„Wir teilen die amerikanischen Besorgnisse“ – Merz wirbt für stärkere Nato-Präsenz in Grönland
Nachdem US-Präsident Donald Trump erneut den Anspruch seines Landes auf Grönland bekräftigt hat, stehen seine transatlantischen Partner vor einer schwierigen Aufgabe: Was tun, wenn ein Verbündeter das Territorium eines EU- oder Nato-Mitgliedstaates für sich beansprucht?
Mehrere Nato-Staaten wie Großbritannien hatten sich zuletzt für einen Ausbau der Bündnispräsenz in der Arktis ausgesprochen. Ein Vorschlag sieht Diplomaten zufolge einen Überwachungseinsatz mit dem Namen „Arctic Sentry“ (etwa: Wächter der Arktis) vor. Er soll den Amerikanern das Argument nehmen, dass die Sicherheit in der strategisch wichtigen Region nicht ausreichend gewährleistet werden kann.
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) geht davon aus, dass die USA sich an einer stärkeren Nato-Präsenz rund um Grönland beteiligen werden. „Wir teilen die amerikanischen Besorgnisse, dass dieser Teil Dänemarks besser geschützt werden muss“, sagte Merz bei seinem Indien-Besuch. „Wir wollen einfach die Sicherheitslage für Grönland gemeinsam verbessern. Und ich gehe davon aus, dass die Amerikaner sich daran auch beteiligen.“ In welchem Umfang - „das werden die Gespräche der nächsten Tage und Wochen zeigen“, sagte Merz.
Außenminister Johann Wadephul hat gerade erst eine Bereitschaft für einen größeren Beitrag Deutschlands zur militärischen Sicherheit in der Arktis erklärt. Die richtigen Antworten müssten im Nato-Rahmen gefunden werden, sagte der CDU-Politiker, der auf Island einen Zwischenstopp auf dem Weg in die USA einlegte. In Washington steht ein Treffen mit US-Außenminister Marco Rubio auf dem Programm. Trumps Drohungen gegen Grönland dürften dabei eine wichtige Rolle spielen.
Reservistenverband will dauerhaft deutsche Soldaten auf Grönland
Der Chef des Reservistenverbandes der Bundeswehr, Patrick Sensburg, fordert unterdessen eine Art Dauerpräsenz deutscher Soldaten. „Wir müssen davon ausgehen, dass Trump mit Grönland Ernst macht“, sagte Sensburg der „Bild“. „Europa muss daher viel stärker Präsenz zeigen. Wir müssen in kurzer Zeit mindestens eine europäische Brigade unter der Führung von Dänemark dorthin verlegen. Auch Deutschland wird hier besonders in der Pflicht stehen.“
Er sieht auch einen strategischen Nutzen für die Bundeswehr, denn sie könnte eine Dauerpräsenz mit Ausbildungsstätten auf Grönland errichten. „Das birgt auch Chancen: Wir könnten neben der Gebirgs- und Winterkampfschule in Mittenwald auch in Grönland trainieren und ausbilden. Das wird Europa stärker zusammenschweißen.“
In dieser Woche will sich Rubio mit seinem Amtskollegen Lars Løkke Rasmussen aus Dänemark treffen. Auch die grönländische Außenministerin Vivian Motzfeldt nimmt nach eigenen Angaben an dem Treffen teil. Wann genau es stattfindet, wurde noch nicht offiziell bekannt gegeben.
Mehrere US-Senatoren reisen laut dänischen Medien außerdem zu Gesprächen mit dänischen und grönländischen Politikern nach Kopenhagen.
Dänemark und Grönland weisen Trumps Besitzansprüche seit Wochen vehement zurück. Wenn ein Nato-Land ein anderes angreife, dann höre alles auf, hatte Dänemarks Regierungschefin Mette Frederiksen gesagt. Grönland gehört als Teil des Königreichs Dänemark zur Nato. Die Arktisinsel war bis 1953 dänische Kolonie und ist inzwischen weitgehend autonom. Für die Sicherheits- und Verteidigungspolitik ist aber weiter Dänemark zuständig.
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