoniebedürfnis hingegen konzentriere sich auf seine Familie.
Positive Rückmeldungen erhalte er immer dann, wenn er vom Moderator besonders hart angefasst werde. „Da sagen die Leute: Oh, Mensch, das war nicht fair: Der hat Ihnen 17-mal die gleiche Frage gestellt.“ Markus Lanz sei darin Spezialist, so Stegner. „Da muss man gute Nerven haben und darf nicht zucken.“
Eine Eigenschaft von Schröder bewundert Stegner
Selbstkritisch ist Stegner in Bezug auf seine Körpersprache in den Gesprächsrunden. Er sei überhaupt kein Schauspieler. „Meine Frau sagt immer: Du musst nicht nur auf die gesprochene Sprache, sondern auch mal auf die Körpersprache achten.“ Das habe Altkanzler Gerhard Schröder besser hinbekommen. „Wenn der das rote Licht einer Kamera sieht, gehen die Mundwinkel automatisch nach oben. Ich bewundere das.“
Nach Jahren in seiner Funktion als Talkshow-Gast habe er gelernt, immer die Zeit im Blick zu haben, „damit man bis dahin transportiert hat, was einem wichtig ist.“ Außerdem müsse man einige Vorsichtsmaßnahmen treffen, „wie im Straßenverkehr“. Der Faktencheck könne in diesen Sendungen „grausam“ sein. „Wenn man sich nicht sicher ist: Finger weg. Wenn Robert Habeck erklärt, wie Bäckereien ihr Geld verdienen oder wie die Entfernungspauschale funktioniert – irre schwierig, da unfallfrei rauszukommen.“
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