• Bei einem Modellprojekt in Hessen übernimmt das Finanzamt das Ausfüllen der Steuererklärung – die Bürger müssen das Ergebnis nur noch akzeptieren.
  • Thüringen sieht das Modell sehr positiv und möchte es auch einführen.
  • Sachsen und Sachsen-Anhalt unterstützen die Idee ebenfalls, sehen aber noch Klärungsbedarf beziehunsgweise wünschen sich bundesweit einheitliche Lösungen.

Die Steuererklärung macht sich von allein, ganz ohne das Ausfüllen der lästigen Formulare – für viele Menschen ist das sicherlich eine Wunschvorstellung. Tatsächlich könnte das bald zumindest in bestimmten Fällen Wirklichkeit werden: In Hessen läuft derzeit ein entsprechendes Pilotprojekt. In Mitteldeutschland wird das Modell von Finanzpolitikern sehr wohlwollend verfolgt.

Im August stellte Hessen das Modell vor. Nach Angaben des dortigen Finanzministeriums sollte das Finanzamt Kassel einer ausgewählten Gruppe von Bürgern einen Vorschlag zur Festsetzung der Einkommensteuer 2024 machen. Basis dafür sind Steuerdaten, die dem Amt bereits vorliegen. Die Bürger müssten den Vorschlag dann nur noch prüfen. Sind sie einverstanden, erlasse das Finanzamt nach Ablauf einer Frist von vier Wochen einen Steuerbescheid. Die Bürger könnten aber auch weiterhin Aufwendungen innerhalb der Frist geltend machen oder selbst ihre Unterlagen einreichen.

Thüringen möchte automatisierte Steuererklärung gerne 2026 umsetzen

In Mittdeutschland bekommt das Modell – Finanzbeamte sprechen von einer sogenannten Amtsveranlagung – viel Unterstützung. Das Thüringer Finanzministerium antwortete auf eine Anfrage des CDU-Haushaltspolitikers Maik Kowalleck, dass es der Idee positiv gegenüber stehe. Das Verfahren komme sowohl bei bei der Veranlagung von Renten als auch von Lohnsteuern infrage. Sollten in den kommenden Monaten dafür die organisatorischen und technischen Voraussetzungen geschaffen sein, werde eine Umsetzung im Verlauf von 2026 angestrebt.

Zugleich sieht das Ministerium in Erfurt aber noch Klärungsbedarf zwischen Bund und Ländern, um eine vollständige Digitalisierung des Verfahrens zu erreichen. Nötig sei eine länderübergreifende Einigung. Thüringen kann sich demnach eine Umsetzung per App mit dem Elster-Programm vorstellen. Die Steuererklärung würde anhand der Daten, die dem Finanzamt vorliegen, "automatisch erstellt, genehmigt und quasi mit einem Klick vom Steuerpflichtigen oder steuerlichen Vertreter abgesendet", erklärte das Ministerium. Der Steuerbescheid würde dann auch digital verschickt.

Ein solches Verfahren nimmt Menschen eine echte Last ab und sorgt zugleich für mehr Effizienz in der Verwaltung.

Maik Kowalleck, CDUHaushaltspolitiker in Thüringen

Derzeit lasse sich allerdings nicht einschätzen, wie viele Steuerpflichtige das Verfahren nutzen würden. Die Mehrzahl der Thüringer, knapp 80 Prozent, gibt nach Angaben der Finanzverwaltung ihre Steuererklärungen digital ab, entweder über das Elster-Portal oder private Online-Anbieter.

Haushaltspolitiker Kowalleck sieht viel Potenzial für die Einführung der automatischen Steuererklärung: "Wenn der Staat die Daten bereits hat, sollte er sie auch für die Bürgerinnen und Bürger nutzbar machen. Ein solches Verfahren nimmt Menschen eine echte Last ab und sorgt zugleich für mehr Effizienz in der Verwaltung."

Auch Sachsen und Sachsen-Anhalt sehen Steuererklärungen durch Finanzämter positiv

Auch aus Sachsen und Sachsen-Anhalt kommt Unterstützung. Das Finanzministerium in Dresden teilte am Montag auf Anfrage von MDR AKTUELL mit, es sei "auch ein sächsisches Anliegen, das Besteuerungsverfahren zu vereinfachen". Das Pilotprojekt in Hessen werde "mit großem Interesse verfolgt". Weiter erklärte das Ministerium: "Ob und inwieweit eine 'Steuererklärung vom Amt' auch in Sachsen eingeführt wird, wird gerade geprüft."

Zugleich sieht das Haus von Minister Christian Piwarz (CDU) ebenso noch Klärungsbedarf zwischen Bund und Ländern, um eine vollständige Digitalisierung des Verfahrens zu erreichen. "Dabei ist uns neben den organisatorischen und technischen Voraussetzungen auch wichtig, die gesetzlichen Rahmenbedingungen genau zu betrachten."

Sachsen-Anhalt plädiert für bundeseinheitliche Umsetzung

In Sachsen-Anhalt hält die Koalition aus CDU, SPD und FDP die Einführung einer automatisierten Einkommensteuerveranlagung ebenfalls "als wichtigen Schritt hin zu einer modernen, leistungsfähigen und bürgerfreundlichen Steuerverwaltung". Nach Angaben der CDU-Fraktion im Landtag befürwortet die Koalition gleichwohl eine bundeseinheitliche Umsetzung.

Der finanzpolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Stefan Ruland, erklärte Mitte Dezember: "Gerade für viele Arbeitnehmer und Rentner ist die jährliche Steuererklärung eine große Belastung." Der Staat müsse den Bürgern das Leben aber leichter machen, nicht komplizierter. Auch die Finanzämter stünden unter hohem Druck. Wenn einfache Fälle automatisiert bearbeitet würden, bleibe mehr Zeit für komplexe Prüfungen.

Deutsche Steuer-Gewerkschaft begrüßt Pilotprojekt

Die Deutsche Steuer-Gewerkschaft, in der das Personal aus der Finanzverwaltung organisiert ist, begrüßte das hessische Pilotprojekt ebenfalls. Der Bundesvorsitzende Florian Köbler sagte: "Während unsere Kolleginnen und Kollegen heute noch viel Zeit mit der manuellen Bearbeitung von Standardfällen verbringen, könnten sie sich bei einer vollständigen Digitalisierung auf die wirklich komplexen und wichtigen Fälle konzentrieren."

dpa/MDR (mze/kar/ala)

Haftungsausschluss: Das Urheberrecht dieses Artikels liegt bei seinem ursprünglichen Autor. Der Zweck dieses Artikels besteht in der erneuten Veröffentlichung zu ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Sollten dennoch Verstöße vorliegen, nehmen Sie bitte umgehend Kontakt mit uns auf. Korrektur Oder wir werden Maßnahmen zur Löschung ergreifen. Danke